Karl Goerner zur „Geburt“ des KARLSRUHER KIND

Udo-Deris

Wie kommt man auf die Idee, die erste regionale Elternzeitung Deutschlands zu gründen? Anlässlich des Jubiläums habe ich mir dazu Gedanken gemacht. Ich kam zum Schluss, dass es etwas mit unendlicher Zuversicht in die eigene Leistungsfähigkeit zu tun hat, mit mangelnder Kenntnis der Betriebswirtschaftslehre und mit etlichen Flaschen „Stich den Buben“. Aber der Reihe nach:
Ich habe jahrelang studiert (Dank an dieser Stelle meinen geduldigen, leider verstorbenen Eltern), aber keinen Journalismus, bin auch kein Verlagskaufmann. Aber ich hatte einen Deutschlehrer am altehrwürdigen Markgrafen-Gymnasium in Durlach, an dem ich auch (erstaunlicherweise) das Abitur machte. Dort hatte ich den Deutschlehrer Jürgen Meyer. Er konnte mich zwar nicht beson­ders leiden, hat mir aber sehr viel beigebracht und eine unsterbliche Liebe zur Sprache vermittel. Dank auch ihm an dieser Stelle.
Dann kam die Situation, in der ich Udo Deris kennenlernen durfte. Er war Gründer des damaligen „Karlsruher Anzeiger“ gewesen, einem der ersten Blätter mit kostenlosen Kleinanzeigen in Europa. Er hatte seine Anteile mitt­lerweile verkauft und auch ich hatte gerade ein kleines Unternehmen erfolgreich veräußert. Udo kannte sich im Druckwesen aus, und ich war überzeugt, ich könne und würde gerne schreiben. Wir waren beide Anfang 30 und überzeugt „Egal, was wir machen, wir können alles, notfalls sogar Hochdeutsch!“
Nun hatten wir beide – na ja, unsere Frauen – gerade das erste  Kind bekommen. Wir hatten festgestellt, dass in unserem Karlsruhe sehr viel für Kinder angeboten wurde. Irgendwie kamen wir darauf, man müsse das kommunizieren. An einem lauen Sommerabend waren wir uns dann sicher: „Wir machen das!“. An diesem Abend waren die oben erwähnten Fläschchen im Spiel. Am nächsten Morgen waren wir  waren wir aber immer noch sicher, und dann haben wir es eben gemacht. Kein Business-Plan, keine Marktanalyse, nicht einmal eine Idee, wie das zu finanzieren sei. Wir legten einfach mal fest, dass wir alle 14 Tage erscheinen und dass die gesamte Auflage von damals 5.000 Exemplaren für 1 Mark am Kiosk verkauft werden sollte.
Udo kannte einen prima Grafiker, Peter Zimmermann, der uns für kleines Geld das Logo entwarf, das bis heute unverändert jede Titelseite ziert. Als Druckerei hatten wir uns Caro-Druck in Frankfurt ausgesucht, die heute noch die „taz“ drucken. Der damalige Presse-Grosso Mende war uns gewogen. So kam es dann, dass nach nur wenigen Wochen „Planung“ am 2. Dezember 1989 die erste Ausgabe des KARLSRUHER KIND auslag.
Von den 5.000 gedruckten Exemplaren erhielten wir dann die folgenden Monate regelmäßig 4.500 als unverkäufliche Remittenden zurück. Das Anzeigenaufkommen war demgemäß sehr überschaubar. Wir begannen, vom Verkauf des Altpapiers zu leben…
Wir beschlossen, nur noch einmal im Monat zu erscheinen. Dennoch mussten wir uns bei der Hausbank, später auch bei der Familie und bei Freunden immer mehr Geld leihen, um weiter arbeiten zu können.
Das war der Zeitpunkt, an dem Udo viel mehr Lebensklugheit zeigte als ich. Er wollte die Elternzeitung nun kostenlos verteilen, ich wollte das damals (noch) nicht – und er wollte aufhören. „Ich bekomme jeden Morgen Bauchweh, wenn ich in die Redaktion fahre!“ waren seine Worte. Die „Redaktion“, das war da­mals ein Zimmer in unserer Mietwohnung in der Durlacher Hildebrandstraße und bestand aus einem einzigen Computer, dem damals sündhaft teuren Laserdrucker erster Generation und einem Leuchttisch zum Zusammenkleben der ausgedruckten Druckfahnen.
So kam es dann auch: Udo Deris stieg aus und zahlte seinen Anteil an den erarbeiteten Schulden bis auf den letzten Pfennig pünktlich ab. Und ich musste einsehen, dass er recht gehabt hatte und stellte auf kostenlose Verteilung um. Doch jetzt hatte ich das Ding alleine an der Backe!