Reiserecht -wenn man nach der Pauschalreise Urlaub braucht

Warme Sonnenstrahlen kitzeln die Haut, das Rauschen des Meeres vermischt sich mit den Rufen von Kindern, die in den Wellen spielen, es riecht nach Sonnencreme. Er hätte so schön sein können, der Urlaub. Wenn nur das Hotelzimmer nicht so dreckig und heiß und das Frühstücksbuffet nicht schon am frühen Morgen leer gegessen gewesen wäre.

Für Reisende, die eine Pauschalreise gebucht haben, gibt es unter diesen Umständen zumindest eine gute Nachricht: Gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) haben Sie besondere Ansprüche wegen solcher Reisemängeln. Neben einer vorab sorgenfreien Urlaubsplanung bieten Pauschalreisen daher auch erhöhte Sicherheit gegenüber Individualreisen. 

Was ist eine Pauschalreise?

Eine Pauschalreise umfasst die kombinierte Buchung von mindestens zwei Hauptreiseleistungen, wie etwa Flug und Hotelzimmer zu einem Gesamtpreis. Aber auch die Kombination einer Hauptreiseleistung mit einer anderen touristischen Leistung, die mindestens 25 Prozent der Reisekosten ausmacht, kann eine Pauschalreise darstellen – wie etwa die Buchung eines Tourguides, der Ihnen am Reiseziel zur Seite steht. 

Gut zu wissen: Auch aus verbundenen Onlinebuchungen kann eine Pauschalreise entstehen. Zum Beispiel, wenn ein Flugportal nach der Flugbuchung noch ein Hotel anbietet, indem es die Website des Hotelanbieters verlinkt, die Daten des Urlaubers überträgt und dieser innerhalb von 24 Stunden dort bucht.

Was tun, wenn Reisemängel auftreten?

Der Veranstalter der Reise muss die Leistungen grundsätzlich so erbringen, wie er sie zugesichert und im Reiseprospekt beschrieben hat. Wird die vertraglich vereinbarte Leistung gar nicht, unvollständig oder schlecht erbracht, spricht man von einem „Reisemangel“. 

Fällt Ihnen im Urlaub daher beispielsweise Schimmel im Hotelzimmer auf oder ist der Pool durchgehend geschlossen, ist der Veranstalter der richtige Ansprechpartner. Das Reiserecht bietet in diesen Fällen unterschiedliche Optionen. Am bekanntesten dürfte der Anspruch auf Minderung des Reisepreises sein. Aber auch ein Schadensersatzanspruch wegen entgangener Urlaubsfreude kann Ihnen unter Umständen zustehen.

Bevor Sie allerdings wegen eines Mangels Ansprüche geltend gemacht werden können, ist der Mangel beim Reiseveranstalter (am besten schriftlich) anzuzeigen  – und zwar sofort. Merke: Wer die Kakerlaken im Hotelzimmer erst nach drei Tagen beim Vertragspartner meldet, kann den Reisepreis auch erst am vierten Tag deswegen mindern. 

Ist der Mangel angezeigt, hilft der Veranstalter dem Problem hoffentlich möglichst schnell ab. Die Ansprüche der Reisenden wegen Mängeln verjähren allerdings erst zwei Jahre nach dem vertraglich vereinbarten Ende der Pauschalreise. Bei einem Mangel, der zwar ärgerlich ist, aber mit dem Sie leben können, reicht es daher aus, sich erst nach dem Urlaub, zurück in Deutschland, um die Angelegenheit zu kümmern und gegebenenfalls eine Anwält:in einzuschalten. Wichtig ist nur, dass Sie den Mangel im Urlaub sofort angezeigt haben und dies nachweisen können. 

Und für Alle, die nicht selbst von Reisemängeln betroffen sind, können die inzwischen zahl- und facettenreichen Entscheidungen deutscher Gerichte zumindest als kuriose Strandlektüre verwendet werden. 

So klagte beispielsweise ein Ehepaar vor dem Oberlandesgericht Frankfurt, weil in der gebuchten Hotelanlage Freie Körperkultur (FKK) gelebt wurde und dies bei der Buchung der Reise nicht erkennbar war. Das Gericht gab Ihnen recht. Es sei „nicht jedermanns Geschmack, fremde nackte Menschen um sich herum zu sehen“. Der Reisemangel berechtigte das Paar zur Kündigung des Reisevertrages und Erstattung des Reisepreises. 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein großartiges Urlaubsjahr 2023. Mögen Sie von Reisemängeln verschont bleiben!


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