Vier wundervolle Bilderbücher

Bilderbücher sind wahre Alleskönner. Sie schaffen es, eine Geschichte fast nur in Bildern zu erzählen und mit einem perfekt reduzierten Text die Handlung zu untermalen. Die folgenden vier Bilderbücher haben den Spagat zwischen Illustration und Erzählung meisterhaft gestaltet. Viel Spaß beim Schauen und Vorlesen!

Schluss, Aus, Basta! 

Dieses Buch ist ein Erlebnis, das schon beim ungewöhnlichen Hochformat beginnt und bei dem beherrschenden Grasgrün der außergewöhnlich grafischen Bildsprache noch lange nicht endet. Bester Satz: „Entweder du kommst jetzt runter, oder wir kacken unter deinen Baum!“ Gemeint ist das Eichhörnchen, das hier von drei herumtollenden Hunden im Wald zum Spielen aufgefordert wird. Dabei geht es ganz schön heftig zu: Es wird gebuddelt, geplanscht, gerannt, geschrien, gefurzt und genötigt- ganz nach dem Motto „Entweder-Oder“. Und man erkennt sich und seine Kinder wunderbar wieder in diesen vier Tieren! Ein herrliches Hin- und Her mit vielen ausgelassenen Spielmomenten, lautstarken Streitereien und liebevollen Versöhnungen. Turbulent wie das richtige Leben und ein Muss für Alle, die freche Bilderbücher mögen.

Nina Wehrle: Schluss, Aus, Basta! 64 Seiten, gebunden, 14,3×32,8 cm, NordSüd 2026, ISBN: 978-3-314-10760-3, € 20, empfohlen ab 4 Jahren

Was fehlt dir, kleiner Roboter? 

Dem kleinen Roboter fehlt tatsächlich etwas, nämlich seine Lieblingsschraube. Traurig sitzt er auf seinem Bett und lässt die Antenne hängen. Der Bär möchte helfen und auch der Hase. Und jedes weitere Tier, das beim Suchen hilft scheut sich, die sonst üblichen Tröstungsversuche anzubieten. Huckepacktragen etwa, in den Arm nehmen oder einen lustigen Witz erzählen. Die Ente denkt an gemeinsames Herumplanschen und die Fruchtfliege an einen leckeren Snack. Bei Roboter kommt das ganz anders an: keiner kann ihm helfen und keiner kann ihn trösten. Doch halt, der Biber hat eine Idee! Er schnitzt einfach eine passende Schraube aus Holz. Nun ist der kleine Roboter für all die schönen Tröst-Ideen bereit und das große Knuddeln, Planschen, Abendliedersingen kann beginnen. Sehr spannend ins Bild gesetzt: auf einer Seite sieht man, wie die jeweiligen Tiere beim Suchen helfen und auf der anderen das, was sie als „ungeeignet“ halten, um den kleinen Roboter zu trösten. Schaut man genau hin, verrät das glückliche Gesicht des Roboters etwas ganz anderes.

Przemyslaw Wechterowicz, Emilia Dziubak (Illustr.): Was fehlt dir, kleiner Roboter? 40 Seiten, gebunden, 25,2×25,3cm, Oetinger 2026, ISBN: 978-3-7512-0797-3, € 15, empfohlen ab 3 Jahren

Nächste Woche, gleiche Zeit?

Es ist immer wieder erstaunlich, wenn das Bilderbuch sich neu erfindet. Marlene Droop ist das mit ihrem Erstling bei NodSüd meisterhaft gelungen. Es geht um vier tierische Freunde, die auf dem Weg durch die nächtliche Stadt nach und nach im dichten Verkehr zusteigen. Giraffes Bulli mit dem unverwechselbaren langen Giraffenhals aus dem  Seitenfenster findet man mal oben, mal unten im Schnellstraßengewirr. Es brennen die Straßenlaternen und auch die Autoscheinwerfer spenden Licht. Sterne kann man nicht sehen im Hochhaus-Straßengewirr. Aber genau deshalb sind die Freunde unterwegs, sie wollen draußen vor der Stadt den Nachthimmel beobachten. Dabei ändert sich immer wieder die Perspektive, einmal schaut man sogar mit Giraffe über das Armaturenbrett auf einen vorbeifahrenden Zug. Dann kommen dicke Regenwolken dazwischen und als nach einer langen Butterbrotpause endlich Zeit zum Sternegucken wäre, sind alle plötzlich sooo müde. Und als Krokodil endlich die Freunde weckt….. geht gerade die Sonne auf. Also bleibt nur eines: Nächste Woche, gleiche Zeit? Eine sehr gut gelungene Mischung aus reduziertem Text und sprechenden modernen Illustrationen.

Marlene Droop: Nächste Woche, gleiche Zeit? 40 Seiten, gebunden, 22,3×28,8cm, NordSüd 2026, ISBN: 978-3-314-10751-1, € 18, empfohlen ab 3 Jahren

So geht schlafen, kleiner Wombat.

Der kleine Wombat ist noch ÜBERHAUPT nicht müde. Und das, obwohl er doch die ganze Nacht mit dem großen Wombat gespielt und Tunnel gebaut hat. Doch wenn die Sonne aufgeht ist Bettzeit und die Zahnbürste, der Schlafanzug und das Kuscheltier in der Pfote des großen Wombats sind eindeutige Aufforderungen. „Soll ich dir zeigen, wie ich rennen kann?“ Und nun beginnt ein herrliches, allseits bekanntes Ablenkungsmanöver. Der kleine Wombat zeigt dem großen wie Springen geht, sogar mit Zahnbürste im Mund. Er zeigt wie Rollen geht und schlüpft ganz nebenbei in die rotweiße Schlafanzughose. Dann ist das Drehen dran und schon wickelt sich die Kuscheldecke um ihn. Ganz zum Schluss kann der kleine Wobat sicher auch zeigen, wie Schlafen geht… So liebevoll und bei aller Wuseligkeit immer entspannt ruhig, wie dieses Schlafritual beschrieben und in meisterhafter Kritzeltechnik ins Bild gesetzt ist, kann es nur zum neuen Lieblingsbuch aller Familien mit Kleinkindern werden.

Rasmus Engler, Deniz Jaspersen, Mareile Engelke (Illustr.): So geht schlafen, kleiner Wombat. 32 Seiten, gebunden, 17,7×24,3 Seiten, mairisch 2025, ISBN: 978-3-948722-40-1, € 18, empfohlen ab 3 Jahren


Eva

Eva Unterburg

Eva Unterburg schreibt wunderschöne Rezensionen über Kinderbücher und ist langjährige Freundin der Redaktion.

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