Groß werden kann ganz schön schwierig sein. Falsche Freunde, zu viel Druck in der Schule, eine unglückliche Liebe oder der Verlust eines geliebten Menschen können Jugendliche aus der Bahn werfen. So erging es Bella und Celine, die beide schon in jungen Jahren suchtkrank wurden. Niki hat mit Familiengeheimnissen zu kämpfen und mit der eigenen Identität und der kleine Junge aus dem Bilderbuch? Der darf wie das Bäumchen für den verstorbenen Opa einfach nur groß werden. Vier spannende und höchst emotionale Geschichten, die sich lohnen gelesen zu werden.

Niemand so wie ich?
Niki ist einfach Niki, jedenfalls wäre das der Idealfall. Ein Kind, das gerne in der gemischten Fußballmannschaft spielt und Oma zuliebe auch mal einen Rock trägt. Aber Niki hat eine ganz eigene Geschichte, die zunächst nebensächlich ist, denn eines Abends taucht ein Mann auf. Er steht in einem alten Anzug und mit einem kleinen braunen Koffer vor Nikis Haustür und möchte gerne mit dem Vater sprechen. Wieso reagiert der so wutentbrannt auf den Fremden? Niki geht ihm nach und merkt, dass der Mann kein Zuhause hat. Eine geteilte Pizza und die Vermittlung einer Unterkunft später erfährt Niki, dass er zur Familie gehört. Vor langer Zeit hat er einen sehr schlimmen Fehler begangen und Niki ist sicher, dass es jetzt wichtig ist, dass die Familie zusammenhält. Doch wie soll das gehen mit einem Vater, der nicht verzeihen kann und einer Oma mit einem kranken Herzen? Aufregung bedeutet das Auftauchen von Onkel Raimund alle Mal. Und eigentlich hat Niki ja jede Menge eigene Probleme, denn jeder erwartet, dass bald die Entscheidung fällt, welche der angeborenen Merkmale nun die richtigen sind. Kann nicht einfach alles so bleiben wie es ist? Eine sehr einfühlsame Geschichte, die tief in die Seele eines Kindes blicken lässt, das mit einer bunten Mischung verschiedener Chromosomen geboren wurde. Unbedingt empfehlenswert!
Rachel van Kooij: Niemand so wie ich? 223 Seiten, gebunden, 14,5×21 cm, Jungbrunnen 2024, ISBN: 978-3-7026-5992-9, 18€, empfohlen ab 11 Jahren
Girl with a knife
Celine sollte eigentlich glücklich sein, denn alle beglückwünschen sie zu ihrem gelungenen Realschulabschluss. Schließlich kann sie jetzt aufs Gymnasium wechseln und mit dem Abitur stehen ihr alle Studienwünsche offen. Aber sie hat Angst den vielen Erwartungen nicht gerecht zu werden und vermisst ihre beste Freundin Tanni jetzt schon. Zum Glück kann sie bereits am ersten Schultag neue Freunde finden und die Einliegerwohnung bei den Großeltern bietet unter der Woche genug Ruhe zum Lernen. Fiete begeistert Celine vom ersten Zusammentreffen an, er sieht cool aus, trägt teure Klamotten und ist extrem selbstbewusst. Aus der Schwärmerei wird eine Art Liebesabhängigkeit und schnell wird Celine noch von etwas anderem abhängig. Fiete versorgt sie nämlich mit kleinen Glückspillen, mit denen es sich so gut durchfeiern lässt auf den illegalen Raves, die er organisiert. Mit ihnen kann Celine sich auch viel besser konzentrieren und alle sind begeistert von ihren guten Noten. Doch dann kommt es zu einem tragischen Unglück und außerdem wird das Labor von Fietes Dealer polizeilich geschlossen. Fiete braucht Geld. Wie sehr er Celine manipuliert und welche Katastrophe sich in dem Zusammenhang ereignet, erfährt man als Leser*in nach und nach. Die Technik der Rückblende, der Verhörgespräche und Protokolle gemischt mit Celines Gedanken macht das Ganze sehr spannend und emotional.
