Coronagedanken

Eva Unterburg, Kolumnistin beim Karlsruher Kind

Coronagedanken

Alles, was ich jetzt schreibe, ist vielleicht dann, wenn Sie diese Ausgabe des KARLSRUHER KIND in Händen halten, längst überholt…

Also, Stand 17. März kommen mir folgende Gedanken zu dieser noch nie dagewesenen Situation: Neben all den verwirrenden und beängstigenden, stündlich sich ändernden Mitteilungen, die über uns hereinbrechen, freue mich mehr denn je über das berühmte Gute im Schlechten: Die jungen Menschen bei­spielsweise, die ihren betagten Wohnungsnachbarn Einkäufe vor die Türe stellen. Oder die Einsicht, dass eine Zwangsentschleunigung und ein Aufeinanderaufpassen gut tun. Oder die quietschlebendigen Kinderstimmen, die seit heute Morgen aus den Nachbargärten zu hören sind. Deutlich mehr Kinder als sonst kicken über Stunden lebhaft und jeden Schuss kommentierend. Da werden nebenan Familien-Hunde mit einer Engelsgeduld vernehmbar dressiert und sogar Wasserplanschen dringt bis an unser Fenster.

Es ist zwar frühlingssonnig und duftet intensiv nach Hyazinthen, aber klassisches Badewetter ist tatsächlich noch nicht. Vielleicht wohnen seit Neustem ja Samen in unserer Nachbarschaft, die in ihrer Heimat Lappland mit ganz anderen Definitionen von Badewetter großgeworden sind. Ich werde zeitnah Nachforschungen diesbezüglich anstellen.

Überall in den Gärten wird zudem gebuddelt, gesägt, gelaubbläsert und gerecht, was das Zeug hält. Sogar das rhythmische „En-en-em“ einer Kettensäge mischt sich in die emsige Gartengeräuschkulisse. Nach Corona wird es erstaunlich viele gebügelte Vor- und Hintergärten geben.

Bestimmt auch viele gewissenhaft ausgewischte Küchenschränke, durchgesehene Vorratskammern und perfekt blinkende Badezimmer. Die Shirts und Hosen der Nation werden größ­tenteils auf Kante gebügelt und nach Farben sortiert mustergültig in den Kleiderschränken liegen.

Und mit all den Vorräten im Haus und der vielen freien Zeit kann man sich als Eltern endlich einmal wieder an die guten alten Spiele erinnern, die als Highlights in die Fotoalben der eigenen Kindheit eingingen. Mit den unzähligen Klopapierrollen der letzten Tage lassen sich beispielsweise wunderbar ägyptische Mumien herstellen. Im Nullkommanichts und viele Umdrehungen später erkennt man dann das eigen Fleisch und Blut nicht mehr und erst wenn mit viel Gejubel die Bandagen gesprengt werden, wird den Erziehungsberechtigten klar, dass mit dem gemeinschaftlichen Aufräumen der Riesensauerei zudem zwei Stunden des langen schulfreien Beschäftigungstages mit Programm gefüllt werden kann.

Zu empfehlen ist auch das bewährte Schokoladenessen und auch hier kann man als freizeitgestresstes Elternteil zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Kinder sind stundenlang beschäftigt und man prüft ganz nebenbei, ob die Winterjacken, Handschuhe und Schals der letzten Saison noch passen.

Jetzt gilt es auch, die alte an den Ecken schon sehr mitgenommene Schachtel mit den Gesellschaftsspielen wieder aus den Tiefen der Schublade herauszuholen. Mit Halma und all dem, was man auf dem Mühlebrett alles spielen kann, vergehen ganze halbe Tage. Und wer gar keine Idee mehr hat, was er mit seinem gelangweilten Nachwuchs noch anstellen könnte, kann sich an die Königsdisziplin wagen und die Familienschachfiguren vom Dachboden holen.

Hätte ich noch Kinder im schulfreien Alter, dann wäre vermutlich die zweite Coronawelle über das Land geschwappt, bis ich endlich die Grundzüge dieses Spiels im Ansatz verstanden hätte.

Volle Vorratsschränke und Kinderbespaßung passen auch in anderer Hinsicht zusammen. Kennen Sie noch die Papierkügelchenbilder? Ich denke da an weiße Wolken aus Klopapier geklöppelt oder Schneebilder im allgemeinen und eingefärbte Papierkügelchen im Besonderen. Aus den vielen gehamsterten Nudeln lassen sich wunderbare Mandalas kleben und für den guten alten Salzteig sind alle Zutaten dank ausgedehnter Vorsorgekäufe sowieso im Haus.

Ich bin ganz sicher, dass wir bei all dem Schlimmen, das diese Pandemie mit sich bringt, als Menschen näher zusammenrücken (mit zwei Meter Abstand versteht sich) und wenn wir aufeinander aufpassen, wird auch diese Ausnahmesituation gemeistert werden. Kommen Sie gut mit ihren Familien durch die kommenden Wochen und bleiben Sie dem KaKi treu.