Warum Kinder schweigen und wie Eltern helfen können

Laut der Studie – Cyberlife V – vom Bündnis gegen Cybermobbing e.V. in Kooperation mit der Barmer, hat fast jedes fünfte Schulkind schon Cybermobbing erlebt. Gastautor Kai Schlattmann erklärt, warum Kinder schweigen, wie Eltern Cybermobbing von Streit unterscheiden und was im Ernstfall zu tun ist.
Unsere Kinder wachsen in einer digitalen Welt auf. Wir Eltern sollten unsere Kinder durch den Aufbau von Medienkompetenz darauf vorbereiten und sie begleiten. Die Einschulung kann hier ein guter Startpunkt sein, wenngleich das eigene Handy vielleicht noch weit entfernt scheint. Neben Themen wie der Nutzung digitaler Endgeräte, der optimalen Medienzeit pro Tag oder altersgerechten Inhalten, gehört auch dazu, frühzeitig über die Gefahren des digitalen Konsums aufzuklären, ohne dabei Angst zu machen.
Warum Cybermobbing anders ist und Kinder oft darüber schweigen
Mobbing gab es schon immer. Und wie heute auch, fand dieses oft im Umfeld der Schule statt. Neu ist aber, dass es nicht mehr an der Schultür endet. Mit Nutzung eines Smartphones erreichen Nachrichten das Kinderzimmer – abends, am Wochenende, in den Ferien. Ein peinliches Foto ist in Sekunden in drei Klassenchats.
Kinder verschweigen Mobbing nicht, weil sie ihren Eltern nicht vertrauen. Sie schweigen, weil sie fürchten, dass es dadurch schlimmer wird. Mein Tipp: Jedes Kind sollte diese Sätze von seinen Vertrauenspersonen kennen: „Du kannst immer zu mir kommen, ich höre dir zu und wir finden gemeinsam eine Lösung.“ Reden ist kein Petzen. Kinder sollen wissen, dass sie sich Hilfe holen dürfen.
Zudem gilt es als Eltern die Augen offen zu halten. Wer Rückzug, Bauchweh vor der Schule, schlechten Schlaf oder plötzlich abrutschende Noten bei seinem Kind bemerkt, hat keinen Beweis, aber einen guten Grund, nachzufragen, ob alles ok ist.
Nur ein Streit oder schon Cybermobbing?
Man kennt das, beim Streit ergibt oft ein Wort das andere und schnell sagt man Dinge, die man eigentlich gar nicht so meint. Beim Cybermobbing hingegen findet eine gezielte, wiederholte Belästigung, Bedrohung, Demütigung oder Ausgrenzung einer Person über digitale Medien wie bspw. soziale Netzwerke oder Messenger statt. Wenn der Ernstfall eintritt und ein Kind von Cybermobbing betroffen ist, dann hilft das folgende Merkwort dabei die nächsten, wichtigen Schritte einzuleiten, um dem Leiden des Kindes ein Ende zu bereiten:
Cybermobbing ist K A C K :
K wie “Knipsen”
Beweise sichern. Screenshots mit Datum, Uhrzeit und Absender, bevor etwas gelöscht wird. Achtung bei intimen Bildern keine Screenshots machen. Hier gilt es vorher mit der Polizei zu sprechen!
A wie “Abblocken”
Nicht zurückschreiben, sondern melden und blockieren.
C wie “Chat verlassen”
Den Chat, die Gruppe oder die App schließen bzw. verlassen.
K wie “Kommunizieren”
Hilfe holen, einer Vertrauensperson davon erzählen. Bei Drohungen, Erpressung oder verbreiteten Fotos auch die Polizei informieren, denn diese Handlungen sind strafbar.





