BUCHTIPPS für einen prallgefüllten Lese- und Abenteuersommer

Sommerferien mit einem spannenden Kinderbuch in der Hand, an einem kühlen Baggersee in der Umgebung liegend und im Picknickkorb selbst angebaute Tomaten. Zu jeder dieser wahllos herausgesuchten Komponenten eines perfekten Ferientages gibt es die passenden Buchtipps beim direkten Weiterlesen. Oder wie wäre es mit einer Bachbettwanderung, einem Stockbrotbackerlebnis und einer Gutenachtgeschichte aus der „Goldenen Schatztruhe“ unter freiem Himmel? Mit diesen Büchern gehen die Ideen für die Ferien nicht aus. Einen schönen Sommer für alle!

 

 


Ferris – Ein Kater sieht rot

Ferris hat eigentlich alles, was zu einem trägen glücklichen Katerleben dazugehört: ein eigenes Heim in Form einer verlassenen Villa, eine tolle Schlafhöhle in einer kaputten Waschmaschine, einen hyperaktiven Eichhörnchen-Sicherheitschef und einen Hausmeisterwaschbären. Ja sogar einen riesigen Vorrat an Fischkonserven und die dazu passenden Hausangestellten Alice und Marlene zum ordnungsgemäßen Öffnen und Servieren der Heringe in Tomatensauce.

Alles könnte so schön sein, wären eines Morgens nicht die beiden Mäuse wie vom Erdboden verschwunden. Ferris knurrt der Magen und er macht sich große Sorgen um seine zwei Freundinnen. Die turbulente Suche führt Ferris in die entlegensten Winkel seiner Nachbarschaft. So entdeckt er unter Lebensgefahr die heimliche Mäusedisco von Jenny Lou und gerät mittenrein in die Geburtstagsparty seiner Widersacherin, der listigen Queen. Überhaupt scheint diese verwöhnte Edelkatze ihm den Rang als Anführer im Viertel streitig machen zu wollen. Ob sie vielleicht sogar etwas mit dem Verschwinden der beiden Mäuse zu tun hat?

Bei diesem Kinderkrimi stimmt einfach alles, die witzigen Charaktere der Tierfiguren, die detailfreudigen Illustrationen und die hochwertige Aufmachung. Und das Beste: Ferris Superstar, Band 2 dieses kultigen Katerabenteuers ist seit März ebenfalls im Handel!

Irene Zimmermann, Stefanie Jeschke (Illustr.): Ferris. Ein Kater sieht rot. Bd. 1, 185 Seiten, gebunden, 14,5×22 cm, orell füssli Kinderbuch 2019, ISBN: 978-3-280-08011-5, € 15,95, ab 6 Jahren

 


Die besten Tantenretter der Welt

Wer eine Tante wie Erdmute hat, der hat es gut auf der Welt. Das sehen auch der elfjährige Jonas und sein kleiner Bruder Fabi so. Erdmute passt mit ihrer lebenslustigen Art, ihrem Second Hand Laden und ihren steten Geldproblemen hier unten in Berlin auf die beiden Brüder auf, während Mama und Papa von weiter oben nach ihnen schauen. Eines Tages flattert ein Brief ins Haus, der eine Luxussanierung der Mietwohnung ankündigt. Das veranlasst Tante Erdmute kurzerhand in ihrem elegantesten roten Kleid eine Bank zu überfallen.

Reiflich überlegt ist diese Aktion nicht, denn mit Sonnenbrille und passendem Hut maskiert, ist es nur eine Frage der Zeit, bis man ihr auf die Spur kommt. Die Jungs machen sich große Sorgen, zumal Erdmute verkündet, dass wohl ein Umzug nach Paris die rettende Idee sei mit einer Zwischenstation in einem lauschigen Waldhotel am Rande der Stadt. Dort kommt alles komplett durcheinander, als das wertvolle Briefmarkenalbum eines Gastes mit der weltberühmten Grünen Blauritius gestohlen wird. Oh je, jetzt beginnen sicher polizeiliche Ermittlungen und dann fliegt Tante Erdmute auf. Das gilt es unbedingt zu verhindern. Und so schließen sich Jonas, Fabi und Johanna zusammen zu den „Drei Tantenrettern“. Zum Glück kennt Johanna als Tochter des Hotelbesitzers sich richtig gut aus und dieser skurrile Fall kann aufgeklärt werden.

