Phillies Tagebuch: Über Tischmanieren und Müsli vorm Mittagessen

Warum unsere Tochter alles darf

Wie ist das bei euch so geregelt? Meine Partnerin Ida ist im Supermarkt der Velociraptor des 21. Jahrhunderts und jagt in der Fleischabteilung nach den schönsten Filets, während ich eher wie ein Brontosaurus durch die Gemüseabteilung schlendere. Und wie handhaben wir es nun bei unserer Tochter Bo (fast 3)? Ziemlich genau so: Ida bietet ihr hin und wieder Fleisch an und ansonsten gibt es bei uns sehr viel Veggieküche. Wir haben das nie zum Thema gemacht, auch nicht in unserer Beziehung. 

Wo wir uns glücklicherweise sehr einig sind, ist das Thema Essverhalten/Tischmanieren. Da legen Ida und ich viel Wert auf Selbsbestimmung. Das kann von außen betrachtet ein wenig larifari wirken, jedoch verfolgen wir da tatsächlich einen Plan, der für uns bisher super funktioniert und für sehr viel Entspannung im Alltag sorgt. Wir essen zu Hause alle dann, wenn wir Hunger haben. Bo frühstückt gerne eine Kleinigkeit vor der Kita und dann nochmal ihr mitgebrachtes Vesper vor Ort. Dort hat sie dann die Möglichkeit, am Frühstück teilzunehmen und kann sich mit ihren Kolleg*innen connecten. Ida und ich sind nicht so die Frühstücker und unsere Tochter Bo stört sich nicht daran. 

Abends bieten wir dann Bo ein gemeinsames Essen an, wobei auch da gilt: Alles kann – nichts muss. An machen Tagen sitzen wir gemütlich zusammen und an anderen Tagen bricht Bo nach 30 Sekunden ab und macht was anderes. Oft liegt es daran, dass sie sich schon was zu essen gegönnt hat, bevor Ida und ich soweit waren. Wir beobachten und begleiten das Essverhalten unserer Tochter insofern, dass sie möglichst ausgewogen isst. Es hat sich auf jeden Fall bewährt, auf ihr natürliches Hungergefühl zu vertrauen (auch wenn es uns Großen manchmal zu wenig vorkommt.. ihre Gewichtszunahme ist völlig in der Norm und sie hatte noch nie eine nächtliche Hungerattacke).

Essen soll was Schönes sein

Oft beobachte ich Essensituationen zwischen Erwachsenen und Kindern, die in mir selbst wahnsinnigen Druck und Stress auslösen. Sie katapultieren mich zurück in Situationen aus meiner Kindheit, die nicht schön für mich waren. Fragen nach der Schule waren für mich ein Alptraum und die Regel, sitzen beliben zu müssen, bis alle fertig sind und der Situation ausgeliefert zu sein, die Hölle auf Erden… 

Eine weitere Beobachtung… „Iss deinen Teller leer!“ oder „Erst wenn der Teller leer ist, gibt es Nachschlag/-tisch!“… Ich weiß..  unsere Meinung hierzu ist äußerst kontrovers und wir werden schnell als zu laissez-faire abgestempelt. Aber dadurch, dass wir beide von diversen Essstörungsverhalten betroffen sind, wollen wir einfach alles dafür tun, dass unsere Tochter eine positive Beziehung zum Thema Essen entwickeln kann. Deswegen gibt‘s bei uns am Tisch keinen Ärger, wenn etwas liegen bleibt oder nicht probiert werden will. 

Und wie gehen wir nun damit um, wenn wir irgendwo zu Gast sind? Frei nach dem Motto: Andere Familien, andere Sitten. Wir respektieren die Regeln, die bei anderen Menschen am Tisch gelten, solange wir zuhause unser Ding machen können. 

Kleiner Fun Fact. Als Bo in die Kita kam, berichtete unsere Bezugserzieherin, dass Bo gerne aufsteht beim Mittagessen. Ich habe ihr dann erzählt, wie wir es zuhause handhaben und wenn sie in der Kita am Tisch sitzen soll, sie das mit ihr klären müssen. Und siehe da! Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit sitzt Bo nun in der Kita zufrieden am Mittagstisch dabei, weil sie offensichtlich verstanden hat, dass es unterschiedliche Konzepte gibt. Und das finden wir prima. 

Vertrauen lohnt sich mal wieder!


Phillie

Phillie

Phillie erzählt in seinen Tagebucheinträgen von seinen Erfahrungen als Papa. Er ist gelernter Erzieher und Yoga-Lehrer.

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