Irgendwas mit Medien

Kolumne von Eva Unterburg

„Irgendwas mit Medien“, meinte der Verleger meines Vertrauens gerade am Telefon. Hatte ich doch glatt vergessen, für diese Ausgabe eine Kolumne zu schreiben. Sein Satz erinnert mich an ein Gespräch mit einer Bekannten vor Jahren. Wir hatten uns zufällig nach langer Zeit auf der Straße getroffen und zwischen Einkaufstüten und Arzttermin tauschten wir uns über das Wohl und Wehe unserer Kinder aus – es passiert schließlich so manches in zehn Jahren. Nach dem Befinden ihrer Tochter befragt, hieß es etwas lapidar, sie mache irgendwas mit Medien. Nun ja, so ganz auf der Höhe der Zeit schien auch mein Gegenüber nicht zu sein, zumal die ahnungslose Mutter noch nicht mal den genauen Studiengang ihrer Tochter benennen konnte. Es ist aber auch verwirrend heutzutage.

Printmedien vielleicht?

Für mich blinken im Kopf sofort Printmedien auf, wenn ich dieses Wort höre. Ernstzunehmende tägliche Nachrichtenblätter, beim Arzt ausliegende Yellowpressheftchen und meine große wöchentlich erscheinende Zeitung mit dem fetten Kulturteil und der herrlichen Kolumne. Dann kommen Fachzeitschriften für Juristen, Bäcker, Jäger, Autofans, Segler, Gartenliebhaber und Ärzte.

Bücher?

Und dann muss ich nachdenken – na klar Bücher natürlich. All die wunderbaren Titel in meinem Rezensionsregal, die Tausende, die ich schon gelesen und vorgelesen habe. Die riesigen Mengen, die ich in diesem Leben gar nicht mehr schaffen werde zu lesen. Die tollen Bildbände mit perfekten Aufnahmen, die Lust auf ferne Länder oder Kunst in allen Variationen machen.

Musik?

Ja und dann die Musik natürlich. Unsere Musik von früher, die nur uns gehörte und nicht unseren Eltern. Welche Eltern mochten schon Pink Floyd oder Deep Purple? Wir hatten es leicht uns abzugrenzen, einmal kurz den Kassettenrecorder aufgedreht und schon kam aus dem Wohnzimmer die elterlich mahnende Stimme „Mach das Gejaule leiser, ich versteh` den Fernseher nicht mehr!“

Das waren noch Zeiten, als so manche betagte ältere Dame sich für den abendlichen Tagesschausprecher hübsch machte, weil ja irgendwie doch die Möglichkeit bestehen konnte, dass man gesehen wird in der heimischen guten Stube. Ich habe das tatsächlich als kleines Mädchen in den 70-ern so erlebt.

Soziale Netzwerke

Tja und heute bin ich total begeistert meine Urlaubsbilder allabendlich in den Status stellen zu können und freue mich, wenn über vierzig Menschen für ein paar Minuten mitreisen beim Anschauen. Unser Sohn meinte neulich, er kenne niemanden außer mir, der den Status benutzt auf seinem Handy. Und dabei freue ich mich doch so, dass ich endlich damit umgehen kann! Jahre später, als all die anderen Eltern, die sich sofort in die sozialen Netzwerke ihrer Kinder eingeloggt haben und sich wunderten, warum ihre Freundschaftsanfrage nicht mit wehenden Fahnen gewürdigt wurde.

Selbst jetzt, da die Teenies sich eine eigene Welt mit Tik Tok erobern, dort ihre Videos teilen und sich kranklachen über Typen, die gegen Geld aus der Kloschüssel trinken oder den Kopf in den Gartenteich stecken, sind schon wieder jede Menge Erwachsene mit am Start.

Drüberschauen ja, aber bitte doch nicht mitmachen.

Da verstehe ich tatsächlich den Fremdschämfaktor der 13-Jährigen. Das ist ja so, wie früher mit dem elterlichen Auto am Schultor abgesetzt zu werden und die absichtlich vergessene Butterbrotdose von einem hastig eilenden Vater unter lauten Wünschen für einen guten Schultag hinterher gebracht zu bekommen. Vielleicht war der Satz jener Mutter damals „Irgendwas mit Medien“ gar nicht so verkehrt, denn die Tochter hat ihr zu gegebener Zeit sicher genau erklärt, um was es geht in ihrem Studium.