Von 100 auf 50

Mittwochmorgen – 7 Uhr

Es klingelt und mein Mann öffnet. Die neuen Heizkörper werden geliefert und stapeln sich vor dem Haus. 

Mittwochmorgen – 7:45 Uhr

Ich gehe nach unten, um zur Arbeit zu gehen. Aus dem Haus, ein Blick auf die Lieferung und „O Schreck! Wie sehen die denn aus? Furchtbar!“ Zurück ins Haus, obwohl die Zeit drängt. „Wir hatten das Modell doch gemeinsam ausgewählt. Warum kommen jetzt die mit den Rillen?“ Ratloser Blick bei meinem Mann und ich schwinge mich ohne Abschied aufs Rad. Der Puls steigt auf 100 (gefühlt). Der Ärger noch darüber hinaus. „Das wird nicht mehr zu ändern sein. Sie sollen diese Woche noch eingebaut werden. So muss ich 20 Jahre mit diesem Anblick leben – oder noch länger! Wenn frau nicht alles noch einmal überprüft … der kann heute Abend etwas hören …“ 

Das Radfahren hilft den Stress langsam in den Griff zu bekommen. Der Kopf schaltet sich wieder ein. Nach 20 Minuten Fahrt: „Das hat er doch nicht absichtlich versemmelt. Er wird sicherlich schauen, ob etwas zu ändern ist …“ Am Bahnhof angelangt habe ich bereits etwas Mitleid mit meinem Mann und der Puls geht Richtung normal, aber die Enttäuschung bleibt. 

Mittwochmorgen – 8:59 Uhr 

Eine Textnachricht: „Die gelieferten Heizkörper sind so, wie wir dachten. Was wir gesehen haben, ist die Rückseite.   Mir hätte das auch nicht gefallen. Dann noch einen ärgerfreien Tag,  LG H.“

Es gibt Menschen, die können in so einer Situation ganz cool bleiben. Ich gehöre definitiv nicht zu dieser Sorte. Je nach Verfassung kann ich mich richtig hineinsteigern und der Stresspegel steigt und steigt. Dass ist nicht gut für mich und die Menschen, die involviert sind oder (unbeabsichtigt) involviert werden. 

Was also tun, um wieder herunterzukommen?

• Aus der Situation rausgehen, unterbrechen

• Bewegung oder bewusste Körperwahrnehmung

• Den Ärger wahrnehmen, aber nicht sofort ins Handeln (schreiben, anrufen …) gehen

• Sich Zeit geben, das Unerwartete zu verdauen 

• Sich erinnern, dass der/die Andere nicht der/die Gegner*in ist, sondern XY blöd gelaufen ist

• Den Kopf einschalten und mit dem Bauch in einen Dialog bringen

• Sich erinnern, wann man/frau zuletzt einen Fehler beging, um nicht der Illusion zu erliegen, das eigene Verhalten sei immer perfekt

• Schauen, ob der Ärger dem Gegenstand und den eigenen Wertmaßstäben wirklich entspricht, oder sich vielleicht gerade eine Mücke zum Elefanten aufbläht

• Sich Zeit zu geben, Alternativen auszudenken oder Menschen, die helfen können oder … – um aus der „Opferrolle“ herauszufinden

• Auf das „Recht haben“ verzichten, zugunsten einer gemeinsamen konstruktiven Haltung, wenn möglich auch Lösung. Das fühlt sich zunächst nicht so gut an, stärkt aber mein Selbstbewusstsein und die Bindung zum anderen. 

 

Von Barbara Fank-Landkammer 


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