Museumskinder

Ich freue mich immer über alle Maßen, wenn ich kleinen Kindern im Museum begegne. Manchmal hängen sie tiefenentspannt vor dem Bauch ihrer Väter oder werden in rudimentären Leihkarren der Museen durch die Heiligen Kunsthallen geschoben.

In dem Alter ist das Projekt „Kind im Museum“ noch komplett unkompliziert, vor allem, wenn der Kunstgenuss in die Schlafenszeit der Kleinen fällt. Die Kür ist das Alter ab zwei, wenn ungestillter Bewegungsdrang und Schutz wertvollen Kulturgutes mit Macht aufeinander treffen. Wer kennt nicht den mit Nachdruck erhobenen Zeigefinger oder die sich überschlagende Stimme besorgter Aufsichten, wenn das eigene Kleinkind ungebremst die Absperrung überklettert, um den Sitzkomfort einladender Barockensembles zu testen? Oder in Begeisterung der Wiedererkennung der heimischen Wiege mal eben das Kleinod aus der Renaissance zum Schwingen bringt.

Immer wieder ausgetestet wird die Schnelligkeit der Aufsichten auch beim zarten Nachfahren der ägyptischen Hieroglyphen. Es muss sich aber auch gut anfühlen, wenn man hautnah erspürt, was Steinmetze vor 4500 Jahren an Information hinterlassen haben. Ich durfte leider noch nie, noch nicht mal mit Handschuhen…

Die Eltern solcher haptisch hoch motivierter Kinder erkennt man sofort an ihrem Rundumblick, der wie einst R2D2 aus StarWars in Nanosekunden um den elterlichen Rumpf zu kreisen scheint.

Auch an den Schweißperlen auf der Stirn oder den gegenseitigen stakkatoartigen Anweisungen „Lass das!“ oder „Schnell, da, guck halt!“ Sie dauern mich, diese Eltern, denn wir waren auch einmal wie sie und hätten unsere Jungs damals am liebsten an die Leine genommen.

Das Losheulen einer menschlichen oder technischen Alarmanlage ist nicht das, was man sich von einem entspannten Sonntagsausflug verspricht. Im Großen und Ganzen läuft das Museumsleben ja recht rund (gut, es gibt auch Eltern, deren R2D2-Eigenschaften im Dauer-Ruhemodus liegen und die ein Museum mit einem Abenteuerspielplatz verwechseln), aber ab und an macht auch der Ton die Musik!

Wie viel schöner wäre es, wenn den kleinen Entdeckern mit einem freundlichen „Ich verstehe Dich, ich würde auch am liebsten mal anfassen. Leider geht das nicht, weil…“ begegnen würde, statt ein barsches „Das ist verboten!“

Kinder sind ja zum Glück nicht doof und verstehen sofort, was Wertvoll-Sein bedeutet. Ich alleine kenne mindestens fünf junge Menschen, die jegliche Ausstellungen meiden wie die Pest. Und das alles nur, weil man sie als Kleinkinder ständig angeraunzt hat, sich ja nicht zu schnell zu bewegen in den Heiligen Hallen.

Damit sich dieses Trauma nicht auch in Ihrer Familie festsetzt, sprechen Sie mich einfach an, wenn Sie mich das nächste Mal im Museum treffen. Ich erkläre Ihren Kleinen gerne die Welt, zumindest die im Museum.