Vier schöne Bücher über Tiere

Sie spielen eine Hauptrolle in den folgenden vier Titeln. Ob kluge Raben, die untereinander kommunizieren und vielleicht sogar Naturkatastrophen vorhersagen können oder eine schlechtgelaunte Kuh; ob ein neugieriges Vögelchen, das sich auf den Weg macht die Menschen kennenzulernen oder der kleine Maulwurf, den die Gärtnerin mit allen Mitteln bekämpft, bevor sie ihn schätzen lernt: es macht sehr viel Spaß von den Tieren zu lesen und sie so traumhaft ins Bild gesetzt zu sehen. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

Erdrutsch

Ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe. Es entführt in die imposante Bergkulisse des Comer Sees. Der touristische Hotspot ist bedroht, denn in kurzer Zeit gibt es überall in den Alpen Bergrutsche. Was hat es mit dem sogenannten Vogelmann auf sich, der kurz vor dem ersten Abgang fast nackt auf dem unzugänglichen Steilhang entdeckt und gerettet werden konnte? Spricht er tatsächlich die Sprache der Vögel und kann deren Warnungen verstehen? Ist er der neue Franziskus? Die Kirche ist sich sicher, doch eine befreundete Krähenforscherin will der Sache wissenschaftlich auf den Grund gehen. Und dann sind da noch der Bergsteiger, der sich um die Natur sorgt und die jungen Umweltschützer, die mit radikalen Methoden auf den Klimawandel und seine Auswirkungen in den Alpen hinzuweisen versuchen. Die lokalen Politiker der Lombardei und der Hauptstadt Mailand verfolgen ganz andere Ziele und wollen ein weiteres großes Hotelprojekt verwirklichen. So unterschiedlich die Interessen, so faszinierend ist das Gesamtgeschehen, das sich das Autorenpaar Spinnen und Wolkenstein als großartigen Auftakt einer neuen Reihe ausgedacht hat. Die Themen könnten aktueller nicht sein. 

Burkhard Spinnen, Charles Wolkenstein: Erdrutsch. 352 Seiten, gebunden, 14×21,5 cm, kanon 2025, ISBN: 978-3-98568-161-7, € 25, empfohlen ab 14 Jahren

Lieselotte macht nicht mit

Lieselotte ist ja bekannterweise für jeden Quatsch zu haben, aber an diesem Morgen kann sie nicht mal der saftige Löwenzahn der Bäuerin aus dem Stall locken. Selbst das geliebte Postaustragen macht ihr keine Freude und so langsam machen sich alle Sorgen um die schwarz-weiße Kuh. Am Nachmittag ist richtig was los auf dem Bauernhof, hier wird gewippt, dort fangen gespielt und das Trampolin ist gut besucht. Nur Lieselotte bläst unbeteiligt Trübsal. Ob eine Runde „Schnapp die Kuh“ daran etwas ändern kann? Die Tiere versuchen alles, um Lieselotte aufzumuntern, aber die macht einfach bei nichts mit. Jedem fehlt sich und dennoch kann sie sich zu nichts aufraffen. Dann soll sie eben alleine mies drauf sein. Doch irgendwann…. Ein herrliches Buch für alle Miesepeter, die sich eine Auszeit mit schlechter Laune gönnen, um dann frohgemut wieder zurückzukehren in den Kreis der Freunde. So witzig illustriert mit all den kleinen Szenen am Rande, man könnte ewig schauen.

Alexander Steffensmeier: Lieselotte macht nicht mit. 32 Seiten, Hardcover, 23,5×30,5 cm, Sauerländer 2023, ISBN: 978-3-7373-7216-9, € 15, empfohlen ab 4 Jahren

Vögelchens Reise

Vögelchen geht es gut in seinem geschützten Nest hoch oben im Baum. Es ist neugierig, wie es wohl bei den Menschen ist, von denen sich Mama immer ferngehalten hat. Und so macht es sich auf über Wiesen und Wälder, Seen und weit übers Land. Es erlebt Menschen, die sich ruhig in der Natur bewegen, aber auch laute Städte. Tierliebe und eingesperrte Papageien, verschmutzte Umwelt und Menschen, die gemeinsam Müll einsammeln am See: Vögelchen ist hin und hergerissen und es wird von Heimweh gepackt. Ob es den Menschen, die ihre kaputten Häuser verlassen auch so geht? So viele neue Eindrücke und dann in höchster Not helfende Hände, die gesund pflegen und die Freiheit schenken. Vögelchen kommt nach Hause und erzählt von den unterschiedlichen Menschen und ganz besonders von denen, die gut zu ihm waren. Mit leuchtend bunten Farben und einfachen Sätzen wird hier eine ganze Welt erzählt in all ihren Gegensätzen. Sehr emotional und mit starken Botschaften.

Frann Preston-Gannon: Vögelchens Reise. 40 Seiten, gebunden, 25×29 cm, minedition 2024, ISBN: 978-3-03934-051-4, € 18, empfohlen ab 4 Jahren

Der kleine Gärtner

Maulwürfe muss man einfach mögen, besonders wenn sie so niedlich gezeichnet sind, wie in diesem schönen Bilderbuch von Friederike Steil. Oma Riedel jedoch ist alles andere als entzückt, als sie beim fröhlichen Gärtnern nach der langen Winterpause den ersten erdigen Maulwurfshügel entdeckt. Dabei war sie sich ganz sicher, den kleinen Quälgeist ein für alle Mal aus ihrem Garten vertrieben zu haben. Also stampft die hart auf – sogar der dicke Vorschlaghammer, die Trompete und viel Wasser kommen zum Einsatz und zu guter Letzt will sie den Maulwurf mit vielen Anstrengungen ausgraben. Im unteren Teil der Illustrationen sieht man den armen kleinen Kerl voller Sorge seine Tunnel bewachen oder sich mit einem Schwimmring vor den Wassermassen in Sicherheit bringen. Oma Riedels Enkelin Charlie kommt gerade von der Schule heim und merkt, dass sie Oma nun wirklich aufklären muss über die Nützlichkeit des Maulwurfs für den Garten. Und so erfahren auch die kleinen Leser*innen viel über die Gewohnheiten des pelzigen Mitbewohners, seine verschiedenen Höhlen und Gänge, ja sogar über die Speisekammer und die ausgepolsterte Schlafhöhle. Der informative Sachbuchteil am Buchende stellt dieses besondere Tier noch einmal kindgerecht vor. Und Oma Riedel? Lesen Sie selbst.

Friederike Steil: Der kleine Gärtner. 32 Seiten, gebunden, 23,5×29 cm, minedition 2025, ISBN: 978-3-03934-067-5, € 18, empfohlen ab 3 Jahren


Eva

Eva Unterburg

Eva Unterburg schreibt wunderschöne Rezensionen über Kinderbücher und ist langjährige Freundin der Redaktion.

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