Tipps fürs Homeschooling

Empfehlungen unserer Karlsruher Autorin Sarah Nagel

Illustration: Ida Grosse

Homeschooling – welch eine Herausforderung für alle Beteiligten! Eltern fungieren regelmäßig, oft zusätzlich zu ihrem normalen Beruf, als Lehrkräfte in allen Fächern. Und die Schülerinnen und Schüler haben u.a. mit überlasteten Lernplattformen, Unmengen von Arbeitsmaterialien, Dauer-Digital-Unterricht und dem verringerten zwischenmenschlichen Kontakt zu kämpfen.

Ein Jahr geht das nun schon so. Bei vielen Familien hat es sich im Großen und Ganzen eingespielt, für andere bedeutet jede neue Schulwoche auch neue Problemstellungen. Das Karlsruher Kind gibt Tipps und Anregungen fürs Lernen zu Hause. Damit Bildung – und Spaß – nicht auf der Strecke bleiben…

Sarah Nagel
Die Lernumgebung

Wenn es die räumlichen Strukturen erlauben, suchen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam einen Ort aus, an dem es sich wohlfühlt und der ausschließlich fürs Lernen genutzt wird. Die Umgebung sollte reizarm, aber hell sein und genug Platz für alle Lernmaterialien bieten. Ein höhenverstellbarer Schreibtisch und ergonomischer Schreibtischstuhl beugen Rückenschmerzen vor. Am Ende des „Schultags“ werden die Lernmaterialien auf- bzw. weggeräumt. Das signalisiert dem Gehirn: „Ich bin fertig!“

Strukturen erstellen

Das „Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg“ (ZSL) empfiehlt, zusammen mit seinem Kind eine Tagesstruktur festzulegen, unter anderem am besten wie gewohnt aufzustehen und sich im alltäglichen Rhythmus zu festen Essenszeiten zu treffen. Zudem sollten die Arbeitsmaterialien von den Eltern sinnvoll in kleine Pakete aufgeteilt und über die Woche verteilt werden.

Manchen Kindern hilft es auch, wenn ein kleinteiliger Wochenplan mit feste Zeiten fürs Lernen, Essen, Spielen, Rausgehen und Aufstehen sowie Schlafengehen erstellt wird. Das gibt Orientierung und zeigt auch genau, wann lernfreie Zeiten sind. Kleine Rituale wie z.B. Klatsch- oder Würfelspiele zu Beginn helfen besonders jüngeren Kindern, die Lernzeit mit etwas Positiven zu verbinden.

Pausen machen und Bewegung einbauen

Je nach Alter sinkt die Konzentration üblicherweise nach 15 bis 30 Minuten ab. Jetzt ist Zeit für  eine kurze Pause – gerne mit Bewegung! Danach kann das Gehirn wieder besser arbeiten und Haltungsschäden haben keine Chance. Fünf Minuten zum Lieblingslied durch die Wohnung tanzen, hüpfen, Hampelmänner machen,… Man kann Bewegung auch in das Lernen integrieren, z.B. beim Rechnen Ergebnisse hüpfen oder klatschen.

Motivation

Zeigen Sie Interesse daran, was das Kind gerade lernt. Wenn es zum Aufschieben neigt oder sich verweigert, versuchen Sie gemeinsam, zunächst Aufgaben zu finden, die es leichter bewältigen kann. Setzen sie kleine, erreichbare Ziele, und loben Sie, wenn diese erreicht wurden. Beobachten Sie, an welchen Tagen das Lernen zu Hause besser geklappt hat und warum.

Für Abwechslung sorgen

Wer die Zeit und Energie hat, sorgt für Abwechslung im Homeschooling. Ein Kind lernt schließlich auch im Alltag. Beim Kuchenbacken oder Räume ausmessen dreht sich z.B. alles um Mengen und Zahlen, beim Waldspaziergang lässt sich so manch biologische Frage beantworten. Memorys und Quizfragen halten das Interesse aufrecht. Über Online-Angebote wie Planspiele kann man mit den Schulkameraden wenigstens digital in Kontakt treten. Mehr Tipps gefällig? Unter https://km-bw.de/digitale-lernangebote gibt es eine Übersicht an freien, digital zugänglichen Sport- und Bildungsangeboten, die während des Fern-Unterrichts genutzt werden können.

Überforderung vermeiden und Hilfe suchen

Das „ZSL“ betont, dass Sie als Eltern den Unterricht in der Schule zu Hause nicht ersetzen müssen. Die Realität sieht jedoch mitunter anders aus. Das sorgt für eine Menge Konfliktpotential. Haben sie mit sich und dem Kind Geduld. Versuchen Sie, gelassen damit umzugehen, dass nicht jeder Tag gleich produktiv sein kann. Sehr wichtig: Kinder dürfen Aufgaben fehlerhaft abgeben – das machen sie in der Schule auch.

Bei Konflikten beruhigen Sie sich zuerst selbst, dann den Nachwuchs. Schaffen Sie Versöhnungsrituale, Freiräume und Ablenkung. Bei Fragen, Probleme und Schwierigkeiten sollte es selbstverständlich keine Hemmungen geben, die Lehrkraft zu kontaktieren. Wer darüber hinaus wissen möchte, wie er sein Kind zum Lernen motivieren kann und zu Hause gute Lernbedingungen schafft, findet u.a. bei der „Schulpsychologische Beratungsstelle Karlsruhe“ Unterstützung (0721/605610-70). Bei akuten Krisen können sich Kinder und Jugendliche z.B. an die „Nummer gegen Kummer“ wenden (116 111). Es gibt auch ein Elterntelefon: 0800 / 111 0 550.