Lernen in Krisenzeiten

Gedanken von Detlef Träbert zur Konzentration als Schlüssel zum Schulerfolg

Wir alle haben es derzeit besonders schwer, die Großen wie auch die Kleinen. Unsere Kinder erleben die Schule momentan auf eine Art und Weise, wie sie noch nie für sie war. Nach Wochen rein häuslichen Lernens haben die meisten jetzt zwar gelegentlich Unterricht, aber eben noch nicht täglich. In der Schule sind sie nur mit wenigen Kindern zusammen und es herrschen besondere Vorsichtsmaßnahmen, damit sie sich nicht gegenseitig infizieren können. Schließlich kann man nie wissen, ob jemand den Corona-Virus in sich trägt. Wer ihn erwischt hat, merkt das zumindest anfangs noch nicht und kann ihn trotzdem schon weitergeben. Deswegen gilt auch in der Schule, Abstand zu halten, häufig die Hände zu waschen und mancherorts sogar, eine Schutzmaske zu tragen. Und auch, wer nur eine einfache Erkältung hat, soll unbedingt zu Hause bleiben.

Das sind keine Umstände, unter denen Kinder sich wirklich wohl fühlen können. Dann lernt man schon lieber zu Hause. Aber was kann man tun, wenn Fragen auftreten? Wer hilft, wenn man mit einer Aufgabe nicht zurechtkommt? Und welche Möglichkeiten gibt es, die Konzentration aufrecht zu erhalten?

Wenn ein Kind etwas nicht weiß, beispielsweise wie eine Rechenaufgabe angegangen werden sollte, besteht ein unmittelbares Bedürfnis nach Hilfestellung. Falls jedoch niemand zur Hand ist, der einem raten kann, muss das Kind lernen, die betreffende Aufgabe erst einmal zurückzustellen und sich mit anderen Themen zu befassen. Manchmal findet man einen Zugang zu schwierigen Herausforderungen erst nach einem zweiten oder dritten Blick auf das Problem. Wenigstens einmal am Tag sollten Eltern sich für eine Viertelstunde Zeit nehmen, um noch ungelöste Aufgaben gemeinsam mit dem Kind anzuschauen und eventuell Tipps zu geben.

Besonders hilfreich sind Lernpartnerschaften mit Freundinnen und Freunden, die man telefonisch oder vielleicht sogar per Skype oder einem anderen Videochat-Programm pflegen kann. Kinder untereinander können sich am besten helfen, denn sie sprechen die gleiche Sprache, auch wenn wir Erwachsenen oft genug nicht begreifen, was sie da eigentlich erklären.
Außerdem lassen die Lehrerinnen und Lehrer unsere Kinder nicht allein. Sehr viele nehmen mindestens einmal pro Woche Kontakt auf, viele von Ihnen dann ebenfalls online oder wenigstens telefonisch. Mittlerweile besteht auch bei Präsenz in der Schule immer wieder die Gelegenheit, offene Fragen zu klären und sich schwierige Lernvorgänge erläutern zu lassen. Die allermeisten Lehrkräfte bieten außerdem die Möglichkeit zu Rückfragen per Telefon oder E-Mail an.

Die Konzentration beim Lernen war schon immer ein Problembereich. Mindestens die Hälfte aller Kinder hat Schwierigkeiten, beim Erledigen der Aufgaben stets genügend Aufmerksamkeit aufzubringen. Aber sicher haben Sie schon bemerkt, dass es Lernbereiche gibt, in denen Ihr Kind sich besser konzentrieren kann als in anderen. Das ist ganz normal. Sogar Kinder mit massiven Aufmerksamkeitsproblemen haben Bereiche, in denen das Lernen gut klappt. Wenn die Konzentration schnell nachlässt, helfen kleine Minipausen von höchstens einer Minute. Sie sorgen sogar dafür, dass ein Kind mehr und schneller arbeitet, als wenn es auf Pausen verzichten würde. Es braucht dazu nur eine Stopp-, Küchen- oder Sanduhr, um die Minute nicht zu überschreiten. Manche Kinder benötigen bei manchen Aufgaben alle zwei Minuten eine Minutenpause, andere nur alle zehn oder sogar fünfzehn Minuten – das muss man einfach ausprobieren. Was tut man in solchen Minipausen?

Zwei der vielen hilfreichen Übungen gehen folgendermaßen:

· Setze dich auf einen normalen Stuhl mit vier Beinen. Hebe deine Füße an und drücke sie von innen so fest gegen die vorderen Stuhlbeine, wie du nur kannst. Zähle im Stillen bis zehn und atme dabei locker weiter.
Stelle nun die Füße kurz ab, um auszuruhen. Hebe sie dann wieder an und drücke sie von außen ganz fest gegen die Stuhlbeine. Wieder locker weiteratmen und im Stillen bis zehn zählen.
· Setze dich bequem und verhake die Hände mit gekrümmten Fingern vor deiner Brust. Ziehe sie auseinander, so fest du kannst, aber lasse nicht los. Atme dabei locker weiter und zähle im Stillen bis zehn.
Schüttle die Arme zur Lockerung kurz aus, dann presse die beiden Handballen vor deiner Brust so fest gegeneinander, wie es nur geht. Wieder locker weiteratmen und im Stillen bis zehn zählen.
Wenn Ihnen die Konzentration Ihres Kindes nicht optimal erscheint, dann probieren Sie diese Minipausen nicht nur einmal aus, sondern veranlassen Sie Ihr Kind mehrere Tage nacheinander dazu, sie immer wieder zwischendurch einzulegen, damit es sich daran gewöhnt. Warten Sie auch nicht, bis Ihr Kind nicht mehr kann, sondern lassen Sie es pausieren, während das Arbeiten noch gut läuft. Bei Erschöpfung reicht nämlich eine Minipause nicht mehr aus.

Das Buch zum Thema: Detlef Träbert, Konzentration – der Schlüssel zum Schulerfolg, Dreieich (MEDU Verlag) 2020; Wöchentliche Konzentrationstipps von Detlef Träbert unter: www.literaturlounge.eu/category/sonstiges