Manchmal steckt der Wurm drin. Vier Lesetipps für und gegen Krisen

 

Die Helden und Heldinnen der folgenden Bücher haben Eines gemeinsam: Sie haben kleine und große Krisen erfolgreich gemeistert. Sie waren enttäuscht, zappelig, ungeduldig, auf sich allein gestellt oder resigniert und schafften dennoch einen hoffnungsfrohen Neuanfang. Manches Mal brauchten sie Hilfe dabei von liebevollen Eltern, mitfühlenden Tieren oder weitsichtigen Lehrern. Ihre Geschichten machen Mut und das ist etwas, das Kinder nie genug haben können. Viel Freude beim Lesen!


Fieber. Alles. Außer. Kontrolle

Würde man am Ende dieses packenden Endzeit-Romans nicht erfahren, dass er schon 2019 geschrieben wurde, könnte man tatsächlich ins Grübeln kommen. Evie erlebt auf einem Rückflug aus dem Urlaub hautnah mit, wie ein italienischer Geschäftsmann tot zusammenbricht. Obwohl er kurze Zeit vorher noch recht vital wirkte, glüht seine Haut, als er über Evie zusammenbricht. Dieses traumatische Erlebnis lässt sie zuhause recherchieren und tatsächlich scheint diese inzwischen „Fieber“ genannte Krankheit um sich zu greifen. Sie lässt zunächst nur reiche Geschäftsleute aus aller Welt sterben, aber bald wird klar, dass schon der schlechte ökologische Fußabdruck eines Normalbürgers ausreicht, um an der Krankheit zu sterben. Evie versucht alles, um ihre Eltern davon zu überzeugen, ihre Lebensgewohnheiten drastisch zu ändern. Sie schließt sich verschiedenen Umweltgruppen an, um die Menschen wachzurütteln, was oft nicht gelingt. Ein packender Wettlauf um die Umwelt beginnt, denn jeder versucht nun, sich in Windeseile klimaneutral zu verhalten. Schnell sind alle regionalen Produkte ausverkauft. Und es kommt noch zu ganz anderen Endzeitszenarien, die Evie doch irgendwie meistert.

Swantje Oppermann: Fieber. Alles. Außer. Kontrolle, 328 Seiten, gebunden, 14×21,5 cm, Beltz und Gelberg 2021, € 16,95, ab 14 Jahren


Elchtage

Johannas Leben verändert sich gerade heftig, denn ihre beste Freundin Sandra wendet sich seit dem Beginn der Mittelstufe von ihr ab. Die angesagten Mädchen der Klasse sind ihr jetzt wichtiger. Sogar das selbstgebaute Haus im Wald verbindet die beiden nicht mehr und so verbringt Johanna die Zeit nach der Schule oft alleine dort. Eines Tages kommen zwei Elchkühe zum Trinken an den See und Johanna freundet sich mit den wilden Tieren an. Auch andere Freundschaften treten nach und nach in ihr Leben und stärken ihr Selbstbewusstsein. Johanna ist sehr authentisch und naturverbunden, ihre Kleidung ist zweckmäßig und sie kann sich nur wundern, wie sehr sich Sandra der Glitzerwelt der Mädchenclique anschließt.

Als ein geheimnisvoller Junge in Johannas Leben tritt, mit dem sie vom ersten Augenblick derselbe Humor und vielerlei gleiche Interessen verbindet, ahnt sie noch nicht, dass auch die Elche eine große Rolle für beide spielen werden. Johanna hat sich inzwischen ein großes Wissen über diese Tiere angeeignet und hat berechtigte Angst vor der bevorstehenden Jagdsaison. Noch weiß sie nichts von der Gefahr, die den Elchen von ganz anderer Seite droht. Soviel darf verraten werden: Johannas Traum wird wahr, sie reitet tatsächlich auf einem Elchbullen und das auch noch an der Seite ihrer ersten Liebe. Eine Liebeserklärung an den Wald, die Freundschaft, den Tierschutz, die Wahrhaftigkeit und die Zeit des Erwachsenwerdens. Sehr lesenswert!

