Der optimale Arbeitsplatz für‘s Schulkind

Dipl.-Päd. Detlef Träbert gibt Anregungen zum Thema Schreibtisch

In den Sommerferien suchen zahllose Eltern nach einem Schreibtisch für ihr Schulkind. Zwischen rund 100 und bis zu 1.000 Euro kostet ein solches Möbel. Aber
wie viele Mamas und Papas haben bereits die Erfahrung gemacht, dass es von den Kleinen vor allem als Spieltisch verwendet wird. Die Umgewöhnungsversuche hin zur Nutzung allein fürs Malen, Schreiben und Rechnen sind dann nicht einfach und oft genug vergeblich. Warum auch – man kann doch auch auf dem Fußboden liegend schreiben oder am Küchentisch rechnen. Die Kreativität unserer Kinder diesbezüglich ist enorm.
Tatsächlich gibt es gute Gründe, mit der Anschaffung eines Schülerschreibtisches zu­nächst einmal abzuwarten, bis das Kind ein Schulkind ist. Wenn es dann anfängt, Hausaufgaben zu erledigen, will es wahrscheinlich ohnehin erst einmal in Mamas Nähe sitzen. Da wäre ein Platz in der Küche oder im Wohnzimmer vermutlich naheliegender als der Schreibtisch im Kinderzimmer. Natürlich ist es richtig, sein Kind so früh wie möglich ans selbstständige Arbeiten zu gewöhnen, aber das gelingt nicht in jedem Fall von Anfang an. Manche benötigen einige Wochen, bis sie alleine Hausaufgaben machen können. Selbstständiges Arbeiten, ohne dass jemand unmittelbar danebensitzt, sollten Kinder sich trotzdem im Laufe des ersten Schuljahrs angewöhnen. So lernen sie auf natürliche Weise, dass allein sie selbst für ihre Erfolge wie auch für ihre Fehler verantwortlich sind – die Basis von Leistungsmotivation.
Wenn die häuslichen Schulaufgaben sich nach und nach zu einer regelmäßigen Aktion entwickeln, wird die Anschaffung eines Schreibtischs sinnvoll. Sich ihn mit dem Kind gemeinsam im Möbelhaus auszusuchen, führt zu einer viel besseren Identifikation mit dem neuen häuslichen Arbeitsplatz. Dabei sollte man fachkundige Beratung durch Fachverkäufer in Anspruch nehmen und dem Nachwuchs Gelegenheit geben, das Sitzen an verschiedenen Möbeln auszuprobieren. Sinnvoll ist es unbedingt, gleich einen Container für Schulbücher, Hefte und Schreib- sowie Malmaterial mitzukaufen, damit sich das Kind daran gewöhnt, alle Schulutensilien beieinander aufzubewahren. So kann es nicht nur leichter lernen, Ordnung zu halten, sondern auch rechtzeitig erkennen, ob Stifte, Farben oder Hefte nachgekauft werden müssen.
Zum Schülerschreibtisch gehört natürlich unbedingt ein guter Stuhl. Hier ist die Vielfalt noch viel größer als beim Tisch. Das ist auch sinnvoll, denn Kinder sind sehr verschieden. Wer ruhig sitzen kann, dem reicht ein klassisches Büromodell. Wichtig ist nur, es so niedrig einzustellen, dass die Fußsohlen flach auf dem Boden aufstehen. Wer nämlich seine Füße auf die Kufen stellt, kann kaum ruhig sitzen. Lebhafte bis zappelige Kinder jedoch brauchen etwas ganz anderes: einen Sitz- oder Stehhocker mit gebogenem Standfuß. Dieser erlaubt ständige Bewegung im Hüftbereich, ohne dass der Oberkörper unruhig wird. Derlei Hocker gibt es sogar in höhenverstellbarer Version und sind bestens für die relativ kurzen häuslichen Arbeitszeiten geeignet. Eine sehr preiswerte Alternative dazu stellen Luftpolster-Sitzkissen dar, die aus einem normalen Küchenstuhl einen komfortablen und ergonomischen Arbeitsstuhl machen. Zwischen zehn und 40 Euro kosten die verschiedensten Ausführungen im Sanitätshaus wie auch im Internet. So wie die Sitzhocker ermöglichen auch sie Bewegung in der Hüfte bei ruhigem Oberkörper. Wichtig ist auch hier, dass der Sitz insgesamt so niedrig ist, dass die Fußsohlen voll und ganz auf dem Boden aufstehen.

Viele und nicht nur zappelige Kinder lieben es zudem, zwischendurch auch mal im Stehen zu schreiben, etwa an Mamas Bügelbrett, oder bäuchlings auf dem Fußboden liegend. Das schadet nicht nur nichts, sondern ist für die Aufrechterhaltung der Konzentration bei den Hausaufgaben äußerst positiv.