Stinkestank, Muff und ein bisschen Ekel: Lesetipps zum Schmunzeln

 

Aber auch jede Menge Spaß bieten die folgenden Bücher, denn es dreht sich hier um üble Gerüche, jede Menge Pupse, müffelnde Tiere, sausende Hunde und üble Krankheiten. Was im ersten Moment vielleicht nicht zum direkten Gang in die nächste Buchhandlung einlädt, wird Ihren Kindern einen unglaublichen Spaß machen. Ich verspreche es! Und lernen werden sie auch noch etwas, ganz nebenbei.


Puh, wie stinkst denn du?

Ein Bilderbuch über schlechte Gerüche? Aber ja! Lenny, das großäugige Lemurenäffchen lädt schon auf dem Cover ein, mit ihm in den Dschungel seiner Heimat einzutauchen. Offenbar mieft es dort trotz aller Naturschönheit gewaltig. Lenny kann vor lauter Gestank seinen Mittagsschlaf nicht antreten und hat sofort einen ersten Verdacht: bestimmt riecht der Tausendfüßler auf dem Ast nebenan so unangenehm. Aber nein, dessen Duft ist zwar gräulich und abscheulich, aber Lenny hat etwas anderes in der Nase. Vielleicht ist es die Familie Stinkvogel in ihrem Nest? Aber außer einem üblen Salat- Pups kann Lenny nichts riechen. Dabei stinkt es doch weiterhin ganz widerlich. Auch beim Ameisenbär, dem Stinktier und der Stinkwanze wird er nicht fündig. Ob es vielleicht das Faultier ist, dessen Algen auf dem Fell furchtbar müffeln oder gar die Riesenpelikanblume? Wer letztendlich so grausam mufft, wird nicht verraten. Man muss dieses lustige Bilderbuch schon selbst erkunden, um das Rätsel zu lüften. Ein informativer Sachteil stellt am Buchende die stinkigen Fakten der beteiligten Tiere vor. Und welch große Überraschung: eines der am schlimmsten riechenden Geschöpfe auf unserem Planeten sind tatsächlich wir Menschen!

Clare Helen Welsh, Nicola O´Byrne (Illustr.): Puh, wie stinkst denn du? 40 Seiten, gebunden, 26×26 cm, Coppenrath 2022, ISBN: 978-3-649-63862-9, € 14,empfohlen ab 3 Jahren


Das geheime Leben der Pupse

Laktosefreie Poesie, so wird dieses witzige Bilderbuch im Klappentext bezeichnet. Und tatsächlich verursacht das pure Schmökern darin keine Blähungen, außer man schluckt beim Lachen zu viel Luft. Gepupst wird dagegen auf wirklich jeder Seite reichlich: dem Bergsteiger entfleucht ein freudiger Abenteuerfurz beim Erreichen der Gipfels und auch die Olympionikin pupst vor Anstrengung kurz vor der Ziellinie. Bei Tauchern entweichen die Darmwinde in lustigen Luftblasen und mancher übelriechende Pups kann sogar Diebe vertreiben. Selbst die Reichen und Schönen im Hotel tun es, allerdings geräuschlos, aber mit vollem Aroma, was besonders im Aufzug so richtig Spaß bringt. Ob beim Schlafen oder Tanzen, die lustigen Darmgeräusche werden entzückend ins Bild gesetzt und gereimt vorgetragen. Ein Riesenspaß für alle Kinder!

Malin Klingenberg, Sanna Mander (Illustr.): Das geheime Leben der Pupse. 32, Seiten, gebunden, 19,5×25,5 cm, HELVETIQ 2022, ISBN: 978-3-907293-53-9, € 14, empfohlen ab 5 Jahren