Eines der besten Kinderbücher, die ich für dieses Alter je gelesen habe! Wem die schönen Illustrationen irgendwie bekannt vorkommen: Sabine Wilharm hat auch die Harry-Potter-Reihe ins Bild gesetzt.

Andrea Schomburg, Sabine Wilharm (Illustr.): Die besten Tantenretter der Welt. 224 Seiten, gebunden, 14,5×21,5 cm, Hummelburg 2019, ISBN: 978-3-7478-0007-2, € 12,99, ab 10 Jahren

 


Ein Nashorn namens Clara

Dieses opulent illustrierte Bilderbuch entführt in die Zeit vor 300 Jahren, als nur wenige Händler so um die Welt reisten, wie wir es heute kennen. Damals kannte man meist nur seine unmittelbare Umgebung und Tiere aus fernen Gegenden allenfalls aus Büchern. Deshalb faszinierte das Nashornmädchen Clara jeden, der dieses seltene Tier aus Indien zu Gesicht bekam, ob auf dem Jahrmarkt oder bei Hofe. Clara war als kleines verwaistes Nashornbaby von einer holländischen Familie im fernen Indien großgezogen worden und fühlte sich bei Menschen wohl. Erst als sie zu groß wurde, um im Haus zu leben, übergab man Clara einem holländischen Kapitän, der sie mit in seine Heimat nahm und mit ihr durch ganz Europa zog bis sich Clara ein ruhiges Plätzchen auf einem Bauernhof verdient hatte. Zwanzig Jahre berührte Clara die Herzen der Menschen und noch heute hängen Bilder berühmter Maler in diversen Museen, die sie in ihrer ganzen Schönheit zeigen.

Eine berührende Geschichte einer wahren historischen Begebenheit, liebevoll von Katrin Hirt erzählt und von Laura Fuchs farbenfroh als Augenschmaus ins Bild gesetzt.

Katrin Hirt, Laura Fuchs (Illustr.): Ein Nashorn namens Clara. 48 Seiten, gebunden, 22,5×26 cm, Nord Süd Verlag 2019, ISBN: 978-3-314-10432-9, € 16, ab 4 Jahren

 


Oskar, ein Kater mit Charakter

Oskar hat im Tierheim eine Sonderstellung, schließlich ist er auch etwas ganz Besonderes. Seine Katzenmama war eine echte Wildkatze und zum Glück hat ein Waldarbeiter ihn als kleines Katerchen gefunden, nachdem die Wohnhöhle der Wildkatzenfamilie zerstört worden war. So ganz allein hätte es Oskar vermutlich auch nicht geschafft im Wald. Doch mit Knut, seinem gemütlichen kleinen Häuschen und den täglichen Streicheleinheiten, den gelegentlichen Essensausflügen ins nahegelegene Hotel und der wundervollen Freundschaft mit dem Hund Hugo lässt sich das Leben wirklich gut aushalten die nächsten Jahre. Bis zu dem Tag, als Knut immer bekümmerter wird und alles in Kisten packt, was Oskar wichtig ist. Plötzlich ist sogar das Sofa weg und Oskar findet sich im Katzenkorb wieder. Nächste Station Tierheim und Abschied von Knut, der in seiner neuen Wohnung leider kein Tier mitnehmen darf. Nun wird Oskar fotografiert, schließlich ist er etwas Besonderes und soll „Tier der Woche“ werden. Ob sich wohl jemand für ihn interessieren wird? Und es ein neues Zuhause für ihn gibt?

Selten gab es einen schöneren Blick in eine Katerseele, als in diesem einzigartig illustrierten Kinderbuch. Zum Anbeißen dieser Katzerich, ich hätte ihn sofort bei uns wohnen lassen.

