Sich klug verhalten in der Pandemie

Betrachtungen von Dipl.-Päd. Detlef Träbert

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Fast zweieinhalb Jahre leben wir nun schon mit Corona. Rund 30 Mio. Menschen haben sich hierzulande seitdem infiziert, 143.000 davon (Stand Ende Juli 2022) sind an dieser hochansteckenden Krankheit verstorben – das sind etwa dreimal so viele wie die maximal 20.000 Grippetoten, die wir vor der Pandemie alljährlich zu beklagen hatten. Seit Corona gibt es weniger andere Infektionen, weil wir uns mit Masken, Abstand und intensiverer Hygiene auf sinnvolle Art und Weise schützen.

Doch die Bereitschaft zur Einhaltung derartiger Schutzmaßnahmen hat dramatisch nachgelassen, seit sie von staatlicher Seite gelockert wurden. Vor einem Jahr lag die Inzidenz bundesweit bei unter 50. Aktuell werden Werte über 700 gemeldet und zudem wird darauf hingewiesen, dass es ein großes Dunkelfeld gebe. Das liegt natürlich vor allem an den veränderten und viel ansteckenderen Virustypen, die derzeit die Lage bestimmen. Aber es liegt auch daran, dass es keine Maskenpflicht mehr im Alltag gibt, außer bei der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Doch jeder, der Bus und Bahn fährt, sieht viel zu viele Mitfahrende, die ihre Maske nur sehr nachlässig tragen, die Nase freilassen oder gar keinen Schutz aufsetzen. Wo viele Menschen auf engem Raum ohne reichliche Frischluft-Zirkulation versammelt sind, ist das Infektionsrisiko ungemein hoch. Schließlich kann sich niemand sicher sein, das Virus nicht in sich zu tragen und daher zu verbreiten, zumal die Testzentren mittlerweile bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr kostenfrei genutzt werden können.

Die Leute sind des Coronavirus müde geworden. So verständlich das ist, so lebensgefährlich ist die zunehmende Nachlässigkeit aber auch. Gut drei Viertel der deutschen Bevölkerung sind zweifach geimpft, aber nur 61,8 Prozent (Stand: 19.07.2022) dreifach. Mittlerweile wird die vierte Impfung empfohlen. Dabei gibt es unzählige Beispiele für Infektionen trotz Impfung. Auch ich selbst habe mich nach der dritten Impfung zweimal angesteckt und musste die Quarantäne ertragen. Aber so wie mir ging und geht es den meisten trotz Impfung Infizierten: Die Symptome bleiben milde. Außenministerin Annalena Baerbock hatte trotz dreifacher Impfung schon mehr zu kämpfen und litt länger als vierzehn Tage an ihrer Coronaerkrankung.

Und vereinzelt gibt es auch Fälle von Long COVID, also dem Leiden an Symptomen, die mehr als vier Wochen nach dem Ansteckungszeitpunkt fortbestehen. Symptome, die länger als drei Monate anhalten oder erst dann auftreten, werden als Post-COVID-Syndrom eingeordnet. Solche gravierenden Erkrankungen treten jedoch bei geimpften Personen wesentlich seltener auf als bei nicht oder nur ein- bis zweimal immunisierten. Vergegenwärtigt man sich, dass sich aktuell jeden Tag immer noch rund 100.000 Menschen infizieren und ca. 100 an Corona versterben, wird deutlich, dass die Risiken im Zusammenhang mit dieser Virusinfektion nicht nachgelassen haben. Nach wie vor werden die schweren oder gar tödlichen Krankheitsverläufe weit überwiegend bei ungeimpften Patienten beobachtet. Ein zuverlässig hilfreiches und lebensrettendes Medikament ist noch lange nicht in Sicht.

Es ist, wie es ist – Corona ist da und bleibt vorerst. Das Virus bedroht und belastet uns unablässig. Es verändert sich zudem immer wieder, so dass bislang kein Impfschutz die Erkrankung völlig verhindern kann. Aber die Schwere des Krankheitsverlaufes abmildern und die Sterblichkeit nach einer Infektion reduzieren, das vermag die Impfung durchaus. Wer das versteht und sich den kleinen Pieks abholt, so oft das medizinisch sinnvoll ist, schützt zunächst sich und seine Lieben vor dem unkalkulierbaren Risiko COVID-19. Außerdem tragen alle Geimpften zu einem reibungsloseren öffentlichen Leben bei, zu funktionierendem Nah- und Fernverkehr, zu einer personell ausreichend ausgestatteten Gastronomie und einem florierenden Wirtschaftsleben, zu normal funktionierenden Kitas und Schulen. Es lohnt sich!