Inklusion – Ein stetiger Prozess

Interwiew mit einer erfahrenen pädagogischen Fachkraft

Foto: Reha-Südwest

Inklusion ist für sie gelebte Realität. Marita Uhlenbrock begleitete bei der Reha-Südwest insgesamt 27 Jahre lang Kinder mit und ohne Behinderung. 20 Jahre leitete sie den Schulkindergarten Karlsruhe. In dieser Zeit entstanden 2010 und 2016 die inklusiven Einrichtungen Kita Villa im Zaubergarten und die Kita Tivoli. Nun geht sie in den Ruhestand. In ihrer Amtszeit hat sie das Thema Inklusion mit viel Einsatz und Energie vorangetrieben. Nach ihrer Verabschiedung blickt sie zurück – auf den langen Weg hin zur Inklusion. 

In ihrer Zeit als Leiterin des Schulkindergartens, der inklusiven Kita Villa im Zaubergarten und der Kita Tivoli hat sich beim Thema Inklusion in der frühkindlichen Pädagogik viel getan. Was hat sich verändert?

Marita Uhlenbrock: „Anfangs besuchten unsere Einrichtungen überwiegend Kinder mit körperlich-motorischen Beeinträchtigungen. Heute begleiten wir zunehmend Kinder mit komplexen Körper- und Mehrfachbehinderungen, die auch eine medizinische Behandlungspflege benötigen. Die umfassende Assistenz bedingt eine weitaus differenziertere, individuelle Planung des Förderprozesses. Die pädagogischen und therapeutischen Arbeitsmittel und Methoden tragen diesem Bedarf durch ständige Weiterentwicklung der technischen Hilfsmittel Rechnung. Die Unterstützte Kommunikation bietet beispielsweise vielfältige Möglichkeiten, mit den Kindern zu kommunizieren und die Sprachentwicklung zu fördern. 

Welche Rahmenbedingungen braucht es für ein funktionierendes inklusives Konzept?

Marita Uhlenbrock: „Qualifiziertes Personal und zeitliche Ressourcen sind wichtige Rahmenbedingungen. Für individuelle Förderpläne und -ziele sind die Kompetenzen der interdisziplinären Teams aus Pädagogen und Therapeuten sowie intensive Elternarbeit entscheidend. Ziel ist es, dem Entwicklungsstand angemessene Schritte zu gehen, um Selbstwirksamkeit zu erfahren, Selbstständigkeit zu fördern und Selbstbestimmung zu ermöglich.“

Sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Marita Uhlenbrock: „Ja. Um mit den hohen Anforderungen in der frühkindlichen und inklusiven Pädagogik umgehen zu können, sollten die Schwerpunkte in der Ausbildung differenzierter sein. Außerdem brauchen wir mehr Zeit für Weiterbildungsmaßnahmen und Wissensaustausch und weniger Hürden auf Verwaltungsebene.“ 

Wie schaffen wir den Weg in eine inklusive Zukunft? 

Marita Uhlenbrock: „Die frühe Kindheit ist essenziell für die Sozialisation und Partizipation in unserer Gesellschaft. Kinder, die von Anfang an lernen, dass es egal ist, welche Fähigkeiten, Beeinträchtigungen, sozialen oder kulturellen Hintergründe wir mitbringen, entwickeln ein Bewusstsein im Umgang mit Menschen.“