Malin Klingenberg: Elchtage. 224 Seiten, gebunden, 14,5×21,5 cm, dtv Reihe Hanser 2021, ISBN: 978-3-423-64076-3, € 13,95, ab 11 Jahren


Ein bärenstarker Geist

Andrea Liebers und Abdul Gugu ist mit diesem sehr empfehlenswerten Buch etwas gelungen, das wie die russischen Püppchen immer wieder eine neue Überraschung bereithält: Da ist zunächst die liebevolle Geschichte um die quirligen kleinen Bären und ihren verständnisvollen Lehrer, den großen Ark. Er tröstet bei Schmerzen und Enttäuschungen, führt die Bärenkinder in die Natur ein, erzählt ihnen lehrreiche Geschichten und bringt sie mit einfachen Achtsamkeits- und Yogaübungen zur Ruhe. All das ist auf`s Schönste illustriert! Genau richtig zum Vorlesen für Kinder ab fünf Jahren. Die älteren Selbstleser werden nicht nur am Erzählten ihre Freude haben, sondern sich darin gespiegelt sehen und vielleicht sogar ins Philosophieren kommen.

Wer kennt nicht das Gefühl, überlaufende Gedanken im Kopf zu haben, nicht ganz mit sich zufrieden zu sein oder ständig nach etwas Neuem Ausschau halten zu müssen? Die wunderbar einfachen Tipps vom großen Ark sind sofort umsetzbar und bringen innere Ruhe. Und dann ist da noch die Erwachsenenebene, mit der die Bärengeschichte anschaulich kommentiert wird. An den Seitenrändern gibt es nämlich Informationskästchen zum buddhistischen und wissenschaftlichen Hintergrund dessen, was die Bärenkinder im Buch erleben. Man mag sich sofort mit ihnen an den Rand des runden Waldsees setzen, natürlich in der Honigtopfstellung und sich – von der Waldesruhe umgeben – fallenlassen in die große Bärengemütlichkeit. Ein Buchtipp, der sich auch wunderbar verschenken lässt.

Andrea Liebers, Abdul Gugu (Illustr.): Ein bärenstarker Geist. Achtsamkeit für Kinder – buddhistisch inspiriert. 88 Seiten, gebunden, 26,5×22 cm, Worms Verlag Edition Kimono 2020, ISBN: 978-3-947884-35-3, € 24,80, ab 5 Jahren


Papa Elefant. Sind wir bald da?

Wer kennt sie nicht, diese berühmteste Frage aller Kinderfragen „Sind wir bald da?“ Auch Papa Elefant beantwortet sie immer wieder geduldig. Dabei beschreibt er stets nur die nächste Etappe, die der kleine Elefant und er auf der gemeinsamen Reise zu meistern haben. Erst den Hügel raufklettern, dann durch den Fluss schwimmen, dann das Tal durchqueren… und da reicht es dem kleinen Elefanten „Ich will jetzt endlich da sein!“ Doch ganz weit am Horizont sind tatsächlich schon das Meer zu sehen und die Palmen. Natürlich nur, wenn man sich als kleiner Elefant auf den Rücken des großen Elefants stellt und sich ordentlich groß macht. So sammeln die beiden neue Kräfte und schaffen gemeinsam spielerisch auch den Rest des langen Weges.

Dieser Weg zieht sich als gestrichelte Linie durch das ganze Buch, mal steil bergauf in grün, mal blau im Fluss und in vielen Schleifen beim Verstecken im Maisfeld. Eine wunderbare Idee, die kleinen Leser*innen auf diese Weise mitlaufen zu lassen. Überhaupt sind die Illustrationen herrlich kindgerecht und klar. Passend zur Entstehungsgeschichte dieses Bilderbuches im Rahmen der Initiative HopeLit (www.hopelit.de), die Kindern während der Coronazeit und darüber hinaus kostenlosen Content zur Verfügung stellt zur Bewältigung dieser und anderer Krisen. Auch diese Initiative passt zum besonderen Programm des Karlsruher MONTEROSA Verlages, der schon viele Mutmach-Bücher für Kinder herausgebracht hat.

Claudia Gliemann, Ann Cathrin Raab (Illustr.): Papa Elefant. Sind wir bald da? 26 Seiten, gebunden, 21,4×17 cm, MONTEROSA 2021, ISBN: 978-3-942640-13-8, € 13, ab 3 Jahren


 


Eva

Eva Unterburg

Eva Unterburg schreibt wunderschöne Rezensionen über Kinderbücher und ist langjährige Freundin der Redaktion.

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