„Zwei unter Zwei“ – Mein Leben als Zweifach-Mama – Teil 4

Somajeh C. Tewolde

Alles hat ein Ende, nur meine Schwangerschaft (scheinbar) nicht. Es ist – das sage ich voller Stolz – das größte Abenteuer meines Lebens, auch wenn hier nicht die Rede von meinen Erlebnissen als Superheldin sein wird. Ich möchte Euch erzählen, wie es ist, wenn man zwei Kinder unter zwei Jahren mit geringem Altersabstand hat. 

Die letzten zwei Wochen vor dem Stichtag waren angebrochen und bei meinem Erstgeborenen startete die Kita-Eingewöhnung. Was für ein Segen! Das übernahm mein Mann und ich verabschiedete mich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Denn ich genoss den gewonnenen Freiraum, indem ich mich oft hinlegte und ausruhte, um neue Kräfte für das anstehende Finale zu sammeln. 

Doch irgendwann war der Stichtag verstrichen und es passierte nichts. Ich las mich durch sämtliche Google Einträge, die ich zu dem Thema finden konnte. Das war genau das, was man in so einer Situation natürlich nicht machen sollte. Auf allen einschlägigen Seiten stand zu dem Thema, dass es bei der zweiten Geburt früher losgehen sollte. Warum war das bei mir nicht so?

Seitdem ich über dem Stichtag war, musste ich jeden zweiten Tag zum CTG ins Krankenhaus. Inzwischen war ich schon zwölf Tage drüber. Mein Frauenarzt hatte mir gesagt, dass es immer besser sei, so lange wie möglich mit einer Einleitung zu warten, wenn es keine medizinischen Gründe dafür gebe. Die CTGs sahen gut aus. Aber im Krankenhaus warnten mich die Hebammen – das sei immer nur eine Momentaufnahme. Man könne nie wissen, wie sich die Plazenta in den nächsten 24 Stunden entwickelt. Trotzdem wollte ich noch warten und hoffte auf eine schöne, natürliche Geburt.

Am 1. Geburtstag meines Sohnes trank ich, auf Anraten der Ärztin, im Krankenhaus einen Wehen-Cocktail und durfte danach erst mal wieder nach Hause. Dort feierten wir zu Dritt den großen Tag meines Erstgeborenen und er packte fleißig seine Geschenke aus. Leider zeigte der Wehen-Cocktail keinerlei Wirkung. Am nächsten Tag wurde ich stationär im Krankenhaus aufgenommen. Eine der Ärztinnen klärte mich über die weiteren Möglichkeiten auf. Die nächste, noch relativ sanfte Methode bestand darin, Tabletten zu nehmen, die dafür sorgen sollten, dass mein Körper anfing, Wehen zu produzieren. Inzwischen war mein Baby schon 13 Tage über dem errechneten Termin. Ich nahm die Tabletten und hoffte, dass es nun wirklich bald losgehen würde. Denn auf einen Wehentropf oder gar Kaiserschnitt hatte ich nun wirklich gar keine Lust. 

Beim nächsten CTG setzte sich eine der Hebammen zu mir und fing ein Gespräch mit mir an. Geschickt stellte sie mir einige Fragen, die dazu führten, dass mir klar wurde, dass ich einfach eine riesige Angst vor der Geburt hatte. Denn bei meinem ersten Kind lag ich 28 Stunden in den Wehen. Auch wenn ich am Ende überglücklich mein gesundes Baby in den Armen hielt, war es alles andere als eine Traumgeburt. Ich redete mit meinem zweiten Kind im Bauch und flüsterte ihm zu, dass er sich jetzt auf den Weg machen könne. „Wir schaffen das!“. 

Und wenig später ging es auch endlich los! In der Nacht vom 14. auf den 15. Tag wachte ich auf und bemerkte, dass sich der Schleimpfropf gelöst hatte. Kurz danach setzten die ersten Wehen ein. Eine Stunde und 45 Minuten später hielt ich, nach einem wunderschönen Geburtserlebnis, um 4:52 Uhr morgens das Baby in den Armen. Mein Mann und ich waren überglücklich, den Familienzuwachs endlich in Empfang nehmen zu können. 

Nach der Aufregung blieb ich sogar noch gerne die nächsten drei Tage im Krankenhaus. In der Zeit lernte ich langsam mein zweites Kind kennen und genoss es, umsorgt zu werden und mich um nichts weiter kümmern zu müssen. Wie entspannt ich doch war. Alles ging mir viel leichter von der Hand als beim ersten Mal. Natürlich fieberte ich auch dem Tag der Entlassung entgegen. Denn ich freute mich sehr, meinen Erstgeborenen endlich wieder in die Arme schließen zu können und ihm seinen Bruder vorzustellen. 

Somajeh C. Tewolde