Verbraucherzentrale informiert über Nahrungsergänzungsmittel mit Obst- und Gemüseextrakten

Über das Portal „Klartext Nahrungsergänzung“ erreichen die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg viele Fragen und Beschwerden zum Thema Nahrungsergänzungsmittel. Regelmäßig dabei: Anfragen zu Produkten wie beispielsweise LifePlus oder Juice Plus, die mit hoch konzentrierten Obst- und Gemüseextrakten werben. Was es mit den angeblichen Vitamin-Wunderpillen auf sich hat, erklärt Sarah Quartier von der Verbraucherzentrale Baden-Würt-tem-berg.

Glaubt man den Werbeversprechen der Hersteller, sind Nahrungsergänzungsmittel mit Obst- und Gemüseextrakten gesundheitlich mindestens genauso wertvoll wie frisches Obst und Gemüse. „Tatsächlich enthalten die Extrakte aber nur einen Teil der ursprünglichen Inhaltsstoffe“, erklärt Sarah Quartier von der Verbraucherzentrale in Karlsruhe. Auch wissenschaftliche Studien über positive gesundheitliche Wirkungen von frischem Obst und Gemüse können nicht auf die Pillen und Pulver übertragen werden. Und anders als die Werbung suggeriert, werden Vitamine und Mineralstoffe in den Obst- und Gemüseextrakten in der Regel zugesetzt und stammen selten aus natürlichen Quellen. „Möglich ist auch, dass sich Schadstoffbelastungen der verwendeten Rohware mit Pestiziden oder Schimmelpilztoxinen in den Extrakten wiederfinden“, sagt die Lebensmittelexpertin.

Ein beliebter Vertriebsweg für diese Nahrungsergänzungsmittel ist das Multi-Level-Marketing: Laien, meist selbst Kunden des Unternehmens, verkaufen die Produkte an Freunde und Bekannte, um sich damit das Geld für die eigenen Nahrungsergänzungsmittel zu verdienen. Das ist häufig notwendig, denn die Pillen und Pulver haben ihren Preis. „Ein Komplettpaket aus Gemüse-, Obst- und Beerenkapseln kann beispielsweise für vier Monate stolze 300 Euro kosten. Doch eine Einzelbestellung – ohne Vier-Monats-Abo – ist nicht möglich“, berichtet Quartier. Fachfremde Laien, wie der Yoga-Lehrer oder die Frisörin bewerben die Produkte zudem häufig mit unseriösen Versprechen bis zur Heilung von Krebs oder Gendefekten.

Nur in bestimmten Situationen ist es für Verbraucher sinnvoll und notwendig, Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Teure, hoch konzentrierte Obst- und Gemüseextrakte sind allerdings in keinem Fall notwendig. „Bei gesunden Menschen kann der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen über die normale Ernährung abgedeckt werden,“ sagt Quartier. Sie empfiehlt, die Wirkung und die Notwendigkeit solcher Produkte kritisch zu hinterfragen.

Auf dem Portal „Klartext Nahrungsergänzungsmittel“ (www.vz-bw.de/klartext-nahrungsergaenzung) finden Verbraucher mehr als 100 Fachartikel zu verschiedenen Produkten. Außerdem besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen, falls bestimmte Produkte oder Inhaltsstoffe noch nicht aufgeführt sind. Verbraucher, die regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln jeder Art vorab mit dem behandelnden Arzt abklären, da es zu unerwünschten Wechselwirkungen kommen kann.