Schutz vor sexuellen Grenzverletzungen

Was können Eltern tun?

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Jede dritte bis vierte Frau mit Behinderung hat in ihrer Kindheit und Jugend sexualisierte Gewalt erfahren. Das ist zwei- bis dreimal häufiger als bei Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt. Umso wichtiger, dass Eltern wissen, welche Möglichkeiten Sie haben, ihre Kinder mit Behinderung vor sexuellen Übergriffen schützen. 

Die Familienberatung der Lebenshilfe hat dazu kürzlich einen digitalen Elternabend veranstaltet. Referentinnen waren Renate Fiedler und Linda Werner von AllerleiRauh, der Fachberatungsstelle der Stadt Karlsruhe bei sexueller Gewalt.

Der beste Schutz vor sexueller Gewalt ist die Stärkung der Kinder in Hinblick auf ihre körperliche Selbstbestimmung, war eine der entscheidenden Botschaften des Abends. Die eigenen Gefühle wahr- und ernstnehmen, nein sagen können und sich Hilfe holen dürfen seien dafür die entscheidenden Voraussetzungen. Eltern könnten ihren Kinder Mutbotschaften vermitteln und Vorbild sein.

„Kinder mit Behinderung haben meist schon gute Kompetenz, sich Hilfe zu holen“, weiß Monika Kumeth, erfahrene Familienberaterin der Lebenshilfe, und Eltern könnten die oft nonverbalen Äußerungen ihrer Kinder oft gut lesen. Wichtig sei, dass Eltern auch ihren Kindern mit Behinderung ausreichend Wissen über ihren Körper und ihre Sexualität vermittelten. Die Familienberatung der Lebenshilfe hat dazu Bücher und Anschauungsmaterial, ebenso die Pro Familia mit ihrem sexualpädagogischen Angebot für Kinder und Jugendliche mit Handicap.

Und Eltern sollten die Verführbarkeit ihrer Kinder kennen, sagt Monika Kumeth. Unerfüllte Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Sexualität mache angreifbar für sexuellen Missbrauch, ebenso die Abhängigkeit von pflegerischen Hilfeleistungen. Umso wichtiger sei es, dass Eltern entsprechende Schutzkonzepte von Einrichtungen, die ihre Kinder besuchen, einfordern, so Kumeth. Es gehe darum, das Thema ins Licht zu rücken und aufmerksam zu sein.

Andrea Sauermost