Abenteuer vor der Haustür

Empfehlungen unserer Karlsruher Autorin Sarah Nagel in reisebeschränkten Zeiten

Illustration: Ida Grosse

Endlich Urlaub – und jetzt?

Die Distanz zu lieben Menschen, aufreibendes Homeschooling, geschlossene KiTas, der Wechsel zwischen Lockdown und vorsichtiger Öffnung – auch 2021 bleibt eine Herausforderung. Da sind freie Tage ein Segen, eine mentale Pause. Doch schon wartet das nächste Problem. Denn der Urlaub im klassischen Sinne fällt weitestgehend aus. Und selbst wenn das ein oder andere möglich sein sollte, viele ziehen es aus Sicherheitsgründen trotzdem vor, zu Hause zu bleiben.

„Staycation“ statt „Vacation“ also. Doch wie gestaltet man als Eltern die Tage, sodass sie – für alle Beteiligten – Erholung und Spaß zugleich bieten? In den vergangenen Jahren kam ein Trend auf, der angesichts der Pandemie eine noch größere Bedeutung gewonnen hat: Mikroabenteuer. Der britische Abenteurer Alastair Humphreys entwickelte den Begriff in seinem 2014 erschienenen Buch Microadventures. Dabei muss man übrigens nicht, wie es Humpreys tat, vier Jahre lang um die Welt radeln. Ganz im Gegenteil! Mikroabenteuer zeichnen sich dadurch aus, dass sie kleine Fluchten aus dem Alltag sind, die auch vor der Haustür stattfinden können. Sie kosten wenig bis gar nichts, sind einfach zu realisieren und bieten trotzdem jede Menge Abwechslung. Die Bewegung an der frischen Luft hilft, die Akkus aufzuladen und stärkt das Immunsystem. 

Dabei kann jede Familie ihre eigene Komfortzone wählen. Schließlich muss man ja nicht gleich bei Minusgraden draußen im Schnee zelten. Eine Nacht auf dem Balkon tut’s auch…

Hier geht’s heiß her

Auf vielen Picknickplätzen im Wald gibt es eine Feuerstelle. Hier kann man es sich gemütlich machen und zum Beispiel ganz klassisch Stockbrot über dem Lagerfeuer backen. Mama und Papa bereiten den Teig zu Hause vor, dann wird eine Tischtennisball-große Menge um den Ast eines nicht giftigen (!) Baumes geschlungen und etwa 15 Minuten übers Feuer gehalten. Lecker!

Man kann auch mit Gaskocher, Topf, Löffel und den entsprechenden Zutaten eine frische Wintersuppe zubereiten. Kochen an der frischen Luft ist für Kinder immer ein Abenteuer.

Im Dunkeln ist gut munkeln

Nichts ist spannender als in der Dunkelheit unterwegs zu sein – das klappt im Winterhalbjahr meistens sogar noch vor der üblichen Zubettgehzeit. Die Kids dürfen das Abendessen in ihren Rucksack packen, sich Stirn- oder Taschenlampe schnappen (das wäre auch eine super Gelegenheit, die Laterne vom Martinsumzug wieder zum Einsatz zu bringen) und los geht’s. Selbst mitten in der Stadt findet man immer schwach beleuchtete Orte wie zum Beispiel Grünanlagen. Oder wie wäre es jetzt mit einem Spielplatzbesuch? Am Tag kann das ja jeder.

Unterm (Himmels-)Zelt

Die Temperaturen steigen? Dann zeltet doch einfach im Garten. Die Ausrüstung dafür muss man nicht teuer kaufen, sondern kann sie sich auch leihen. Einsteiger oder Familien ohne Zugang zum eigenen Grün können das Zelt auch auf dem Balkon aufbauen. Fortgeschrittene schlafen unter dem Sternenhimmel.

Auf Schusters Rappen

„Ich habe keine Lust mehr! Wie weit ist es noch?“ Wandern mit Kindern kann für die ganze Familie zu einer Belastungsprobe werden. Aber das muss es nicht! Längst gibt es für jedes Alter spezielle Kinderwanderwege. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie abwechslungsreich und meistens als Rundwege gestaltet wurden, eindeutig markiert sind, Picknickplätze bieten und oft ein spezielles Thema haben (https://www.schwarzwald-tourismus.info/erleben/wandern/wandern-mit-kindern/annis-abenteuer-touren). Der „Deutsche Wanderverband“ empfiehlt übrigens als Faustregel für entspannte Trips mit Kindern die Formel: Weglänge = Lebensalter mal 1,5. Vierjährige halten nach dieser Regel also sechs Kilometer durch. Allerdings sollten Mama und Papa immer offen für spontane Entdeckungen am Wegesrand sein. Auf einem Baumstamm balancieren, einen Schmetterling beobachten, die Füße kurz in den Bach tauchen – das sind die Mikroabenteuer, die die Kinder dazu motivieren, auch beim nächsten Mal die Wanderstiefel zu schnüren!

Tagesausflüge sind gerade wegen der Pandemie nicht angesagt, oder der Weg ist zu weit? Natürlich können Eltern, gegebenenfalls mit Hilfe von Online-Karten, auch eine Tour ab der Haustür planen. Oder wie wäre es mit einer Schnitzeljagd? Das geht, angepasst ans jeweilige Alter, schon mit Vierjährigen.

Stein, Feder & Co.

Was kann man in der Natur nicht für wunderbare Schätze finden! Umso besser, wenn daraus dann kleine Kunstwerke werden, die an den schönen Ausflug erinnern, wie zum Beispiel Traumfänger oder Mobiles. Beim nächsten Mal also einfach entsprechendes Bastelmaterial mit nach draußen nehmen und vor Ort schon loslegen. Auch super: Pottsteine bemalen. Dafür gibt es spezielle Acryl-Marker-Stifte, die im Wald praktischer sind als das Pinseln mit Acrylfarbe.

Lust bekommen? Im Internet und in der einschlägigen Literatur findet man unzählige weitere Tipps. Dabei gilt immer: Bitte haltet Euch an die Abstandsregeln und fahrt gegebenenfalls an weniger frequentierten Tagen in die jeweilige Region. Die Natur ist groß genug!