Gute Vorsätze – Second Hand

Grafik: Günter Land Kolumne von Eva Unterburg

Haben Sie schon einen Vertrag im Fitnessstudio Ihrer Wahl abgeschlossen? Vielleicht für Ihren Partner oder Ihre Partnerin ab Januar 2020? Sie haben also gute Vorsätze zu Weihnachten verschenkt? Ein perfekter Plan, denn so müssen Sie schon nicht selbst daran scheitern und können Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin als ausgelagertes schlechtes Gewissen zur Hand gehen.

Ermahnende Blicke am Feierabend von der gemütlichen Couch in Richtung Uhr sind extrem wirkungsvoll. Dem standzuhalten erfordert ein dickes Fell. Wenn dann noch ein entschiedenes Entfernen der Chipstüte folgt oder ein strenger Blick auf die mittige Leibesfülle… dann haben Sie alles erdenklich Mögliche getan, um Ihre bessere Hälfte mit guten Vorsätzen für das Neue Jahr zu versorgen. Fettab- und Muskelaufbau heißt das neue Losungswort, das Sie immer mal wieder ganz nebenbei – versteht sich – fallen lassen sollten.

Gute Vorsätze sind so vielfältig, wie ihre Erfinder. Ein Theaterabo beispielsweise wirkt Wunder gegen latente Kulturmuffeligkeit, die allseits beliebten Wellnesswochenende-Gutscheine erfreuen stressgeplagte Eltern jeden Geschlechts und sorgen für die so seltene Auszeit, ein Kochkurs über 12 Monate lässt für Sie die gesunde Ernährung in Fleisch und Blut übergehen.

Es geht aber auch subtiler: möchten Sie endlich mal wieder etwas mit den Kindern unternehmen und Sie stehen damit alleine auf weiter Flur? Dann verteilen Sie einfach wahllos Ratgeber aus dem unüberschaubaren Sortiment der Buchhandlung Ihrer Wahl in der Wohnung. Ihre Kinder werden sich an den Ausflugstipps für kleine Prinzessinnen und Prinzen durch die Schlösserlandschaft Ihrer Umgebung sofort festbeißen. Je nachdem welchen Köder Sie auslegen, werden die Kleinen mit aufgepusteten Schwimmflügelchen oder der kompletten Schneemontur im Türrahmen erscheinen. So oder so: Sie können direkt mit dem Eierabkochen und Broteschmieren beginnen, der nächste Sonntag ist gerettet.

Es gibt natürlich auch Gute Vorsätze, bei denen man sich schwuppdiwupp ins eigene Fleisch schneidet. Beim Thema Süßigkeiten kann der Schuss schnell nach hinten losgehen und dann geht es einem wie dem jungen Papa neulich im Bioladen, dessen kleiner Sohn ihm den leckeren Fruchtjoghurt sanft aus der Hand nahm und mit seinem Kinderstimmchen nachsichtig ermahnte „Papa, den darfst Du doch gar nicht, da ist doch Zucker drin“. Das hat man dann davon, dass man allem Süßen abgeschworen hat.

Die Liste der Guten Vorsätze scheint sich Jahr für Jahr zu vervielfachen. Früher ging es um mehr Sport, weniger Rauchen und noch weniger Alkohol. Heute nimmt man sich vor mehr im Hofladen einzukaufen, weniger Lebensmittel wegzuwerfen, Zeit zu schenken, gemeinsam zu Abend zu essen in der Familie, geduldiger zu sein, sich finanzielle Rücklagen zu schaffen, den Plastikverbrauch einzuschränken, jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen, weniger Fernzusehen, Angefangenes endlich abzuschließen, häufiger dankbar zu sein, früher schlafen zu gehen, viel mehr Wasser zu trinken, Fairtrade-Produkte zu kaufen, die Großeltern öfter zu besuchen, das Smartphone auszuschalten, Brettspiele zu spielen, ein Haushaltsbuch zu führen, mehr zu spenden….

Das Neue Jahr macht mir ein bisschen Angst – vielleicht könnte man die Guten Vorsätze gleichmäßig unter den Familienmitgliedern verteilen? Ich nehme dann die Sache mit den Brettspielen und dem Hofladen….