Frühling – Editorial im März 2017

Herausgeber und Chefredakteur Karl Goerner

„ Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Durch des Frühlings holden, belebenden Blick; / Im Tale grünet Hoffnungs-Glück; / Der alte Winter, in seiner Schwäche, / Zog sich in rauhe Berge zurück.“ schrieb einst Johann Wolfgang von Goethe (Faust, Osterspaziergang) und auf dem Totenbett soll er gerufen haben „Mehr Licht!“ Ich möchte hier keine unzulässigen Zusammenhänge zwischen einem der bedeutendsten Schriftsteller Deutschlands und mir herstellen, aber eine kleine Gemeinsamkeit scheint unser Bedürfnis nach Wärme und Licht zu sein.

Der März wird uns nach einem langen Winter wieder beides schenken. Und ich kann’s diesmal kaum erwarten!

Aber nicht nur die Wärme von außen fehlt mir, mir scheint auch irgendwo viel innere Wärme verlorengegangen zu sein. Nicht nur in der Politik, der Wirtschaft, den Schulen, dem Straßenverkehr, ich vermisse in zunehmendem Maß Wärme und grundsätzliche Freundlichkeit – Empathie. Belege dafür erlebt jeder von uns täglich.

Vielleicht wäre es sinnvoll, statt facebook und den anderen „sozialen Medien“ dem guten alten Poesiealbum zu einer Renaissance zu verhelfen…

In meinem Poesiealbum – ja, auch Jungs hatten welche – war der erste Eintrag der meiner Grundschullehrerin in markanter Schrift handgeschrieben: „Du sollst Sonnenschein allen Menschen im Leben sein!“ Das Buch ist schon lange verschollen, aber diesen Satz kann ich mir schon seit 50 Jahren merken.

Klar – ist voll uncool! Ein Freund hat neulich solche Sinnsprüche, die oft von einer tiefen inneren Wärme zeugen, im facebook gepostet, und ich habe mich prompt über ihn lustig gemacht. Ob er denn jetzt zum zwölfjährigen Mädchen mutiert sei? Man schreibt ja dort erfahrungsgemäß viel zu schnell und meist unreflektiert. Später habe ich dort nochmal nachgelesen: „Die globale Erderwärmung kann nicht durch den Anstieg sozialer Kälte ausgeglichen werden.“ ist ja nicht der schlechteste Satz, wenn man ihn lebt.

Im Interesse einer lebenswerten Welt für unsere Kinder könnten wir ja zumindest öfter mal nachdenken, ob wir uns nicht vom Eise befreien sollten…

Warme Gedanken und viel Spaß beim Schmökern

in Ihrem neuen KARLSRUHER KIND

Unterschrift Karl Goerner