„Kein Alkohol in der Schwangerschaft“

Präventionsprogrammin mit Ausstellungen in Bruchsal

Gut besucht war die Auftaktveranstaltung zum Präventionsprogramm „Kein Alkohol in der Schwangerschaft – Verantwortung von Anfang an“

Schätzungen zufolge kommen in Deutschland jährlich etwa 10.000 Babys mit alkoholbedingten Schädigungen, sogenannten fetalen Alkoholspektrum-Störungen (FASD), zur Welt. Um die verheerenden Auswirkungen von Alkohol in der Schwangerschaft in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und die zukünftige Elterngeneration zu sensibilisieren, hat die Suchtbeauftragte des Landkreises Karlsruhe, Melanie Anthoni, gemeinsamen mit weiteren Akteuren im Bereich der Suchthilfe und -vorbeugung das Präventionsprojekt „Kein Alkohol in der Schwangerschaft – Verantwortung von Anfang an“ entwickelt. Den Auftakt bilden zwei Ausstellungen für Schülerinnen und Schüler ab der 7 Klasse, die im November in der Käthe-Kollwitz-Schule in Bruchsal eröffnet wurden. Bei der Begrüßung hoben Schulleiter Hans-Peter Kußmann und Landrat Dr. Christoph Schnaudigel die Bedeutung der präventiven Arbeit hervor. Auf diese Weise könne es frühzeitig gelingen, die Risiken und Gefahren bewusst zu machen und so schädigenden Handlungen vorzubeugen, meinten beide übereinstimmend.

In seinem Fachvortrag veranschaulichte Dr. Reinhold Feldmann, Leiter von zwei FASD-Ambulanzen im Norden Deutschlands, die gravierenden Folgen von Alkohol in der Schwangerschaft. Der Alkohol gelangt über die Nabelschnur 1:1 zum Embryo. Da die Organe noch nicht ausgereift sind, dauert es die zehnfache Zeit im Vergleich zur Mutter, bis der Alkohol abgebaut ist: Bei 0,8 Promille 80 Stunden! Dies kann zu erheblichen geistigen und körperlichen Schädigungen sowie Verhaltensauffälligkeiten führen. Betroffene Kinder sind ihr Leben lang schwer beeinträchtigt und sozial benachteiligt.

Für die Gäste, darunter auch rund 100 Schülerinnen und Schüler, war es erschreckend zu hören, dass trotz dieser massiven Schädigungen Schätzungen zufolge nur zwei von zehn Frauen in der Schwangerschaft gänzlich auf Alkohol verzichten. FASD zählt zu den häufigsten bereits bei der Geburt vorliegenden Behinderungen – ungeachtet von der sozialen Schicht der werdenden Mutter. Alle Redner waren sich einig, dass sich die Gesellschaft der Auswirkungen von vorgeburtlichem mütterlichem Alkoholkonsum auf das Kind bewusst werden und durch solche Präventionsmaßnahmen dem verantwortungslosem Verhalten gegenüber dem ungeborenen Kind entgegengesteuert werden muss.

Die Ausstellungen sind für Schulklassen aus dem gesamten Landkreis Karlsruhe ab sofort an der Bertha-von-Suttner-Schule in Ettlingen zu sehen. Schülerinnen und Schüler, die sich speziell vorbereitet haben, führen durch die Ausstellungen.

Die Präventionsarbeit im Landkreis Karlsruhe wird danach nicht enden, sondern im Gegensatz weiter vertieft. Alle Schulen im Landkreis Karlsruhe können kostenfreie Präventionsangebote in Form von Workshops, Vorträgen oder Unterrichtseinheiten nutzen. Für die finanzielle Unterstützung dieses Angebots dankte Landrat Dr. Christoph Schnaudigel der AOK Mittlerer Oberrhein sowie dem Lions-Club Bruchsal.

Die Workshops sind mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit entstanden, um Fragestellungen der Ausstellung aufzugreifen, Wissen zu vertiefen und auf verwandte Themen wie die allgemeine Suchtprävention an Schulen oder auch die Gesundheitsförderung der Jugendlichen hinzuweisen. Die Zielgruppe umfasst neben Jugendlichen und der Gesellschaft ebenso Fach- und Lehrkräfte. Durch gezielte Fachberatung soll der Umgang mit jungen Menschen, die durch Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft geschädigt sind, erleichtert werden.

Dieses umfassende und vielseitige Präventionsangebot gelingt nur durch die enge Zusammenarbeit der Kooperationspartner. Dies sind neben der Suchtbeauftragten des Landkreises, Melanie Anthoni, die Mitarbeiter der Schwangerenberatung und der Frühen Hilfen des Landkreises Karlsruhe; Ärztinnen der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V., eine FASD Fachberaterin vom Jugendhilfeträger FAZIT und die Suchtberatungsstellen in Trägerschaft des bwlv, der agj Ettlingen und der Stadtmission Bretten e.V.