Phillies Tagebuch: „Da Lang!“

Phillie & Bo

Obwohl die Situation mittlerweile schon wieder ein bis zwei Monate her ist, erinnere ich mich daran, als ob es erst gestern gewesen wäre: 

Ich räumte zur Abwechslung mal wieder das Spielzeug unserer Tochter Bo in der Küche zusammen, um es in ihr Zimmer zu befördern.. Kennt ihr das, wenn ihr einfach nur funktioniert und diesen ganzen Rammel wie in Trance zusammensucht? Irgendwo hat es glatt etwas von Meditation, mit völliger Leere im Kopf, nichts zu hinterfragen, einfach nur machen. Leider nicht ganz so entspannend wie zum Beispiel 25 Minuten Zazen (japanische Meditationstechnik)… zumindest für mich nicht…

Wie auch immer. Ich so am Aufräumen und sobald ich alles beisammen hatte, bin ich mit dem ganzen Kladderadatsch rüber in Bo’s Zimmer, um die verschiedenen Dinge an ihren jeweiligen Aufbewahrungsort zu liefern. Die zwei Duplosteine per Floater (Wurftechnik im Basketball) in ihren Klappkorb, der nicht richtig ins Regal passt, aber super schick und hip aussieht, die schmutzigen Lätzchen lässig aus dem Handgelenk in Richtung Wäschekorb und die zwei Bälle von der Tür aus einmal quer durchs ganze Zimmer hinten in die Ballkiste… und wie dieser rote Ball so durch die Luft fliegt, realisiere ich auf einmal, dass das gar kein roter Ball, sondern eine Tomate ist, die gerade genau am Kistenrand explodiert und ihr Fruchtfleisch über die Kiste und den weißen Teppich verteilt. Schon während des Flugs muss ich anfangen zu lachen. Was ist denn hier los?! Und da realisierte ich nochmal neu: „Ey Phillie, du bist jetzt Vadder!“ 

Aber dieses Mal fühlte es sich irgendwie anders an, weil ich es zum ersten mal so richtig begriffen hatte und meine „neue Rolle“ annehmen konnte. Keine Sorge! Ich hab schon bei Bos Geburt geschnallt, dass ich jetzt Papa bin, aber zum ersten Mal war es so, dass ich mich in dieser Rolle endlich richtig wohl fühlte. Ich war angekommen.

Unsere Tochter Bo wird nächsten Monat zwei und diese letzten zwei Jahre vergingen wie im Flug. Erst hat man da dieses kleine Ding, das sich anhört wie ein Baby-Velociraptor aus dem Jurassic Park und die ständige Sorge etwas kaputt oder falsch zu machen. Und dann auf einmal – schwubdiwupps – steht da eine kleine Person vor dir und sagt „Nein! Da lang!“ 

Man erkennt, dass die eigenen Bedürfnisse komplett andere sind als vor der Geburt, die Beziehung mit der Partnerin ein neues spannendes Kapitel hat, Freundschaften sich verändern oder enden und gleichzeitig neue entstehen. 

Ich bin mehr als nur glücklich in meiner neuen Rolle und unserer Tochter unendlich dankbar dafür, die Welt nochmal gemeinsam mit ihr neu entdecken zu dürfen.

„Bo, wohin wolltest du?“ 

„Da lang!“  „Ok, los geht’s!“