Nicolette Bohm: Girl with a knife. 224 Seiten, broschiert, 13,5×20,5 cm, Thienemann 2024, ISBN: 978-2-522-20296-1, € 15, empfohlen ab 14 Jahren


The Glass Girl
Welch eine Geschichte! Bella ist fünfzehn und hat Einiges zu tragen. Die ständigen Streitereien der Eltern, deren entgültige Trennung und der Tod der geliebten Großmutter. Sie will alles richtig machen, ihre Mutter unterstützen, Geld verdienen im Diner, sich um die kleine Schwester kümmern und beste Noten schreiben. Wie gut, dass sie mit ihren Freundinnen am Wochenende entspannen kann, das Bier und der Wodka machen alles leichter. Dann der Absturz auf einer Party, als sie ihre erste Liebe mit einer neuen Freundin sieht. Nach und nach rutscht Bella immer weiter in die Sucht und ist sich dennoch sicher weiterhin alles unter Kontrolle zu haben. Und dann kommt jener Abend an Thanksgiving, an der dieses schlimme Video von ihr entsteht und an dessen Ende sie fast gestorben wäre. Jetzt ist es offiziell, Bella ist mit ihren 15 Jahren hochgradige Alkoholikerin und sie wird in eine Entzugsklinik eingewiesen weit draußen in der Wüste. Dort gilt es durchzuhalten und sich gegenseitig zu helfen. Und Bella schaut zum ersten Mal nach sich, was ihr nicht leicht fällt. Auch das Leben nach der Klinik hält viele Stolpersteine bereit, schließlich gilt es nun der Sucht zu widerstehen und es zeigt sich, wer die wahren Freunde sind und wie gut es tut für sich einzustehen. Ein sehr bewegendes Buch, das klar und authentisch davon spricht, wie Jugendliche in ihrer sensibelsten Phase in eine Sucht rutschen können und welche Wege es wieder hinaus gibt. Perfekt geschrieben wie alle Bücher von Kathleen Glasgow.
Kathleen Glasgow: The Glass Girl. 528 Seiten, broschiert, 13,5×21,5 cm, Fischer Sauerländer 2025, ISBN: 978-3-7373-7394-4, € 16,90, empfohlen ab 14 Jahren
Groß werden
Der kleine Junge ist mit seiner Mutter im Wald. Er stellt viele Fragen. Wie entstehen kleine Bäume und woran erkennt man sie? Werden sie sehr alt? Die Mutter erklärt das Leben der Bäume und zwischendurch sieht man eine Wildschweinfamilie durchs Bild laufen. Der Junge spielt mit seinem Hund, Vögel fliegen auf und irgendwann findet die Mutter die perfekte Stelle. Bloß wofür? Und nun erzählt die Mutter, dass sie dem verstorbenen Opa versprochen hat einen Baum für ihn zu pflanzen. Und wo ginge das besser, als im Wald in der großen Baumfamilie. Dort darf der kleine Steckling wachsen und später selbst Samen für junge Bäumchen produzieren. Das gefällt dem Jungen und so geht ein schöner Ausflug in den Wald zu Ende. So einfach die Geschichte ist, so tiefgründig ist sie auch. Die tiefe Verbundenheit zur Natur, der Kreislauf des Lebens und das Vertrauen zwischen Mutter und Kind werden hier zart und poetisch erzählt. Die schöne Mischung zwischen Zeichnungen und stimmungsvollen Illustrationen von einzigartiger Farbigkeit passen perfekt zur Botschaft. Ein wirklich schönes Bilderbuch, das zu vielen gemeinsamen Gesprächen einlädt.
Charles Berberian: Groß werden. 32 Seiten, gebunden, 24,5×32,5 cm, Aladin 2025, ISBN: 978-3-8489-0241-5, € 16, empfohlen ab 4 Jahren





