Sonderthema: Bildung und Teilhabe

Spaß, Entfaltung und Talentförderung bei der Freizeitgestaltung

Weil aus Träumen eine Zukunft werden kann

Freizeitgestaltung Klettergarten

Teil 3 des Sonderthemas Bildung und Teilhabe


Michaela DePrince ist schwarz und lebte als Dreijährige vernachlässigt in einem Waisenhaus in Sierra Leone, Afrika. Damals fand sie eine Zeitschrift mit dem Foto einer Tänzerin auf dem Cover. Sie beschloss: „Das will ich werden!“ und versteckte das Titelbild in ihrer Wäsche, damit es ihr niemand wegnahm. Eine amerikanische Familie adop-tierte sie, als sie vier Jahre alt war. Heute ist sie (mit Anfang Zwanzig) eine gefragte Ballerina und tanzt auf den großen Bühnen der Welt. Ein weiter, sehr harter Weg war es bis dahin – aber ihr Traum hat sich erfüllt. Vor allem, weil ihre Adop-tiveltern sie in den Ballettunterricht gehen ließen und sie darin unterstützten, ihren Traum auszuprobieren.

Nicht aus jedem Kind wird ein Star. Aber jedes Kind sollte das Recht und die Möglichkeit haben, seine eigenen Begabungen zu entdecken und zu entfalten. Deshalb unterstützen das Programm „Bildung und Teilhabe“ und der „Karlsruher Kinderpass“ bedürftige Familien nicht nur, wenn es um Schule und Bildung geht, sondern auch bei der Freizeitgestaltung der Kinder. Bis zu 10 Euro pro Monat (bzw. bis zu 120 Euro pro Jahr und Kind) stehen aus „Bildung und Teilhabe“ für Freizeitgestaltung zur Verfügung. Das klingt vielleicht eher gering, aber der Betrag deckt tatsächlich meistens den Jahresbeitrag für eine Vereinsmitgliedschaft ab. Und auch die Belegung einzelner Kurse ist möglich. Ob Sport, Musik, Kunst oder Theater – hier sind die Chancen zum Greifen nah, neue Erfahrungen zu machen, den Horizont zu erweitern, sich selbst auszuprobieren, neue Freunde zu finden und Schönes zu erleben. Die Kinder und Familien können selbst entscheiden, welche Angebote sie am interessantesten finden, und sich dann wegen der Unterstützung an die jeweiligen Stellen wenden (bei jobcenter und Bürgerbüro bzw. bei Stadtjugendausschuss und den teilnehmenden Gemeinden).

Ein Talent an sich selbst zu entdecken, ist eine bereichernde Erfahrung, die wirklich jedes Kind machen dürfen sollte. Die meisten Kinder wissen nicht sofort, wo ihre Begabung liegt und was ihnen Freude macht. Aber sie können es in Kindheit und Jugend herausfinden und genau das passende Hobby entdecken. Jede mit Begeisterung gewählte Freizeitgestaltung bringt Erfolgserlebnisse, Freude und das Bewusstsein, etwas bewirken zu können. Wie wichtig diese Erfahrung ist, belegen viele Studien zu kindlicher Entwicklung und Pädagogik. Hobbys bieten zudem die Möglichkeit, zumindest für ein paar Stunden aus der eigenen Herkunftswelt heraus zu gehen. Auf dem Fußballplatz spielen Hautfarbe, Religion und Sprache keine Rolle mehr. Beim Schwimmen oder Tanzen ist es egal, wie groß oder klein man ist. Beim Malen entsteht das Bild auf der Leinwand unabhängig davon, ob das malende Kind taub ist oder „die falschen Klamotten“ trägt.

Wir leben in Karlsruhe in einer Stadt mit mehr als 15 Sportvereinen, mit dem Badischen Konservatorium und mehreren Theatern, mit unzähligen Sprach-, Sport- und Kunst-Kursen der Volkshochschule und Angeboten in den umliegenden Gemeinden – da ist wirklich für jedes Kind etwas dabei. Es ist unbezahlbar wertvoll, im Laufe von Kindheit und Jugend unterschiedliche Sportarten und Künste ausprobieren zu können! Von Aerobic, Basteln und Gitarrespielen über Häkeln und PC-Kurse bis zu Spanischunterricht, Turnen und Zumba – wer genau hinschaut, staunt, wie viele Kurse und Programme die Gemeinden und Vereine zu bieten haben. Vereine suchen immer junge Talente und freuen sich über neue Mitglieder. Meistens werden „Schnupperstunden“ angeboten, bevor die Mitgliedschaft erforderlich wird. Wie auch bei der Unterstützung im Bereich der Bildung, so erfolgt die (anteilige) Übernahme von Vereinsbeitrag oder Kosten für die Kurse meist aus dem Programm „Bildung und Teilhabe“ (und manchmal, z.B. bei Pflegekindern, durch den jfbw). Die meisten Veranstalter kennen das Prinzip schon aus den vergangenen Jahren. Und auch der „Karlsruher Kinderpass“ umfasst einen (40-Euro-)Gutschein für Teilhabe-Aktivitäten. Einige Anbieter (zum Beispiel Musikschulen) geben starke Preisrabatte für Kinder mit dem „Karlsruher Kinderpass“, außerdem gibt es für die Kinder Freikarten (z.B. in manchen Schwimmbädern) oder Ermäßigungen bei Theatervorstellungen und Ferienfreizeiten. Nachfragen lohnt sich!

Und warum heißt es „Teilhabe“? Weil es darum geht, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, dabei zu sein, an wertvollen neuen Erfahrungen und der Freizeitgestaltung in Gemeinschaften teilzuhaben. Das ist gut für die ganze Gesellschaft. Wer ein Hobby hat, das ihn begeistert, langweilt sich weniger und gerät seltener in Situationen, in denen aus Frustration heraus Streitigkeiten begonnen oder Straftaten begangen werden. Positive Impulse aus dem Sportverein, aus der Musikgruppe oder dem Theaterkurs wirken im besten Fall auch in den Alltag hinein, in die Familie. Und oft wird aus einem kleinen Hobby eines Tages ein Wegweiser für die eigene Zukunft.