Vier schöne Vorlese-Geschichten

Es ist Sommer und dazu gehörten für mich schon als Kind viele Bücher. Am letzten Schultag habe ich sie zuhauf aus der Schul- und später der Stadtbibliothek ausgeliehen und oft kaum heimtragen können. Damit waren die Sommerferien gerettet. Vielleicht geht es Ihren Kindern und Enkelkindern ähnlich, hier sind schon mal die ersten vier!


EINSTEIN, DER KLEINE PINGUIN

Ein kalter Dezembertag in London. Familie Stewart macht einen Familienausflug in den Zoo. Imogen und ihr kleiner Bruder Arthur sind mittel begeistert, doch als sie den winzigen Pinguin hinter der Scheibe sehen, würden sie ihn am Liebsten gleich mitnehmen. Was gar nicht nötig ist, denn schon am gleichen Abend steht er mit einem Rucksack voller Heringe vor ihrer Wohnungstür. Nach einer Nacht auf dem Sofa, sind sich die Eltern einig, der Pinguin muss wieder zurück in den Zoo. Doch dort vermisst man ihn gar nicht und verbietet sich weitere solche Scherzanrufe. Die Kinder sind im Glück, denn inzwischen kennen sie von einem Schild auf dem Rucksack nicht nur Einsteins Namen, sondern können wunderbar mit dem kleinen Zwergpinguin kommunizieren. Er kommt heimlich mit in die Schule und hilft Arthur dabei, endlich einen Freund zu finden. Doch was hat es mit den Fotos auf sich, die Einstein ihnen zeigt? War er tatsächlich in Australien? Und wer ist der nette Pinguin mit den gelben Augenbrauen, dessen Foto Einstein so traurig macht? Imogen muss ihre Qualitäten als Kriminalkommisarin unter Beweis stellen. Doch das dürfte ja kein Problem sein, schließlich ist sie bald zehn und hat schon jede Menge Detektivbücher gelesen. Nur der Mann mit dem Hut, dem finsteren Blick und dem hellen Mantel macht ihr Sorgen. Ein zauberhaft geschriebener und in gewohnter Gehrmann-Manier großartig illustrierter Kinderroman. Schöne Urlaubslektüre für heiße Tage.

Iona Rangeley, Katja Gehrmann (Illustr.), 176 Seiten, dtv 2023, ISBN: 978-3-423-76451-3, € 16, ab 6 Jahren


RETTET OMAS BOA! MEIN ZIRKUS, DAS DORF UND ICH

Der Andi ist total seltsam. Wer denkt sich Spinat als Kinderessen aus und nennt Spiegeleier Ochsenaugen? Princess findet alles an ihm komisch, auch seinen zugerümpelten staubigen Bauernhof. Ihre Mutter dagegen scheint richtig aufzugehen in ihrer neuen Rolle als Bäckereiverkäuferin und als „Frau an Andis Seite“. So kennt Princess ihre Mutter gar nicht. Eigentlich fängt jeder Tag bei ihr mit Yoga und Dehnübungen an, schließlich braucht sie das für ihre Akrobatiknummer im Zirkus. Aber der ist ja jetzt Geschichte, denn schließlich hat Onkel Sergio die beiden aus dem Familienzirkus rausgeworfen. Und nun schläft Princess zum ersten Mal in einem Haus und geht in eine feste Schule. Das ist  alles neu und sie vermisst ihre Alpakas, das Brüllbaby ihrer Cousine, sogar die beiden Zwillinge, aber vor allem fehlt ihr Oma. Princess erinnert sich an die Abende am Lagerfeuer, an Omas grenzenloses Zutrauen in Princess Fähigkeiten und die vielen alten Geschichten, denen sie stundenlang zuhören kann. Und dann sieht sie das traurige Gesicht ihrer Oma vor sich, die ihre geliebte Boa-Schlange vermisst. Onkel Sergio hat sie für 150€ verkauft, weil der Zirkus Geld sparen muss. Princess ist sich sicher: sie muss die Boa zurückkaufen, dann wird alles wieder gut. Zum Glück lernt sie im Dorf neue Freunde kennen, die ihr helfen. Ein so schönes Buch voller ungeahnter Wendungen und vieler warmherziger Einblicke in die Welt einer großen Zirkusfamilie.

