Versicherungsgedanken – Kolumne von Eva Unterburg

Grafik: Raphael Becker

Heijajei, was schreibt man denn zum Thema Kinder und Versicherungen? Das gehört ähnlich wie Physik, Zehnkampf und vorderasiatische Keramikkunst nicht zu meinen Kernkompetenzen. 

Also frage ich Ecosia, die Suchmaschine meiner Wahl um Rat und erfahre, dass Kinder bis zu ihrem siebten Geburtstag nicht deliktfähig sind. Dieses Wort habe ich bisher nur mit schwerer Körperverletzung, Raub und Drogenvertickern in Zusammenhang gebracht. Ihre Haftpflichtversicherung bezahlt solche Schäden nur, erfahre ich weiter unten, wenn Sie als Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Wenn also Ihr Kind mit sechs Jahren auf dem Höhepunkt seiner Schlägerkarriere ist und dem ungeliebten Klavierlehrer etwas grob kommt, dann schließen Sie einfach kurz die Wohnzimmertüre und verweilen etwas länger als sonst beim Müllrausbringen. Auf die Weise belasten die etwaig anfallenden Krankenhauskosten nicht das Familienkonto. 

Eva Unterburg

Spannend finde ich auch den Zusatz, dass viele Versicherungen für Ihre Kinder ein natürliches Ende finden, sobald diese in den Stand der Ehe getreten sind. Manche gehen bis zum vollendeten 25-sten Lebensjahr, während andere nach der Regelstudienzeit ihre Versicherten in die Eigenständigkeit entlassen. Und dann lese ich noch von denen, die mit dem Erwerb eines Autos enden. Was ist denn mit den radfahrenden 30-jährigen alleinstehenden Dauerstudenten? Sind die alle komplett unterversichert? 

Ich merke schon jetzt, dass ich in diesem Leben keine Versicherungsfachkraft mehr werden kann und weite diese Vermutung auch auf die nächsten neun Leben aus. Und dann auch nur unter gewissen Umständen. Vielleicht wird es im Jahr 3245 möglich sein, noch im ersten Lebensjahr seines Kindes sich gegen mögliche Schlechtwetterfronten am siebten Geburtstag zu versichern. Die Entschädigung wird dann sofort vor Ort in Form einer Kinderbespaßung im neu errichteten Ozeanicum ausgezahlt. Ich bin dafür. Oder vielleicht kann man sich bis dahin gegen Fehler beim Auftauen des eigenen Körpers versichern lassen. Bei der bis dahin sicher üblichen Kryokonservierung kann doch so manches schiefgehen. Ich stelle mir vor, wie zum Beispiel durch eine Unachtsamkeit des Personals während einer Zigarettenpause, die Auftautemperatur vielleicht nicht ganz einheitlich eingestellt sein könnte und diverse Partien… Aber das führt doch zu weit.

Neulich las ich, dass es Menschen auf unserer schönen Erde gibt, die nie im Leben auf den Gedanken kämen, sich für oder gegen irgendetwas zu versichern. Da sie komplett im Hier und Jetzt leben und agieren, spielt weder die Vergangenheit, noch die Zukunft für sie eine Rolle. Welch ein segensreicher Gedanke. Ich lebe zwar auch gerne im Hier und Jetzt, bin aber heilfroh, wenn beim nächsten Krankenhausaufenthalt mir meine Zusatzversicherung ein Einzelzimmer gönnt und die Ergebnisse meiner bescheidenen Einparkkünste nicht irgendwann mit Haus und Hof bezahlt werden müssen. Wie gut ist es doch, dass es Menschen gibt, die sich von Berufs wegen sinnvolle Versicherungsgedanken machen.


Eva

Eva Unterburg

Eva Unterburg schreibt wunderschöne Rezensionen über Kinderbücher und ist langjährige Freundin der Redaktion.

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