Mit Krippenwagen in der Straßenbahn – Editorial im Mai 2018

Herausgeber Karl Goerner

Liebe Leserinnen & Leser,

„Am Ende wird alles gut! Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende.“ soll Oscar Wilde gesagt haben.

Für große Aufregung sorgte Mitte März ein Schreiben des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV), in dem Kitas und Kindergärten darüber informiert wurden, dass Krippenwagen (s. Foto) „aus Platz- und Sicherheitsgründen“ in Bussen, Stadt- und Straßenbahnen ab sofort nicht mehr befördert würden. Wenig später erreichten uns die ersten entrüsteten Anrufe und Mails der Betroffenen. Auch auf Facebook kamen sehr bissige Kommentare. Inzwischen haben sich auch schon Stadtratsfraktionen sehr kritisch zu dem harsch formulierten Verbot geäußert. Auch wir vom KARLSRUHER KIND sind natürlich in dieser Angelegenheit beim KVV mehrfach vorstellig geworden.

Die breite Kritik an dieser Entscheidung führte im April zu einem Austausch zum Thema zwischen Dr. Alexander Pischon, dem Geschäftsführer des KVV, Jonas Nees, dem Leiter des Kinderbüros der Stadt Karlsruhe, und Eray Dag vom Gesamtelternbeirat Karlsruher Kindertageseinrichtungen. „Wir hatten diese Entscheidung vor allem deshalb getroffen, um die Sicherheit unserer kleinsten Fahrgäste und aller anderen Passagiere jederzeit gewährleisten zu können“, erläutert Dr. Alexander Pischon. „Die Kritik auf breiter Ebene hat uns überrascht. Auf Basis der vielen Rückmeldungen haben wir aber verstanden, dass es hier von Seiten der Kindertagesstätten einen großen Bedarf gibt, den Transport von Krippenwagen auch in Zukunft zu gewährleisten“, sagt Dr. Alexander Pischon. „Vor diesem Hintergrund stehen wir einem lösungsorientierten Austausch über mögliche Änderungen aufgeschlossen gegenüber“, betont der Geschäftsführer. „Bei diesem Thema wird sich mit Sicherheit eine differenzierte Lösung des Problems finden lassen“, so Jonas Nees. 

Wir haben recherchiert: Die drei Buchten in den Straßenbahnen haben eine Länge von 1,50 bis 1,67 m im vorderen, 1,90 m im mittleren und zwischen 1,68 und 1,75 m im dritten Wagenteil. Die Tiefe beträgt ohne Beeinträchtigung des Ganges 90 cm (alle Angaben: KVV). Laut der Sprecherin des Elternbeirats einer Kita sind die Maße der Krippenwagen: 1,55 m für einen 4-Sitzer Turtle Krippenwagen und 1,75 m für einen 6-Sitzer und selbst 8-Sitzer haben nur eine Länge von 180 cm, würden also problemlos längs ins mittlere Abteil passen. Die Breite beträgt jeweils maximal 84 cm. Da die Krippenwagen nahezu alle über ein Anschnallsystem verfügen, erscheint die Sicherheitsfrage als eher vorgeschoben. Kleinkinder sitzen in ihrem Wagen sicherer als alle anderen Fahrgäste und um ein Vielfaches sicherer, als wenn sie stehend befördert werden müssten. Das sieht übrigens der Rhein-Neckar-Verkehrsverbund genauso und befördert Krippenwagen ausnahmslos, so lange die Kinder angeschnallt sind. 

Wir gehen davon aus, dass die Regelung des KVV etwas übereilt herausgegeben wurde, weil sich Rollatoren-Fahrgäste und faule Radfahrer beschwert hatten. Bei meinen StraBa-Fahrten stelle ich allerdings regelmäßig fest, dass die Karlsruher Fahrgäste auch beim dritten Kinderwagen in der Bucht gerne mal beiseite treten und mit einem verständnisvollen Lächeln auch ein schreiende Kind quittieren. Ich bin sicher, der KVV wird die Krippenwagen-Kuh vom Eis bekommen!

Jetzt aber erst einmal – auch in der Straßenbahn – viel Spaß beim Schmökern 

in Ihrem neuen KARLSRUHER KIND!