Freie Waldorfschule Karlsruhe – Entwicklungswelten

Geht man im Juni durch das Schulhaus der Freien Waldorfschule, dann bemerkt man schnell, dass es zwei Themen gibt, die viele Schüler, Lehrer und Eltern dieser Tage beschäftigen. Zum einen das Mittsommerspiel der vierten Klassen und zum anderen die Praktika der neunten, zehnten und elften Klassenstufen. Diese Schwerpunkte zeigen auf sehr eindrückliche Weise, in welche Lebensbezüge die Schüler der Freien Waldorfschule Karlsruhe in ihrer Schullaufbahn gestellt werden.

In den ersten vier Schuljahren werden die Schüler sorgsam geführt, Wissenserwerb und Lernen werden eingebunden in die Welt der Märchen und Mythen, Fabeln und Legenden. Geschichten, Lieder und Rhythmen stärken die Kinder und ihren Glauben an das Gute und Schöne in der Welt. Diese Hülle wird in den ersten Jahren ganz bewusst gebildet, damit das Kind die Welt in seinem Tempo ergreifen kann und nicht von dieser überrollt wird. Wunderschön ist diese Stimmung zu fassen im jährlichen Mittsommerspiel der vierten Klassen, in welchem die Kinder ganz in die Welt der Elemente und Naturwesen eintauchen und sich in der Darstellung derselben noch einmal ganz intensiv mit der Natur und ihren Kräften auseinandersetzen können. Wer dieses Spiel erleben und sich ein Bild von den Welten der Naturkräfte machen möchte, sei herzlich eingeladen, am Samstag, 29., sowie Sonntag, 30. Juni, jeweils um 16 Uhr, zur Aufführung des Mittsommerspiels der diesjährigen vierten Klassen zu kommen.

Sind die Schüler und Schülerinnen langsam aus der engen Bindung an die Lehrer und dem Zauber der magischen Welten entwachsen, gehen sie, unterstützt durch die Schule, erste Schritte in die Welt. Immer mehr öffnet sich der Lern- und Lebensraum der Schule und in der neunten Klasse werden die Jugendlichen dann auch bewusst in reale Lebensräume geschickt. Es beginnt mit einem Landwirtschaftspraktikum in dieser Klassenstufe. Drei Wochen lang, um tatsächlich in einen Betrieb integriert werden zu können und die dortigen Aufgaben greifen und reflektieren zu können, arbeiten die Schüler und Schülerinnen bei idealerweise biologisch -dynamisch wirtschaftenden Landwirtschaftsbetrieben. Es geht darum, zu erleben, welche Arbeit notwendig ist, damit wir unsere Nahrung erhalten und unser Leben so leben könne, wie wir es tun, jenseits von Fast Food und Supermarkt. Die Verantwortung für unserer Umwelt soll erspürt werden können. Im nächsten Jahr werden die Schüler und Schülerinnen bei einem betrieblich orientierten Praktikum damit konfrontiert, wie es ist, in einer beruflichen Aufgabe zu stehen, und lernen ein von ihnen gewähltes Berufsbild innerhalb von drei Wochen intensiv kennen. In der gedanklichen Auseinandersetzung keimt die Ahnung, was es mit dem Leben als Erwachsener in den Arbeitswelten auf sich haben könnte und in welchen Verantwortungen und Abhängigkeiten man hier agieren muss. So manche Aufgabe, die erst einmal spannend klingt, wird dann im Erleben der alltäglichen Routinen noch einmal in eine ganz andere persönliche Wahrnehmung gestellt. Die soziale Verantwortung, die jeder Mensch in einer Gesellschaft trägt und die man als Gesellschaft nur erfüllen kann, wenn es Menschen gibt, die sich dieser Herausforderung stellen, erleben die Schüler und Schülerinnen im ihrem Praktikum in der elften Klasse. Nun geht es in Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und heilpädagogische Arbeitsfelder.

Weiß nach diesen drei Ausflügen in die Berufswelt jeder Schüler, was er mal werden möchte? Nein. Darum geht es auch gar nicht. Die Schüler und Schülerinnen erfahren, in welchem gesellschaftlichen Umfeld sich ihr Leben abspielt und welchen Verantwortlichkeiten sich der erwachsene Mensch gegenübergestellt sieht. Und vielleicht entdeckt der ein oder andere Schüler durchaus einen Impuls, der ihn auf seinem individuellen Werdegang inspiriert…