Zuviel Hygiene

Kinder, die mit Hunden aufwachsen, leiden seltener an Neurodermitis

Unter dem Aspekt der Hygiene betrachtet, leben wir hierzulande in einer quasi durchgestylten Welt: Unsere Wohnungen sind so sauber, dass wir gefahrlos vom Boden essen könnten. Was verderblich ist, lagern wir im Kühlschrank, und für viele Lebensbereiche gibt es Hygienevorschriften. Viele Infektionskrankheiten sind dank dieser Maßnahmen zurückgedrängt worden und spielen bei uns kaum noch eine Rolle.

Seit einigen Jahren mehren sich allerdings Hinweise dafür, dass die Verbannung vieler Erreger aus unserem Leben auch Nachteile für uns mit sich bringen könnte. Kommt das Immunsystem – gerade von Säuglingen – nur wenig in Kontakt mit Keimen, scheint dies die Entwicklung von Krankheiten zu befördern, bei denen das Immunsystem selbst für die Beschwerden mitverantwortlich ist. Dazu zählen u.a. Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, allesamt Krankheiten, die Menschen, die unter einfacheren Verhältnissen zum Beispiel in Afrika leben, kaum kennen.

Von besonderer Bedeutung sind möglicherweise jene Keime, die jedes Kind eigentlich bei der Geburt mitbekommt: die Keimflora des Geburtskanals. Sie besteht hauptsächlich aus Milchsäurebakterien, die den Magendarmtrakt des Babys besiedeln. Sie helfen den Kindern, Nährstoffe zu verwerten, sie trainieren auch das Immunsystem. Doch immer mehr Babys kommen quasi keimfrei per Kaiserschnitt auf die Welt (in Deutschland rund jedes dritte Kind). Dänische Forscher haben in einer Studie zeigen können, dass Kaiserschnitt-Kinder ein um 23 Prozent erhöhtes Risiko für Asthma hatten.

„Unhygienischer“ ging es früher auch beim Milch-trinken zu. Vor Jahrzehnten tranken viele Kinder Rohmilch, die zahlreiche „gute“ wie „schlechte“ Keime enthalten konnte. Heutzutage trinken die allermeisten Kinder keimfreie, pasteurisierte Milch. Schon vor Jahren fanden Wissenschaftler auch hier einen Zusammenhang zu Allergien: Kinder, die Rohmilch tranken, litten seltener an Allergien.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch wissenschaftliche Beobachtungen an Kleinkindern, die mit Hunden aufwuchsen: Bei ihnen war das Neurodermitisrisiko um 28 Prozent niedriger als bei Kindern, die ohne den Vierbeiner groß wurden. Auch hier spielen möglicherweise Keime eine Rolle.

Mediziner warnen allerdings davor, daraus den Schluss zu ziehen, dass wir unsere Hygienestandards zurückschrauben sollten. Vielmehr steht auch der Konsum industriell verarbeiteter Lebensmittel im Verdacht, Allergien zu begünstigen.