Pubertät zu Hause?

Angebote der Psychologischen Beratungsstellen Karlsruhe für Eltern

Foto: Stadt Karlsruhe/Sabine Steffler

Wie schwierig sie auch immer sind und was für Erwachsene unverständliche Dinge sie auch machen, eine Aufgabe von Jugendlichen ist es, sich langsam vom Elternhaus abzunabeln und ihre eigenen Interessen, Wege und ihre eigene Identität zu finden. 

Wie kann das nun gelingen, da sie im Moment kaum das Haus verlassen dürfen, nicht in der Schule, im Jugendclub oder im Park ihre Freunde treffen können und nicht den Jungen oder das Mädchen sehen können, in das sie grade verliebt sind?

Gerade für Jugendliche ist diese Situation besonders schwierig und es kann vermehrt zu Auseinandersetzungen mit den Eltern kommen: für manche, weil sie nicht rausgehen, für andere, weil sie endlich eine Rechtfertigung haben lange im Bett zu liegen, nicht an die frische Luft zu gehen und lange Zeit an ihren Smartphones oder Computern verbringen.

Schon bei den Schulaufgaben fängt es an. Eltern gehen davon aus, dass ihre Jugendlichen „das nun doch selber hinkriegen sollten“, zumal sie sich vielleicht auch eingestehen müssen, dass sie vielleicht die Inhalte selber nicht mehr besonders gut verstehen, andererseits wollen sie doch kontrollieren, dass die Jugendlichen ihre Aufgaben, die ihnen aufgegeben wurden, erledigen. 

Jugendliche wollen sich ungern so stark kontrollieren lassen, sie wollen erwachsen und selbstständig sein und nicht mehr unter dem ständig wachendem Blick ihrer Eltern stehen. Die Eltern auf der anderen Seite haben Sorge, dass die Jugendlichen über ihrem Smartphone, Computerspielen und im Bett „chillen“ nicht ausreichend tun und ihre schulischen Leistungen vernachlässigen. 

Das ist ein Konflikt der sich nie vollkommen auflösen lässt. Dennoch gibt es Möglichkeiten zwischen den-Jugendlichen-machen-lassen und totaler Kontrolle. Besprechen Sie mit Ihrem/Ihrer Jugendlichen, wie sie sich ihren Tagesablauf vorstellt, und welche Zeiten sie für Schularbeiten einplant. Verhandeln sie eine minimale Stundenzahl. Stellen Sie der/dem Jugendlichen ihre Hilfe zur Verfügung, drängen Sie ihm diese nicht auf. Wie wir alle mögen es auch Jugendliche nicht, wenn ihnen durch ständige Unterstützungsangebote, ihre Kompetenzen in Frage gestellt werden. Fragen Sie Ihre/ Ihren Jugendlichen, wie oft Sie ihn oder sie an ihre Aufgaben erinnern dürfen/sollen. Seien sie aber gewarnt, auch eine Absprache schützt nicht vor einem genervten „Ja, Mama“ oder „Ja, Papa“. Überlegen Sie gemeinsam, wie sie Medien mit einbeziehen können, welche hilfreichen Videos es gibt oder ob gemeinsames Lernen mit einer Freundin oder einem Freund über Videotelefonie möglich und hilfreich ist. Und wenn ihre Jugendliche/ ihr Jugendlicher Schwierigkeiten hat, überlegen sie gemeinsam, ob es nicht einfacher ist, wenn eine dritte Person sie unterstützt, Online-Nachhilfe gibt es nun jede Menge!

Auch wenn sie denken, sie haben eine Lösung gefunden und sie klappt nicht gleich, seien sie geduldig und verhandeln sie zur Not nach. Doch geben Sie ihren jugendlichen Kindern die Chance erstmal ihren eigenen Weg zu gehen und nicht immer gleich alles besser zu wissen (auch wenn sie das eventuell tun). 

Nehmen Sie diese Chance wahr ihre Kinder in die Selbstständigkeit zu begleiten, wenn auch dosiert. Lassen Sie Ihren Jugendlichen dann Rückzugsraum, vor allem auch vor jüngeren Geschwistern und die Möglichkeit mit ihren Freunden zu kommunizieren, denn die sind im Moment sehr wichtig.

Auseinandersetzungen wird es weiterhin geben. Atmen Sie dann tief durch und erinnern Sie sich daran, dass Sie der/ die Erwachsene sind und überlegen Sie sich gut, ob eine Konfrontation notwendig ist, oder nicht. In der Regel, lassen sich Konflikte besser klären, wenn sich die Gemüter (beidseits) beruhigt haben. Bei allen Auseinandersetzungen ist es gerade jetzt ist es wichtig, den Blick auch auf die Dinge zu richten, die gut gelingen.   

Wir hoffen, dass Ihnen die eine oder andere Anregung dabei helfen kann, die nächsten Wochen in der Familie mit möglichst wenig Stress und Belastung zu gestalten. Dabei wünschen wir Ihnen gutes Gelingen.

Psychologische Beratungsstellen Ost und West für Eltern, Kinder und Jugendliche der Stadt Karlsruhe, Otto-Sachs-Str. 6, 76133 Karlsruhe, Tel.: 0721/133-5360