Phillies Tagebuch: Überall Zeug!

Es ist ein nicht enden wollender Fluch. „Schaut mal! Ich hab da was für die Kleine dabei. Das hab ich heute in der Stadt gesehen und musste es einfach kaufen!“  Kennt ihr das? Oder hier kommt noch so ein All-Time-Classic: „Schaut mal! Das hab ich neulich beim Aufräumen gefunden, das ist doch was für Bo!“ (Bo ist meine 2-jährige Tochter). Oder du bist irgendwo zu Besuch, dein Kind spielt unschuldig mit irgendeinem Scheiß und auf einmal heißt es: „Ah! Das kann sie behalten, das brauch ich nicht mehr…“ 

Sätze, wie diese höre ich regelmäßig von Freund*innen, Verwandten oder Nachbar*innen. Sie sorgen dafür, dass  sich der emotionale Ballast in unserer Bude mehr und mehr anhäuft. Parallel dazu findet unsere Tochter übrigens auch noch spannende Sachen beim Shopping in der schönen Fächerstadt, den gemeinsamen Besuchen auf Flohmärkten oder – hast‘e nicht gesehen – sie zieht etwas Komisches mit Fell aus der Mülltonne auf dem Spielplatz.. „Bo! Was ist das?!? WÄH! Mach das weg!“ – „Nein! Das brauch ich!“

Ich wollte doch eigentlich mal – so wie ich es in meiner Erzieher*innen-Ausbildung gelernt habe – eine schöne vorbereitete Lern-Umgebung schaffen, mit wertvoller und gleichzeitig reduzierter Erlebnis- und Lernwelt. Ausgewähltes Spielzeug und eine Spielumgebung, die eine ruhige Atmosphäre/Wirkung mit sich bringt. Stattdessen habe ich jetzt mehrere Kisten mit random Zeugs, von dem keine*r eigentlich weiß, was da genau drin ist. Es hat sich einfach zu viel angehäuft. Irgendwas ist da in den letzten 2,5 Jahren schief gelaufen. Was ist mit dem hippen Minimalisten passiert, der seinem Kind einen reflektierten Umgang mit Dingen vermitteln wollte. Wo ist dieser Typ? Warte.. ich guck mal in einer der vielen Kisten nach.. 

Und wie ich das hier so überfliege, muss es so wirken, als sei ich der ganz große Max, der immer alles richtig macht.
Nein.. bin ich nicht. Auch ich bringe Bo Zeugs mit, das ich super finde. Doch am Ende des Tages ist auch das nur Zeugs, was unsere Wohnung noch voller macht und schnell in der Ecke liegt.

„Hier bitte, das kann Bo doch sicherlich gut gebrauchen!“

Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte zu wissen, was mein Kind wirklich braucht. Und das sind liebevolle, wertschätzende Menschen um sie herum, die es lieben, Zeit mit ihr zu verbringen. Diese ganzen Sachen, die sich hier ansammeln, sind irgendwie nicht so wichtig, wie der Ausflug mit Tante Aku und Tante Caro an die Alb, wo Bo mit Onkel Joréme im Wasser plantschen durfte. Oder das eine Mal, als wir diesen besonders schönen Stock gefunden hatten, mit dem sie Ewigkeiten in die Pfützen peitschte, als gäbe es keinen Morgen. Diesen gibt es übrigens immer noch hier bei uns und er trifft mich regelmäßig aus heiterem Himmel an der Wade. Ein super Teil!

Überlegt bei eurer nächsten Geschenke-Auswahl, was wertvoller ist. Der gemeinsame Ausflug in Schwimmbad, wo Klein-Albert das erste Mal vom Block springt oder dieses teure hippe Holz/Plastik-Ding, das ich gerade unten am Kistenboden entdeckt habe und nun aussortiere?


Phillie

Phillie

Phillie erzählt in seinen Tagebucheinträgen von seinen Erfahrungen als Papa. Er ist gelernter Erzieher und Yoga-Lehrer.

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