Anna Maria Praßler, 224 Seiten, Klett Kinderbuch 2023, ISBN: 978-3-95470-286-2, € 17, ab 10 Jahren


GESCHICHTEN AUS DER VORSTADT DES UNIVERSUMS

Die Geschichten und Illustrationen dieses hervorragenden australischen Autors sind so zeitlos, dass ich sie gerne auch der jetzigen Kindergeneration ans Herz lege. Eric, der Austauschschüler zum Beispiel, ist so eine Geschichte. Die Familie hat extra das Gästezimmer frisch gestrichen, aber wie sich herausstellt, wohnt Eric lieber in der Speisekammer. Er interessiert sich für alles, besonders für die kleinen Dinge, die er am Boden, in Nischen oder auf Regalen findet. Alle lieben den kleinen blättrigen Kerl und als er eines Tages spontan auf einem Blatt davonsegelt, fragt sich die Familie, ob sie auch alles richtig gemacht hat. Ein Blick in die Speisekammer zeigt Erics Dankbarkeit für die vergangene Zeit: überall blühende Pflanzen in kleinen Kronkorken, in Schraubenmuttern oder ausgehöhlten Würfeln. Bunt und fröhlich stehen sie auf dem Speisekammerregal. Eine andere Geschichte erzählt vom Wasserbüffel, der am Ende der Straße wohnt und den Kindern wertvolle Ratschläge in schwierigen Kindernotlagen erteilt. Oder die Geschichte vom Meeressäuger, der aus unerfindlichen Gründen plötzlich im Vorgarten der streitenden Eltern liegt. Oder die der beiden Brüder, die sich mit dem Straßenatlas ihres Vaters in der Hand auf die Suche machen nach dem Teil der Stadt, an dem der Atlas abrupt endet. Es ist eine wahre Freude, der sprudelnden Fantasie Shaun Tans zu folgen und seine faszinierenden Zeichnungen dabei anzuschauen.

Shaun Tan, 96 Seiten, Aladin 2020, ISBN: 978-3-8489-0173-9, € 20, ab 10 Jahre 


KLEINE HELDEN, GROßE ABENTEUER

Das Autorenduo Paluch und Habeck ist einfach gut. Diese Vorlesegeschichten sind ganz nah an kindlichen Lebenswelten dran. Ob Computerbegeisterung oder maßregelnde Oma, Mobbing oder Geldknappheit, all das erleben Kinder von heute. Und dann kommt viel Fantasie dazu. Wie bei Pers Geschichte, der das etwas altbackene Geburtstagsgeschenk seiner Uroma eigentlich schon weglegen möchte. Was soll er mit einer Briefmarkensammlung? Doch dann entdeckt er den ersten Brief. Er ist von Ska und erzählt von Afrika. Das erfährt er aber erst, als seine Uroma ihm daraus vorliest, denn nur sie kennt die alte Sütterlin-Schrift. Per findet noch mehr Briefe von Ska und beim Vorlesen kommt er seiner Uroma sehr nah. Sie hat dann eine weiche Stimme und hört sich wie ein kleines Mädchen an. Per ist völlig überrascht, als er eines Tages Briefe von Ska an sich adressiert findet. Wie kann das sein? Ska müsste doch heute uralt sein, woher kennt sie ihn? Man ahnt natürlich, wie das alles zusammenhängt und schaut als Erwachsener aber gerne durch die Augen von Per, der am Ende erfährt, wer Ska tatsächlich ist. Auch Gretas Geschichte von den erdbeerfarbenen Glücksschuhen und der gewonnenen Schiffsreise ist herzallerliebst. Und, und, und…. Wer noch mehr dieser liebenswerten Vorlesegeschichten kennen lernen möchte, kann welche in Bd.2 finden. Alle wunderbar illustriert von Catharina Westphal.

Robert Habeck, Andrea Paluch, Catharina Westphal (Illustr.), 208 Seiten, Karibu bei Edel 2020, ISBN: 978-3-96129-146-5, € 14,99, ab 4 Jahre 


Eva

Eva Unterburg

Eva Unterburg schreibt wunderschöne Rezensionen über Kinderbücher und ist langjährige Freundin der Redaktion.

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