Hildegard Müller: Oskar, ein Kater mit Charakter. 80 Seiten, gebunden, 15×21,5 cm, dtv 2017, ISBN: 978-3-423-64031-2, € 12,95, ab 6 Jahren

 


Die goldene Schatztruhe

Es gibt Kinderbücher, die vergisst man nie. Sie versetzen einen auch noch im Erwachsenenalter beim wiederholten Lesen in exakt die gleiche Stimmung, wie man sie als Kind liebte. So ging es auch der Grundschullehrerin Iris Kiesewetter. Ihr Lieblingsbuch stammt aus den Niederlanden und wurde 1964 das letzte Mal in Deutschland verlegt. Und weil auch ihren Schüler*innen und den Kolleg*innen der Karlsruher Europaschule die Geschichten aus der „Goldenen Schatztruhe“ so gut gefielen, machte sie sich daran, die Rechte zu erwerben und die Texte sanft den heutigen pädagogischen Maßstäben anzupassen. Und was wird in diesen 62 Geschichten aus aller Welt nicht alles erzählt: Da geht es um die Rettung des Kaisers von China und um die Bergung eines alten Schatzes auf der Insel Föhr ebenso, wie um zwei Ochsen aus dem antiken Ur oder um eine Prinzessin, die nicht schlafen kann.

Es steckt viel Zeit und Herzblut in diesem schönen Buchprojekt und man versteht sofort, warum die Geschichte von Sunmins Traum Frau Kiesewetter bis heute am allerbesten gefällt: Der fleißige Hutmacher träumt mehrmals davon, dass er am Fuß des Drachentempels sein Glück finden werde. Also macht er sich auf die lange Reise nach Peking und wartet am besagten Platz, bis ihm ein Bettler schließlich von seinem Traum erzählt, wonach unter dem großen Ahornbaum im Garten eines Hutmachers ein Topf mit Gold vergraben sei… Man ahnt, wie die Geschichte ausgeht und das macht auch den besonderen Reiz dieser Sammlung aus. Am Ende geht es immer um eine Botschaft, die ohne erhobenen Zeigefinger auskommt und stattdessen die Leser*innen und Zuhörer*innen an die nahen und weiten Enden der Welt entführen.

Diese Geschichten haben es verdient gelesen und gehört zu werden.

Cornelius Wilkeshuis , Jenny Dalenoord, Theresia Hahn (Illustr.): Die goldene Schatztruhe. Bearbeitet und modernisiert von Iris Kiesewetter. 327 Seiten, gebunden, 17,5×22,5 cm, Tierbuchverlag Irene Hohe 2020, ISBN: 978-3-944464-97-8, € 32,90, ab 8 Jahren und alles, was danach kommt

 


Outdoor Kids

Und noch ein Buch für diesen Sommer! Das heißt, eigentlich ist es für das ganze Jahr, denn es steckt voller wunderbarer Outdoor-Ideen, die jedes Kind dazu bringt, den Rucksack zu packen und nach draußen zu wollen. Wohl dem, der einen Papa wie Nicolas Lätt hat, der Erlebnis-Pädagoge ist und für den es kein unpassendes Wetter gibt, um nicht wenigstens eine Laubhütte oder ein Iglu zu bauen mit seinen vier Kindern. Wie wäre es demnächst mit einer Bachbettwanderung direkt mit den Füßen im frischen Wasser? Oder einem leckeren Frühstück, über dem offenen Feuer zubereitet? Als Nachspeise gegrillte Bananen mit geschmolzenen Schokostückchen? Aus Kieselsteinen und Erde lässt sich außerdem ein perfekter Backofen herstellen. Sommer und Wasser gehören zusammen, Kanufahren passt perfekt zum Draußensein. Aber ein eigenes Kanu bauen aus Ästen und einer Plane? Geht das?