Such! Eine ewige Verfolgungsjagd

Beim Durchforsten meines Rezensionsbücherregals nach thematisch zueinander passenden „Geruchs-Mief“- Büchern fiel mir dieses ganz neue wunderbare Hundewimmelbuch in die Hände. Und gleich beim Aufschlagen der ersten Seite fällt mir doch tatsächlich ein schwarzer Hund beim Häufchenmachen ins Auge. Am anderen Ende der Leine ein miesepetrig dreinschauender Teenager mit Tütchen in der Hand. Und dort drüben hebt ein kleiner Brauner das Beinchen an einem Denkmal, auf dem – wie könnte es bei diesem hundebegeisterten Bilderbuch anders sein – ein Hund aus Bronze mit erhabener Miene thront. Dort ein Langhaarwuschel auf einem Skateboard und hier eine alte Dame, die zwei Hunde im Kinderwagen spazieren führt. Aber um was es hier eigentlich geht, ist die Suche nach einem verlorenen vergrabenen Knochen. Enttäuscht schauen die zwei ehemaligen Besitzer in das leere Erdloch. Und schon beginnt die Knochensuche, immer mit der Nase am Boden. Auf jeder Doppelseite schließen sich Hunde an und begegnet man den Hundeprotagonisten wieder. Und überall gibt es kleine Geschichten zu erzählen, z.B. von der alten Dame, die ihren etwas übergewichtigen Kurzbeiner gerade ein Leckerli aus der Metzgerei mitbringt. Oder die Auslage in der Buchhandlung, die natürlich nur Hundebücher offeriert. Inzwischen ist der Hundesuchtrupp immer länger und führt sogar durch einen Hundeschönheitswettbewerb. Ob tatsächlich alle in den gelben Bus passen und keiner auf der Brücke verloren geht und wo letztendlich der verlorene Knochen abgeblieben ist? Suchen Sie selbst, es ist enorm vergnüglich. Und dazwischen müffelt immer wieder ein Hundehäufchen.

Saskia Halfmouw: Such! Eine ewige Verfolgungsjagd. 32 Seiten, gebunden, 24×32 cm, esslinger 2022, ISBN: 978-3-480-23721-0, € 14, empfohlen ab 4 Jahren


Wie krank ist das denn?

Schon das Vorwort dieses außergewöhnlichen Sachbuches für Kinder liest sich anders als andere Vorworte: spannend, frech, informativ. Man erfährt in launigem Ton ziemlich viel über Bakterien, zum Beispiel dass jeder Mensch ca. zwei Kilo davon mit sich herumträgt. Und dann geht es schon los mit der ersten Schreckenskrankheit, der Pest. Im Mittelalter war es eher krankmachend, wenn man Kontakt mit einem Arzt hatte, weil der weder etwas von moderner Hygiene, noch von Übertragungswegen wusste. Beim Kapitel über die Masern lernen wir, dass es gar keinen Sinn macht Schule schwänzen zu wollen, indem man sich mit Mamas Lippenstift die typischen Masernflecken aufmalt. Das hohe Fieber bekommt man ganz bestimmt nicht täuschend echt hin und außerdem würde der Trick sowieso nur einmal funktionieren. Danach ist man nämlich immun gegen diese gar nicht so harmlose Kinderkrankheit. Nach der Kinderlähmung, den Pocken und der Lepra geht es dann weiter mit der Tuberkulose. Alles nicht wirklich schön. Auch Tollwut kann man nicht weiter empfehlen. Oder Skorbut, aber richtig geruchlich fies wird es bei der detaillierten Beschreibung der Cholera, einer echt beschissenen Krankheit, wie es im Untertitel heißt. Sehr beeindruckt hat mich das Kapitel Würmer. Das bringt das Kopfkino richtig in Gang. Durch die sehr eindrücklichen Illustrationen wird das Gelesene auch bildlich gut abgespeichert. Das Glossar ist mega informativ. Und wenn es im Klappentext zu Risiken und Nebenwirkungen dieses Buches heißt: Sehr häufig Lesefieber, häufig Bauchweh beim Lachen und gelegentlich Pickel und Haarausfall beim Ekeln – dann kann ich nur zustimmen! Die wichtigste Nebenwirkung aber ist und bleibt: mehr Wissen im Kopf!

Birte Müller, Yannick de la Peche (Illustr.): Wie krank ist das denn? Gruselige Krankheiten von früher und heute. 128 Seiten, gebunden, 16,5×23,5 cm, Klett Kinderbuch 2021, ISBN: 978-3-95470-250-3, € 15,50, empfohlen ab 8 Jahren


Eva

Eva Unterburg

Eva Unterburg schreibt wunderschöne Rezensionen über Kinderbücher und ist langjährige Freundin der Redaktion.

Alle Artikel von Eva


Anzeigen
Anzeige
Anzeige

Anmelden

Registrieren

Passwort zurücksetzen

Bitte gib deinen Benutzernamen oder deine E-Mail-Adresse an. Du erhältst anschließend einen Link zur Erstellung eines neuen Passworts per E-Mail.