Die letzte Bratwurst und andere gute Vorsätze

Grafik: Raphael Becker

Es ist noch nicht lange her, da waren wir zu einem kleinen privaten Weihnachtsmarkt eingeladen. Corona-konform, frisch getestet und unter freiem Himmel versteht sich. Eingemummelt in die Zwiebelschichten aller verfügbaren Winterklamotten, stand man weit auseinander und erzählte sich von kuriosen Enkeln und allerlei anderen Schwänken. Ständig umweht vom verführerischen Duft diverser Bratwürste, die auf dem nahen Grill auf die Vermählung mit einem knackigen Brötchen warteten. Eine ganze Weile hielt ich stand, dann gab es kein Halten mehr. Sämtliche Vorbehalte in Sachen Tierwohl geistig verdrängend, fiel ich über ein armes Würstchen her. Ziemlich animalisch, im Nachhinein betrachtet.

Am Ende dieses wunderbaren Abends war es gefühlt eine ganze Großfamilie von Grillwürstchen, die sich in meinem Magen ein lustiges Stelldichein gab. Man hat ja immer recht lange an solch einem ernährungstechnischen Highlight. Auf dem echten Weihnachtsmarkt kann sich solch ein Würstchen auch in anderer Form lange in Erinnerung halten. Mittels gelber Senfflecken beispielsweise, die ein Vorbeidrängelnder großzügig über nahe Daunenjacken verteilt hat. Manch einem flutscht seine „Worscht“ gar versehent-lich durch zu viel Druck auf das übervolle Brötchen aus selbigem und landet schwuppdiwupp in der offenen Tasche einer Vorbeieilenden. Nachzulesen und Nachzulachen bei Harald Hurst. 

Aber mit all dem ist jetzt Schluss bei mir, das habe ich mir geschworen! Ab jetzt wird durchgängig vernünftig gegessen, gekocht und eingekauft. Es kann ja wohl nicht sein, dass Sie als junge Eltern sich jeden Tag Gedanken machen, was Sie aus der frisch gelieferten Gemüsekiste des nahegelegenen Bauernhofes Gutes auf den Tisch bringen und wir Ansatzalten uns den Cholesterinfallen hemmungslos hingeben und mit CO2-Fußabdrücken in Yetigröße unterwegs sind. Ab jetzt wird auf das Herkunftsland der Tomaten geachtet, noch besser, erst gar keine außerhalb der Tomatenzeit eingekauft. Her mit den Teltower Rübchen, den Urkarotten und dem Spitzkohl! Und Schluss mit den ewigen Verpackungsorgien der Discounter.

Bisher habe ich vor Ort alles ausgepackt und den Müll ordentlich vor den Augen der Kassierer/-innen getrennt dort gelassen. Ab jetzt gehe ich mit Netzen bewaffnet in den Hofladen. Schmeckt sowie-so viel besser und die Leute sind richtig gut drauf. Und im Biomarkt treffe ich dann auf Sie, die Sie gerade mit ihren Kindern leckere Kekse aussuchen. Dort steht nicht Zucker als erster Inhaltsstoff ganz oben auf der Verpackung. Ich freue mich immer wie Bolle, wenn ich einen kleinen Hüpfer im Kinderwagen an einem Stück Apfel nagen sehe und nicht mit einem pappsüßen Lolli zwischen den ersten Zähnchen. Und noch ein Vorsatz: ich werde noch mehr vegane Rezepte ausprobieren und meistens überrascht sein, wie lecker die sind. Ein paar Ausreißer in Sachen lecker gab es leider bereits zu beklagen, aber ich bleibe dran. Wir werden noch mehr darauf achten, wo unser Fleisch herkommt, wenn uns die Fleischeslust doch mal überkommt. Und Wurst braucht sowieso kein Mensch, weder im Magen, noch in der Handtasche.