Zumba Gold – Kolumne von Eva Unterburg

Grafik: Raphael Becker

Sagt Ihnen Zumba Gold etwas? Wohl eher nicht, denn Sie haben gerade kleine Kinder und kennen wahrscheinlich das ganz normale Zumbaprogramm, mit dem man wunderbar Stress abbauen kann und ganz nebenbei etwas für die Gesundheit und die Figur tut. Die Goldvariante ist für Menschen ab sechzig – so etwa. Ich gehöre zu der „So etwa“-Zielgruppe. Ich bin nämlich noch keine Sechzig, fühle mich aber irgendwie älter. Insbesondere wenn ich Menschen im deutlich fortgeschrittenen Alter behände Zumba tanzen sehe. Auf Youtube können die das IMMER und zwar auf allen angebotenen Kanälen.

Die Vortänzerinnen sind extrem agil, meist deutlich reifer als ich und beherrschen ihre Choreographie aus dem FF. Ich beherrsche sie mitnichten und hechte jeder Schrittfolge stolpernd hinterher. Alles Lateinamerikanische kommt mir spanisch vor, meine Armbewegungen wedeln ganze Takte später umher und erinnern eher an die Einweisungen von Fluglotsen oder das Verscheuchen von Wespen am Kaffeetisch. Elegant ist wirklich anders. Aber ich übe, jeden Tag eine andere Tanzchoreographie mit einer neuen Tanzlehrerin – oder sagt man Trainerin?

Sie sehen, wie weit weg ich bisher dieser Thematik war. Sport, nein danke, das war jahrelang meine Devise. Aber gewisse Zahlen auf unserer Körperwaage sprechen eine Sprache, die alles bisher Dagewesene sprengt, leider auch die bisher dagewesenen Kleider. Deshalb jetzt Zumba Gold im Schlafzimmer bei zugezogenen Gardinen und voller Lautstärke, damit mein reduziertes Lungenvolumen akustisch nicht allzu sehr zum Tragen kommt. Der akkuraten Ausführung der Schrittfolgen tut das Halbdunkel nicht gut und schon mehrmals rammte ich den Schrank beim Versuch, die Armbewegungen umzusetzen.

Anfangs irritierten mich die sonderbaren Laute, die besonders bei schweren Schrittfolgen – wo gibt es denn etwas Schweres bei Zumba Gold, werden Sie jetzt fragen – den fröhlich-erhitzten Gesichtern der Vortänzerinnen entströmten. Ein lustiges „Yihaa“ oder ein hohes „Jieep“ war ich bisher nicht gewohnt, aber inzwischen quietsche ich munter mit und freue mich, wenigstens das anstandslos zu beherrschen. Ein immerwährender Quell neuen Ansporns ist das „Gut gemacht“ zwischendurch.

Wenn die wüsste! Gäbe es den freien Blick in mein Schlafzimmer, würde sie wohl eher mit „Setzen sechs“ kommentieren. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und deshalb werde ich auch morgen wieder einschalten und mich nach einer Stunde höchster Konzentration und tölpelhafter Umsetzung fragen, wann es endlich die Zumba Platin Version gibt, die man vom Stuhl aus machen kann.