Mehr Akzeptanz für Kinder mit Behinderungen

Bundesverband Kinderhospiz lässt Familien nicht allein

In Antonias Leben ist vieles nicht selbstverständlich. Eine Runde im Wald spazieren zu gehen, bei einem Einkaufsbummel in der Stadt in alle Geschäfte zu gelangen oder ohne großen Aufwand ins Kino oder Theater zu gehen, stellt die 13-Jährige und ihre Familie immer wieder vor Herausforderungen.

Antonia wurde mit spinaler Muskelatrophie geboren und sitzt seit ihrem achten Lebensjahr dauerhaft im Rollstuhl. Auf Kinder wie sie, die wegen einer lebensverkürzenden Erkrankung mit starken Behinderungen leben müssen, machte der Bundesverband Kinderhospiz (BHKV) zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung im Dezember aufmerksam.

„Diese Kinder und ihre Familien dürfen nicht allein gelassen werden mit den Problemen, die im Alltag immer wieder kehren. Sie müssen in der Mitte unserer Gesellschaft leben dürfen, ohne ausgegrenzt und in ihrer Entwicklung behindert zu werden“, sagt BVKH-Geschäftsführerin Sabine Kraft. Dafür setzt sich der Bundesverband Kinderhospiz ein.“ So machen erkrankte Jugendliche mit körperlichen Behinderungen in einer großen BVKH-Plakatkampagne auf ihre Probleme und Ausgrenzung im Alltag aufmerksam.

Außerdem hilft der BVKH betroffenen Familien ganz praktisch: etwa durch finanzielle Zuschüsse zu Anschaffungen, die wegen der Erkrankung des Kindes nötig werden. Und solche Anschaffungen gibt es oft: Antonias Familie beispielsweise brauchte ein neues, großes Auto mit Rampe für den Elektrorollstuhl; zudem musste die Familie in eine Wohnung mit Fahrstuhl umziehen und darauf achten, dass beispielsweise die Dusche ebenerdig gebaut ist.

„Barrierefrei in einen Bus oder eine Bahn zu kommen, ist nicht mehr so oft das Problem“, erzählt Antonia von ihrem Leben im Rollstuhl, „aber in den Städten sind immer noch viel zu wenige Bordsteine abgesenkt oder werden von Autos zugeparkt, so dass ich da mit meinem Rolli auch nicht vernünftig unterwegs sein kann.“ Isolde Wolfmüller, Antonias Mutter, sagt: „Alles, was kulturell spannend ist, ist immer schwierig zu erreichen. Es ist einfach traurig, dass Antonia von so vielen Dingen ausgeschlossen ist, nur weil sie nicht laufen kann.“

Einige Hilfsmittel wie bei­spiels­­weise extra dicke Reifen, die an Antonias Rollstuhl an einer speziellen Achse montiert werden, würden den Alltag mit einem Kind mit Behinderungen deutlich einfacher machen, seien aber meist auch sehr teuer, sagt Isolde Wolfmüller. Dabei ist gerade in Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern das Geld oft knapp, weil ein Elternteil häufig nicht oder nur wenig arbeiten gehen kann, sondern stattdessen das Kind versorgen muss.

„Und wir sind noch immer auf der Suche nach einem zuverlässigen Pflegedienst mit gut ausgebildetem Personal, der Antonia bei uns zu Hause versorgt“, erzählt Isolde Wolfmüller. Wie den Wolfmüllers geht es zahlreichen Familien in Deutschland: Vielerorts fehlen die Pflegefachkräfte. Was wie­derum dazu führt, dass viele erkrankte Jungen und Mädchen nicht die Pflege bekommen, die ihnen von der Krankenkasse bewilligt worden ist. Und das bedeutet für die Eltern: Sie müssen die Pflege und Versorgung ihrer Kinder oft alleine stemmen – bis über ihre eigenen Belastungsgrenzen hinaus.

„Mit der Diagnose einer lebensverkürzenden Erkrankung kommt auf viele Familien eine enorme Belastung zu – emotional natürlich, aber eben auch organisatorisch und finanziell“, sagt Sabine Kraft. „Wir machen uns dafür stark, dass Kinder wie Antonia trotz ihrer Behinderungen und Beeinträchtigungen in vollem Umfang und vor allem gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Und wir werden nicht aufhören, immer wieder auf die Belange dieser Kinder und ihrer Familien aufmerksam zu machen.“

Deshalb sammelt der Bundesverband stetig Spendengelder, die der Kinderhospizarbeit deutschlandweit zugutekommen und eingesetzt werden, um betroffenen Familien den Alltag zu erleichtern.

 

Zum Hintergrund:

Der Bundesverband Kinderhospiz ist als Dachverband der ambulanten und stationären Kinder- und Jugendhospizeinrichtungen in Deutschland auch Ansprechpartner für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kostenträger und Spenderinnen und Spender.

In Deutschland gibt es rund 50.000 Kinder und Jugendliche, die lebensverkürzend erkrankt sind. Für sie und ihre Familien setzt sich der Bundesverband Kinderhospiz ein, um sie aus dem sozialen Abseits zurück in die Mitte der Gesellschaft zu holen.

2015 richtete der Bundesverband Kinderhospiz das „OSKAR Sorgentelefon“ ein. 365 Tage im Jahr rund um die Uhr, kostenlos und anonym sind dort professionell geschulte Mitarbeitende zu erreichen, die alle Fragen zu lebensverkürzenden Erkrankungen bei jungen Menschen beantworten.

OSKAR ist auch für Familien in Trauer da und kann sowohl von Betroffenen und ihren Angehörigen als auch von Fachleuten genutzt werden. 2020 erweiterte der BVKH sein Angebot auf der Hilfs-Plattform Frag-Oskar.de, um Chats für betroffene Familien und speziell für Jugendliche und um eine Sprechstunde zu sozialrechtlichen Themen.

Seit kurzem bietet der Bundesverband Kinderhospiz mit der OSKAR Sorgenmail zudem eine weitere Beratungsart an, die es den Hilfesuchenden ermöglicht, sich ihre Sorgen, Ängste und Fragen von der Seele zu schreiben.

www.frag-oskar.de/mail

www.frag-oskar.de

www.oskar-sorgentelefon.de

www.bundesverband-kinderhospiz.de