Vier Bücher für Jugendliche

In dieser Ausgabe gibt es Buchtipps für Jugendliche und die haben es in sich. Es geht um Spuk, Dystopie, echte und falsche Freundschaften und eine erschreckend aktuelle Zeitreise. Viel Spaß beim Lesen!

Bis der Regen Feuer fängt

Die stille Tonia lebt in einer nicht allzu fernen Zukunft im Jahr 2065. Ihre Welt ist überwacht: Sensoren messen den Gesundheitsstatus, zeigen den Standort an und mahnen bei Verstößen. Der Staat teilt die knappen Ressourcen zu und ermahnt seine Bürger sich unbedingt an die vorgegebenen Regeln zu halten. Tonias Bruder ist nach einem heftigen Streit mit den Eltern plötzlich verschwunden. Schon länger war Tonia eine starke Veränderung an ihm aufgefallen und nach seinem unerklärlichen Wegsein scheint die ganze Familie wie versteinert. Zum Glück gibt es Sol, das neue Mädchen in der Klasse, mit der Tonia Gedankenspiele machen kann, die heimlich raucht und ihren Sensor überlistet. Doch als nach einer ersten Liebesnacht der beiden Mädchen seltsamer Regen vom Himmel fällt, zieht es Tonia in den Wald jenseits der erlaubten Naherholungsgebiete. Sie möchte nachdenken über diese streng verbotene Liebe und je weiter sie in die Wildnis vordringt, spürt sie den eigentlichen Grund ihres Aufbruchs: sie will Rudi finden und wissen, was ihren Bruder so verändert hat. Außerdem haben er und Sol die exakt gleichen Narben an ihren Händen, das kann doch kein Zufall sein? Ein extrem spannendes Buch, das einen ob seiner aktuellen Themen immer wieder tief einatmen lässt beim Lesen. Sehr zu empfehlen wie alle Bücher von Stefanie Höfler.

Stefanie Höfler: Bis der Regen Feuer fängt. 320 Seiten, gebunden, 14,5×21,5 cm, Beltz&Gelberg 2026, ISBN: 978-3-407-79041-5, 18 €, empfohlen ab 14 Jahren

Sternengrab

Auch wer den ersten Band der Hovenäset-Reihe nicht kennt, kann sich hier sehr gut gruseln. Alvas Vater ist nun schon beinahe 1000 Tage tot. Ihr scheint es, als sei sie die Einzige, die brennend interessiert, was in jener Nacht wirklich geschehen ist, als er überfahren wurde. Und so sammelt sie heimlich Berichte über ähnliche Unfälle. Während ihre Mutter mit dem Kauf einer Strandhütte und der Planung ihres Cafés beschäftigt ist, erscheinen seltsame Gäste auf der Insel: ein altmodisch gekleidetes kleines Mädchen, dessen stumme Mutter und eine schwarze Katze. Nach und nach kommt raus, dass sie nicht zum ersten Mal gesehen werden, doch wie kann es sein, dass das Mädchen scheinbar nicht altert? Und was ist das für ein merkwürdiges Rohr unter der Strandhütte? Die alten Besitzer schweigen sich aus und Alva versucht lange, die verschiedenen Puzzleteile zu einem sinnvollen Ganzen zu vereinen. Dass sie nachts die Schritte ihres Vaters vor der Zimmertüre hört, macht ihr mindestens ebenso Angst, wie das ständige geisterhafte Auftauchen der Katze. Wie gut, dass ihr ihre Freunde auch in dieser spannenden Spukgeschichte zur Seite stehen.

Kristina Ohlsson: Sternengrab. 240 Seiten, gebunden, 15×21,5 cm, Oetinger 2026, ISBN: 978-3-7512-0574-0, € 15, empfohlen ab 11 Jahren

FREI. Beste Freundschaft

Der zweite Band der großartigen FREI-Trilogie erzählt natürlich das Leben der fünf Freunde und ihrer besonderen Schule im kleinen Dorf Rottloch weiter, kann aber ebenso als Einzeltitel gelesen werden. Dieses Mal steht Nasrin im Mittelpunkt. Sie ist eine sehr gute Schülerin, kümmert sich nach dem Tod der Mutter um ihren kleinen Bruder und versucht ihrem Vater keine Sorgen zu machen. Und natürlich wird sie dazu ausersehen, sich um den neuen Schüler Joachim zu kümmern. Alles was sie von ihm weiß, ist, dass er es gerade nicht leicht hat im Leben. Was liegt da näher, als ihn mit ins Freundes-Team zu nehmen, wenn es um das neue Schulprojekt geht? Doch von Anfang an scheint Nico mit Joachim ein Problem zu haben und Nasrin muss ständig vermitteln. Gleichzeitig kommt es an der Ida-Müller-Schule zu schlimmen Fällen von Vandalismus, was so gar nicht ins offene Schul-Konzept von Freiheit und Mitbestimmung passt. Zudem hat Nasrins Bruder Arad endlich einen Freund gefunden, aber sich seitdem auch sehr verändert. Nasrin wird alles zu viel. Am liebsten würde sie sich verkriechen, aber gerade jetzt zeigt sich, was wahre Freundschaft kann und wie gut sich Probleme in Gemeinschaft lösen lassen. Nasrin erzählt ihre Geschichte komplett aus ihrer Perspektive und es ist schön, sie so nah kennenzulernen. Ein ganz besonderes Jugendbuch, das lange nachwirkt.

Sarah Welk: FREI 2. Beste Freundschaft. 304 Seiten, broschiert, 13,5×20,5 cm, arsEdition 2025, ISBN: 978-3-8458-5755-8, € 15, empfohlen ab 12 Jahren

Die verborgenen Bilder

Frieke möchte eigentlich nur die Zeit zurückdrehen, als ihre Familie noch als Familie funktionierte und sie nicht zusammen mit ihrer Schwester und Mutter in diese altmodische Wohnung ziehen muss. Die Zeichnungen an der Wand ihres Zimmers sind nur ein kleiner Trost für die neue Partnerschaft ihres Vaters mit Andreas. Als Frieke merkt, dass sie durch die Zeichnungen ins Jahr 1928 reisen kann, beginnt ihr Doppelleben. Dort trifft sie auf Ilsabeth, die Modezeichnerin werden möchte. Schon bald werden die beiden Mädchen aus unterschiedlichen Zeiten beste Freundinnen und Frieke wird herzlich in der Großfamilie aufgenommen. Bei frisch gebackenem Kuchen, ganz ohne Handy und vielen Gesprächen am Esstisch fühlt sich Frieke bald wohler, als zuhause. Spätestens als die ersten antisemitischen Äußerungen fallen und Ilsabeths Begeisterung für Hitler immer deutlicher wird, merkt Frieke, dass sie selbst beginnt zu relativieren. Und das, obwohl sie die schrecklichen Ereignisse der Nazizeit kennt aus dem Geschichtsunterricht. Als sich dann die Vergangenheit mit der Realität in einem schlimmen Ereignis deckt, wacht Frieke auf und entscheidet sich.

Ein sehr eindrückliches Buch, das aktueller nicht sein könnte und aufzeigt, wie schnell eine Gesellschaft vergiftet werden kann. Unbedingt empfehlenswert, gerne auch als Schullektüre!

Maja Ilisch: Die verborgenen Bilder. 304 Seiten, gebunden, 15,5×21,5 cm, Oetinger 2026, ISBN: 978-3-7512-0748-5, € 16, empfohlen ab 11 Jahren


Eva

Eva Unterburg

Eva Unterburg schreibt wunderschöne Rezensionen über Kinderbücher und ist langjährige Freundin der Redaktion.

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