Serie: Vier neue Köpfe für Karlsruhe

Achim Kolb vom Karlsruher Bündnis für Familie im Gespräch mit Iris Wuttke

Achim Kolb vom Bündnis für Familien

Meine Arbeit umfasst alle Bereiche, bei denen es um Familienfreundlichkeit in Karlsruhe geht oder darum, Familienthemen öffentlich zu machen“, steigt Achim Kolb in unser Gespräch ein: „Zusammen mit Unternehmen, Verbänden, der Stadtverwaltung und anderen Bündnispartnern entwickeln wir Projekte, Strategien und Maßnahmen, die dazu beitragen.“ So fand beispielsweise Ende März ein Arbeitgeberforum zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Technologieregion Karlsruhe“ statt. Es war eine Jubiläumsveranstaltung zum fünfjährigen Bestehen, und unter anderem wurden die Auswirkungen veränderter Lebensmodelle auf die Arbeitswelt diskutiert.

Da liegt die Frage nah: Was zeichnet denn eine familienfreundliche Arbeitswelt aus? Lässt sich das in einem Satz sagen? „In einem Satz definitiv nicht“, lacht Kolb, „aber wir können ja mal versuchen, es zusammenzufassen. Also: Prinzipiell ist die Frage, welche Vereinbarungen Unternehmen mit ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen treffen, die denen helfen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Erstmal sollte geklärt werden, was gebraucht wird: zum Beispiel die Möglichkeit zur Telearbeit oder eine Betreuung des Kindes während der Arbeitszeit. Dann können beide Seiten aktiv daran arbeiten, eine tragfähige Lösung zu finden. Jedes ausgearbeitete Modell klappt nur mit Führungskräften, die ihrer Vorbildfunktion gerecht werden – und das hat im Alltag, im Umgang mit berufstätigen Eltern, viele Facetten. Was in der Diskussion recht neu ist, sind die Belange der Väter, die gerne Elternzeit nehmen möchten oder nachmittags rechtzeitig heimkommen wollen, um sich wirklich noch mit den Kindern beschäftigen zu können. Die Herausforderungen und Vorurteile, denen Frauen seit Jahren begegnen, müssen nun auch für Väter betrachtet und gelöst werden. Das ist übrigens auch ein Thema, das ich als Schwerpunkt sehe und bei dem ich einiges in Bewegung bringen möchte.“

Interessant ist, dass sich nicht generell sagen lässt, ob große Unternehmen oder kleine Betriebe die besseren Bedingungen für familienfreundliches Arbeiten bieten: Einerseits verfügen große Unternehmen eher über eine Kita oder ähnliche Einrichtungen; andererseits kann beispielsweise ein Handwerksbetrieb vielleicht flexibler agieren, die Entscheidungswege sind deutlich kürzer, und kreative Lösungen werden einfach mal ausprobiert. Unabhängig von vorhandenen Strukturen geht es zudem darum, Schlüsselqualifikationen aus dem Familienalltag in die Arbeitswelt zu transferieren. „Da liegt noch so viel Potenzial!“ sieht Kolb und führt aus: „Eltern sind oft wahre Organisationstalente. Die meisten können sich in der verfügbaren Arbeitszeit engagiert auf ihre Projekte konzentrieren, auch wenn es drumherum hektisch zugeht. Auch die Sozialkompetenz, die man in der Familie täglich braucht, kann ein riesiges Plus für jede Abteilung sein – bis hin zur Führungskompetenz, denn auch die trainiert man im Familienalltag. Das alles ist noch zu wenig ins Bewusstsein der Gesellschaft gelangt. Dabei können sogar Führungspositionen durchaus auch als Teilzeitstellen gestaltet werden.“

Und das Ganze hat noch deutlich mehr Elemente: Zum Beispiel arbeitet das Bündnis für Familie an der Vereinbarkeit von Familie und Studium. Manch einer hat vielleicht schon das dazugehörige – und natürlich ironisch gemeinte – Plakat entdeckt, auf dem ein niedliches Baby in einem Taschenschließfach mit geöffneter Tür sitzt und dem zur Vorlesung eilenden Elternteil hinterher schaut. „Diese Initiative und der dazugehörige Ratgeber sind in Zusammenarbeit mit allen Karlsruher Hochschulen und dem Studierendenwerk entstanden“, verrät Achim Kolb, „und sie kommen sehr gut an. So können wir gut in Gespräche und Informationen einsteigen, welche Möglichkeiten der Kinderbetreuung es für Studierende gibt.“

Eine weitere gesellschaftliche Entwicklung betrifft die sogenannte „Sandwich-Generation“, die einerseits minderjährige Kinder erzieht und sich an-de-rer-seits zusätzlich um pflegebedürftige Eltern kümmert. Jene Frauen und Männer sollen – mit Kursangeboten und Gesprächsmöglichkeiten – Unterstützung in ihrer psychisch oft belastenden Situation erfahren.

Ein großes Projekt in Karlsruhe, das mit der City-Initiative bearbeitet wird und Achim Kolb am Herzen liegt, ist die Zertifizierung von kinder- und familienfreundlichen Betrieben. Kolb erzählt: „In den vergangenen Jahren wurden bereits über fünfzig Unternehmen zertifiziert; so auch das KARLSRUHER KIND. Diese Unternehmen müssen jedes zweite Jahr erneut zertifiziert werden. Derzeit liegen uns Anfragen von knapp sechzig weiteren Betrieben vor, die gerne zertifiziert werden würden – im Handel, ii der Gastronomie und der Freizeit, von großen Unternehmen bis zu kleinen Geschäften. Wir brauchen also unbedingt noch mehr Zertifiziererinnen und Zertifizierer!“ Wer darf sich dafür bewerben? „Jeder, der Lust auf ein kleines ehrenamtliches Engagement hat und im Monat ein- bis zweimal Zeit hat, einen Betrieb zu besuchen und dort die entsprechende Checkliste auszufüllen. Das dauert jeweils ungefähr eine bis zwei Stunden, hinterher muss ein Protokoll angefertigt werden. Insgesamt reden wir also über etwa einen halben bis höchstens ganzen Tag im Monat. Natürlich sollte jemand, der als Zertifizierer arbeitet, von dem Konzept überzeugt sein und einen guten Blick für die Bedürfnisse von Kindern und Familien haben. Deshalb kann zu den Terminen übrigens durchaus ein Kind in Kinderwagen oder Buggy mitgenommen werden.“ Wenn ein Betrieb erfolgreich zertifiziert wurde, erhält er eine Urkunde, Aufkleber für die Eingangstür, und weitere Materialien.

Seit vergangenem Herbst ist Achim Kolb beim Karlsruher Bündnis für Familie tätig. „Es gibt so viele Möglichkeiten, um Familienfreundlichkeit weiter auszubauen! In einem Arbeitskreis in Baden-Württemberg und im Netzwerk der Großstadtbündnisse stehe ich regelmäßig mit meinen Kollegen in anderen Städten in Kontakt. Auch dort entstehen immer wieder interessante Impulse. Und ich mag es einfach, mit Menschen an Ideen und deren Umsetzung zu arbeiten.“ Wir wünschen auch weiterhin viel Erfolg!