Stadtspaziergang

Kolumne von Eva Unterburg

Gestern war ich in der Stadt und damit meine ich Karlsruhe. Alte Durlacher sehen das mitunter anders, grins. Manches hat sich nicht verändert, an der aufgeheizten Südfassade des Schlosses hoffen die Sonnenanbeter auf baldige Bräunung, die Fahrradfahrer bahnen sich ihren kurvigen Weg durch den Schlossgarten und auch auf die bedächtigen Bewegungen der Boulespieler ist Verlass. Und dann sehe ich die bunten Zelte des Klima-Camps und mein Herz macht einen Hüpfer. „Wir bleiben, bis ihr handelt“. Das ist gut, denke ich und fühle mich in die 80er versetzt, als wir friedensbewegt ähnliche Aktionen starteten. Ich bin den Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr dankbar für ihr Engagement. Sie tun es für uns alle und nicht nur die Stadtoberen spüren beim Vorbeilaufen an der kleinen Zeltsiedlung ihre Verantwortung. Mein Weg führt mich über den neu gestalteten Marktplatz. Fröhlich hüpfen vergnügte Kinder durch die neuen Wasserinstallationen. Die Fontänen überraschen so manches unschlüssig wartende Menschlein und so gibt es auch Tränen. Ich stelle mir vor, was wohl passiert, wenn sich Kinder aus Freude oder im Streit zu schnell und ohne Aufsicht Richtung Schloss bewegen. Keine Begrenzung schützt sie vor den Straßenbahnen. 

Überhaupt, dieser Platz… 

Im Studium schrieb ich einmal eine Arbeit über die zahlreichen Pläne, die man im Laufe der Jahrhunderte zu diesem Kleinod gezeichnet hat, von barocker Pracht bis zu Weinbrenners Visionen. Bei Gelegenheit werde ich mal in der Krypta der Stadtkirche an dessen Steinsarkophag lauschen, vielleicht rumpelt es ja da drinnen. Ich könnte es verstehen. „Die Ruh‘ ist hin“ wird sich auch Karl Wilhelm denken, wenn es demnächst irgendwann losgeht mit dem Betrieb der Bahnen unter ihm. Vielleicht findet er das Treiben sogar ganz amüsant. Für Neues war er ja schon zu Lebzeiten zu haben. Mein Ziel ist der Hof der Stadtkirche, denn dort soll es ein Konzert mit Andacht geben. Ein echtes Konzert mit echten Musikern und echten Instrumenten, ich bin richtig kurzatmig. Und das liegt nicht nur an der Maske, die man auch im luftigen Hof zu tragen gebeten wird. Die Stimmung ist gut, die Andacht nachdenkens-wert und die Musik einfach nur schön. Dazwischen Kirchenglocken, Polizeisirenen und ein Rettungshubschrauber. Doch das tut dem Hörgenuss keinen Abbruch, im Gegenteil. Die Stadt lebt wieder und ich freue mich mit jeder Faser meines Seins darüber!