Wer mutig ist, kann auch in schwierigen Situationen richtige Entscheidungen treffen, obwohl die Angst groß ist. In den folgenden Büchern überwinden die Protagonist*innen ihre Unsicherheiten, stellen sich Herausforderungen und stehen fest zu ihren Überzeugungen. Was will man in der heutigen Zeit mehr? Viel Freude beim Lesen, Verschenken, Vorlesen, Anschauen und Darübersprechen.
Dennys Liste

Denny ist Jakes einziger Freund und der wird schon in fünf Tagen umziehen. Eigentlich müsste Denny packen, doch stattdessen präsentiert er Jake eine Liste mit fünf Dingen, die er unbedingt vor seiner Abreise noch erledigen möchte. Obwohl Jake sich nicht vorstellen kann, wie das alles gelingen soll, sagt er seine Hilfe zu. Zunächst geht es darum sich an jemandem zu rächen. Und das geht gründlich schief. Doch etwas Gutes hat die ganze Aktion, denn es schließen sich auf ihrer Mission zwei neue Freunde an. Und plötzlich scheint die Umsetzung des dritten Punktes gar nicht mehr so abwegig. Es geht um eine Entschuldigung und das Ergebnis ist wunderschön. Doch was hat es mit dem vierten Punkt „Etwas Geklautes wieder zurückgeben“ auf sich? Jake entdeckt mit Schrecken, dass er selbst in dieser Aufgabe die Hauptrolle spielt und die Freundschaft zu Denny gerät ins Wanken. Für die letzte Aufgabe braucht Denny sehr viel Mut und Jake noch viel mehr.
Ein lebensnahes und spannend erzähltes Stück Kindheit an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Durch die kurzen Sätze und die überschaubaren Leseetappen besonders gut geeignet für Leseeinsteiger.
Keith Gray: Dennys Liste. Reihe Super lesbar. 144 Seiten, gebunden, 13x20cm, Gulliver bei Beltz 2026, ISBN: 978-3-407-82477-6, € 12, empfohlen ab 11 Jahren
Obacht!

Ach herrje, was ist denn das? Da liegt ein riesiges Tier vor den Toren der Stadt. Es ist kein Durchkommen mehr. Vielleicht deckt man das Tier zuerst einmal zu, damit man es nicht mehr sehen muss? Aber es liegt ja weiterhin im Weg. Vielleicht eine Brücke drüber bauen? Die hält allerdings nur so lange, bis sich das Tier genüsslich streckt. Also einigen sich die Stadtbewohner auf eine Umgehungsstraße rund um das Tier. Wer hätte es gedacht – auch diese Lösung scheitert. Warum hört auch niemand auf das kleine Mienchen? Sie hat von Anfang an dafür plädiert mit dem Tier zu sprechen und es zu fragen, was es hier will. Aber wer hört schon auf ein kleines Mädchen? Wie wunderbar, dass Mienchen die Geschichte zauberhaft ausgehen lässt.
Ein traumhaft illustriertes Bilderbuch, markant reduziert gezeichnet in sanften Tönen. Nur ab und an darf es ein knalliges Orange sein, vor allem wenn etwas besonders wichtig ist. Wie das Mienchen zum Beispiel, das unvoreingenommen dem Fremden begegnet: Bravo!
Kerstin Hau, Stella Dreis (Illustr.): Obacht! 40 Seiten, gebunden, 22×28,5 cm, NordSüd 2026, ISBN: 978-3-314-10734-4, € 18, empfohlen ab 4 Jahren
The House Saphir

Diese Gothic-Retelling des Blaubart-Märchens besticht in seiner Erstauflage mit aufwendigem Farbschnitt, natürlich in saphirblau. Die Protagonistin Mallory Fontaine hält sich nach dem Tod ihrer Mutter mit außergewöhnlichen Führungen durch die berüchtigte Stadtvilla Haus Saphir über Wasser. Sie setzt dabei gerne Spukeffekte ein, bei denen sie Hilfe von ihrer Schwester erhält. Eigentlich könnte sie sich auch des Geistes einer der ermordeten Ehefrauen von Bastien Saphir bedienen, denn Mallory besitzt die seltene Gabe mit Geistern kommunizieren zu können. Eines Abends stößt ein mysteriöser Fremder zu einer der illegalen Führungen durch das Spukhaus, es ist ein Nachfahre des berüchtigten Frauenmörders und er bittet Mallory dringend um Hilfe. In Armands Schloss geht es schon lange nicht mit rechten Dingen zu, aber offensichtlich hat der bösartige Geist Bastiens von den Mauern Besitz ergriffen und es kam zu erneuten Gewalttaten. Und weil Mallory und ihre Schwester in chronischer Geldnot sind und inzwischen auch die Polizei hinter ihnen her ist, treten sie fluchtartig die Reise in Armands Weingut auf dem Land an. Aus anfänglichen harmlosen Räuchereien und Beschwörungsformeln wird bald blutiger Ernst und Mallory muss erkennen, dass sie der Aufgabe nicht gewachsen ist. Wie das Geheimnis um die dunkle Kammer im Keller wohl ausgeht? Wie kann sie einen Mann lieben, der vielleicht ein Mörder ist? Sehr spannend, dunkel und bisweilen heftig gruselig. Beste Sommerferienlektüre also.
Marissa Meyer: The House Saphir. Die sieben Schlüssel. 432 Seiten, gebunden, 14×22 cm, Enchanted by arsEdition 2026, ISBN: 978-3-8458-6863-9, € 22, empfohlen ab 14 Jahren
Die kleine Schildkröte, die vom Fliegen träumte

Jacques ist irgendwie immer nicht ganz richtig, er ist langsamer als die anderen Landschildkröten, dazu tapsig und ungeschickt. Und er träumt vom Fliegen, deshalb baut er sich aus allen möglichen Zutaten eine Flugmaschine. Wie schön es ist, wie die Möwen durch die Luft zu gleiten, Jacques ist glücklich. Bis er vom Himmel fällt und sich den Arm verletzt. Nun ist er noch langsamer als alle anderen. Eines Tages machen ihm die Seehundfreunde das Angebot mit ihnen das Meer zu erkunden und was Jacques da erlebt ist einfach allerliebst. Er ist endlich in seinem Element und offenbar schon immer eine Meeresschildkröte gewesen. Endlich kann er fliegen! Nicht zufällig heißt die kleine Schildkröte so wie der große Meeresforscher Cousteau und nicht zufällig trägt sie wie er eine rote Wollmütze. Die Botschaft dieses schönen Bilderbuches: Folge mutig deinem Herzen und gibt auch nach Rückschlägen nie auf. Mit kleinem Infoteil zum Schutz der Meere.
Alina Winopal: Die kleine Schildkröte, die vom Fliegen träumte. 48 Seiten, gebunden, 22×29 cm, arsEdition 2026, ISBN: 978-3-8458-6935-3, € 16, empfohlen ab 3 Jahren





