Können Schmetterlinge lachen?

Betrachtungen von Dipl.-Päd. Detlev Träbert

„Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken.“ So lautet der Anfang eines sehr poetischen Liedtextes der deutschen Rockband „Novalis“ aus dem Jahr 1973. Als mir diese Zeilen aus einem Kalender entgegenspringen, habe ich spontan das Bild von Kindern vor Augen, die im strahlenden Sonnenschein auf einer Wiese spielen. Wer unsere Kleinen beim freien Spiel in der Natur beobachtet, hat keinen Zweifel daran, dass sie sich mit Faltern unterhalten können, dass sie genau wissen, ob Wolken lecker sind oder nicht und vieles mehr.

Wie kommt es nur, dass wir Erwachsenen darüber nur noch schmunzeln? Nun gut – wir WISSEN, dass Schmetterlinge weder lachen noch mit uns sprechen können. Wir WISSEN, dass man Wolken nicht auf ihren Geschmack testen kann. Sind dann die genannten Fähigkeiten unserer Kinder nur Einbildung?

Da bin ich mir nicht so sicher. Schließlich kennt die Psychologie das Phänomen der „imaginären Gefährten“. Solche Fantasiegestalten schaffen sich Kinder als Freunde, etwa ab von drei bis sieben Jahren. Sie helfen Kindern zu lernen, sich in andere einzufühlen und sie besser zu verstehen. Sie fördern sogar ihre sprachlichen Fähigkeiten – für Einzelkinder besonders bedeutsam. Sie verbessern die Orientierung in einer Welt voller Ver- und Gebote.

Dass Kuscheltiere und Puppen „echte“ Gefährten unserer Kinder werden können, ist wohl allen Eltern bekannt. Die Beziehung zu den „eingebildeten“ Freunden ist jedoch so stark, dass die meisten eine Ersatzpuppe für die ihnen weggenommene nicht akzeptieren, selbst wenn sie identisch ist. Auch wundert sich niemand, wenn die Kleinen Rollenspiele mit Kuscheltieren, Puppen oder Spielzeugautos veranstalten. Insofern ist es doch eigentlich logisch, dass ihr Verhältnis zu Blumen und Schmetterlingen, Käfern und Steinen gleicherma­ßen funktioniert.

Selbst Naturphänomene oder Fantasiegestalten vermögen eine solche Rolle einzunehmen – mit der Kreativität von kleinen Kindern können wir Erwachsenen einfach nicht mithalten. Wir brauchen das auch meist nicht mehr. Schließlich haben wir selbst einmal dank unserer Fantasiefreunde nach und nach genau den Realismus gelernt, den man in unserer Lebenswelt braucht.

Und dass auch Erwachsene ab und zu noch die Fantasiewelt als Nebenschauplatz im Leben nutzen, sehen wir an Phänomenen wie Live-Rollenspiel, Schützenverein oder Karneval. Da finde ich persönlich es viel angenehmer, es den Kindern nachzumachen, mich gelegentlich im Sonnenschein ins Gras zu legen und den Schmetterlingen, Vögeln, Blumen und Bäumen zu lauschen…