Die Babys kommen

Kolumne von Eva Unterburg

Grafik: Raphael Becker

Juhu, es geht los. Einige unserer Freunde werden Großeltern, endlich darf ich ungestraft Spielzeug, Anziehsachen und andere Sächelchen kaufen ohne es auf den Jäger- und Sammlertrieb schieben zu müssen. Mit den so in den letzten Jahren vom Flohmarkt geretteten Kindersachen könnte ich vermutlich schon jetzt eine komplette KiTa-Gruppe ausstatten.

Ab jetzt wird also zielgerichtet gekauft, nicht minder nachhaltig natürlich. Mit Adlerblick entdecke ich beim Kirchenbasar entzückende Kinderschühchen, kaufe genähte Lieblingspuppen für einen guten Zweck und stricke gegen einschlafende Kribbelhände an. Jungen Eltern im Urlaub will ich fortwährend fraternisierend auf die Schulter klopfen, um ihnen klarzumachen, dass wir bald im gleichen Boot sitzen werden. Mit viel Selbstbeherrschung belasse ich es dann doch bei einem beifallbekundenden Lächeln.
Die Kleinen im Tragetuch oder die selig schlummernden Lächler im Kinderwagen sind aber auch zu niedlich. Wie schafft es die Mehrheit der Menschheit nur, da ohne beseeltes Dauergrinsen vorbeizugehen?

Es gibt so tolle junge Eltern, die mit einer liebevollen Gelassenheit mit ihren Kindern umgehen. Ich bin voller Bewunderung und denke an viele nervenzipfelligen Momente in unserem Familienleben zurück.

Deshalb spreche ich immer alle entnervten Eltern an, deren Kinder sich gerade im Schreikrampf auf dem Supermarktboden winden und allem guten Zureden erfolgreich widerstehen. Der Satz „Wenn sie mal über dreißig sind, kommt sowas eher selten vor“ funktioniert ganz gut und entzerrt die Situation recht schnell.

Vor allem stopft sie all jenen das Lästermaul, die im Vorbeigehen ihre giftigen Kommentare meinen abgeben zu müssen. Sätze wie „Der braucht nur kräftig was hinter die Löffel, bei uns hätt`s des früher net gegebbe“ sind giftgrün und werden von orkähnlichen Wesen abgesondert. Es ist gemein, so etwas zu sagen, weil es sich immer einbrennt in das ohnehin gerade dünnbeseidete Nervenkostüm der Eltern jenes tobenden Kleinkindes. Dort wuchern solche Worte ungeniert weiter.

Bitte lassen Sie das nicht zu und haben eine wohlformulierte Antwort parat. Am besten im Voraus einstudiert, um auch in stressigen Momenten darauf zugreifen zu können. Das Wohlgefühl nach einer gezielten Entwaffnungsantwort ist mit nichts aufzuwiegen und wird auch den kleinen Toberich zu ihren Füßen beeindrucken. Und schon ist der Familienfriede wiederhergestellt. Aber ich schweife ab!

Die Babys rücken näher. Schon haben Sie die Nähe unserer eigenen Kinder erreicht, sind bei deren Freunden angekommen, werden zu Patenkindern und mit Begeisterung gehütet. Wie schön, dass das Leben sich immer wieder Bahn bricht und jede Generation das Wagnis Elternsein eingeht. Und egal, ob ohne Schnuller, nur getragen, mit GPS versehen oder ganz altbacken im Vierstundenrhythmus gefüttert – sie werden alle groß und schmeißen sich irgendwann nicht mehr im Supermarkt auf den Boden, weil der bunte Schokoriegel nicht auf der Agenda der Eltern steht.

Ich freue mich beim Großwerden zuschauen zu dürfen.


Eva

Eva Unterburg

Eva Unterburg schreibt wunderschöne Rezensionen über Kinderbücher und ist langjährige Freundin der Redaktion.

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