AWO Kita Villa in Durlach fördert alltagsintegrierte sprachliche Bildung

Sprache als Schlüssel zur Welt

Pädagogische Konzepte für Kitakinder werden immer wieder an den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand angepasst. Gesellschaftliche Entwicklungen fordern statt Gewohnheitsstillstand eine aufmerksame, gezielte Dynamik. Davon sind alle pädagogischen Fachkräfte der Kitas der AWO Karlsruhe gemeinnützige GmbH überzeugt. Leitlinien, wie im Orientierungsplan des Landes Baden-Württemberg festgeschrieben, helfen als Grundlage der täglichen Erziehungsarbeit. Aber auch eine kontinuierliche fachliche Begleitung des Kitaalltags von „außen“ ist ein wichtiger Beitrag. Seit 2018 begleitet ein Kindheitspädagoge als zusätzliche Fachkraft die Arbeit der AWO Kita Villa in Karlsruhe-Durlach. Im Mittelpunkt steht, wie in drei weiteren AWO Kitas, das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jungend mit dem Ziel einer „alltagsintegrierten sprachlichen Bildung“ entwickelt wurde.

In der Kita Villa werden aktuell 70 Kinder in vier altersgemischten Ganztagsgruppen im Alter zwischen drei Monaten und sechs Jahren betreut. Mit einem Anteil von 20 verschiedenen Muttersprachen der Kinder steht diese Kita für eine große kulturelle Vielfalt. „Dieser kulturellen, sprachlichen Unterschiedlichkeit im Zeichen einer Chancengleichheit, gleichen Start- und Entwicklungsmöglichkeiten, Rechnung zu tragen, bedarf es eines besonderen Profils mit einem besonderem pädagogischen Ansatz“, so Kitaleiterin Sabine Sauer. Das Bundeprogramm der alltagsintegrierten Sprachbildung ermöglicht Kitas mit hoher Mehrsprachigkeit eine gezielte Chancenstärkung der Kinder. Als explizit ausgewiesene Sprach-Kita ist die Kita Villa der ideale Ort, die Sprachentwicklung der Kinder spielerisch und alltagsintegriert anzuregen.

Hierbei wird die Kita von einer zusätzlichen Fachkraft für sprachliche Bildung unterstützt. Christian Johannsmann berät, begleitet und unterstützt das Villa-Team in den Bereichen „Alltagsintegrierte sprachliche Bildungsarbeit“, „Inklusive Pädagogik“ und „Zusammenarbeit mit den Familien“. Er ist fachlich geschulter Beobachter und pädagogischer Impulsgeber gleichermaßen. Er unterstützt die pädagogischen Fachkräfte zum Beispiel dabei, wie sie auf die sprachliche Entwicklung jedes einzelnen Kindes reagieren und die Prozesse dokumentieren können.

Doch alltagsintegrierte Sprachbildung bedeutet für ihn vor allem auch die Weiterentwicklung kindgerechter, alltagstauglicher Aktivitäten und Angebote in der pädagogischen Arbeit. „Denn Sprache ist ja nicht nur das gesprochene Wort, sie beruht auf unterschiedlichen Ebenen der Wahrnehmung“, betont Johannsmann. So wurden zum Beispiel alle Angebote der Kita inzwischen von Erwachsenen-Augenhöhe auf eine Kinder-Wahrnehmungsebene hin verändert. Dafür hat er sich mit dem Team auch „auf Krabbelhöhe“ begeben, in der Hocke und auf allen vieren inspiziert, welche Materialien in diesem Blickfeld und Greifradius vorhanden sind bzw. eingerichtet werden könnten. Und mit dem „Verkehrtherum-Tag“, der von der Kita zum Tag der Kinderrechte veranstaltet wurde, überraschten die Kinder selbst die pädagogischen Fachkräfte mit sprachlich-gedanklicher Kreativität: Beim Nein-Sagen mit dem Kopf zu nicken oder Kleidung auf links zu tragen.

Alltagsintegrierte Sprachbildung erfordert ein Andersdenken, ein um-die Ecke-Denken, auch mal Querdenken, eben kreatives Denken. Davon können sich die Kita-Eltern nicht nur überzeugen, sondern auch selbst inspirieren lassen. „Die Klammer unserer Arbeit ist die Partizipation, die Teilhabe aller an der Erziehung Beteiligten. Eltern und Familien sind nicht die Menschen jenseits der Kita, sondern sind in den Kitaalltag eingebunden. Es geht um ein größeres Miteinander, um eine achtsame Form des Kommunizierens“, unterstreicht das Tandem aus Kitaleitung und Sprachfachkraft den Entwicklungsansatz der Kita Villa.