Dieses Buch zeigt die Anleitung und auch die diversen Modelle einer Übernachtungsmöglichkeit in freier Natur. Ob unter einem provisorischen Dach oder in der Hängematte, eine Nacht unterm Sternenhimmel lässt Kraft sammeln für eine spannende Wanderung am nächsten Tag. Unterbrochen von vielseitigen Spielen und leckeren Essenspausen haben auch die Kleinsten schon Spaß am Wandern. Dieses Buch ist eine wahre Fundgrube für alle Naturbegeisterten und solche, die es werden wollen.

Nicolas Lätt: Outdoor Kids. Bushcraft und Abenteuer für jede Jahreszeit. 136 Seiten, gebunden, 20×25 cm, at Verlag 2018, ISBN: 978-3-03800-080-8, 20€, für alle Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene

 


Gärtnern in Beet, Topf & Kasten

In Coronazeiten hat das Gärtnern eine neue Renaissance erfahren und Kindern macht es besonderen Spaß ihrem Essen beim Wachsen zuzusehen. Dabei ist es genauso möglich leckere Erdbeeren auf dem Balkon zu ernten, wie aus dem eigenen Garten. Dieses ansprechend gestaltete Gärtnerbuch für Kinder hält richtig viele Tipps bereit für Pflanzen-Einsteiger. Tätigkeiten im Gartenjahr zum Beispiel oder die Gärtnern-Basics zu Beginn. Was braucht eine Pflanze unbedingt? Wie zieht man eigene Setzlinge richtig vor? Was eignet sich alles zum Eintopfen? Hier lernt man selbst als erfahrenere Gärtnerin noch viel dazu. Für Pizzabegeisterte gibt es Extra-Anleitungen für ein Tomaten-Basilikum-Beet. Ritter bauen dagegen Möhren, Rote Beete, Sellerie und Zwiebeln an und bringen so den Geschmack des Mittelalters in den Topf.

Die vielen schönen Fotografien und Grafiken machen sofort Lust los zu gärtnern und das Cover mit dem vertieften Blumentopfmotiv ist ein echter Hingucker im Bücherregal.

Bärbel Oftring: Gärtnern in Beet, Topf & Kasten. Das Gärtnerbuch für Kinder. 96 Seiten, Spiralbindung, 19,5×23 cm, moses 2018, ISBN: 978-3-89777-965-5, € 12,95, ab 8 Jahren

 


Seensüchtig

„Warum in die Ferne schweifen? Sieh das Gute liegt so nah“ Wie recht Goethe mit diesem Satz hatte, zeigt sich ganz besonders in diesem Sommer. Taschen packen, ab auf`s Rad oder ins Auto und schon ist man da, wo das kühle Nass lockt und man mit der ganzen Familie einen wunderbaren Sommersonnentag verbringen kann. Und damit man das schönste Plätzchen ganz schnell findet, gibt es schon seit einigen Jahren diesen perfekten Führer. Wer hätte gedacht, dass es rund um Karlsruhe 50 attraktive Badeseen gibt?

Dieser übersichtliche Ratgeber zeigt sie mit über 150 Farbfotos von ihren schönsten Seiten, selbst die Koordinaten sind genauestens notiert und die 14 wichtigsten Fragen wie z.B. zur Parkplatzsituation, den Öffnungszeiten oder einem Kiosk und sanitären Einrichtungen werden beantwortet. Kein lästiges Suchen mehr im Netz, kein Überlegen „Wo genau war dieser See noch gleich?“ oder „Welchen Waldweg muss ich nehmen?“, sondern ein handliches Büchlein und dem Badevergnügen für die ganze Familie steht nichts mehr im Wege. Außer vielleicht viele andere Familien mit der gleichen Idee…

Daniel Flachsbarth: Seensüchtig. Der Bade- und Baggerseenführer für die Region Karlsruhe-Bruchsal-Germersheim-Baden-Baden-Hagenau. 120 Seiten, broschiert, 15×21 cm, Silberburg Verlag 2016, ISBN: 978-3-8425-1456-0, 8€, für alle Wasserbegeisterten