Zahltag – mehr als nur Taschengeld – Tipps

Der bekannte Wiener Verhaltenspädagoge und Erfolgs­autor Gerhard Spitzer, Gründer des Vereins KiddyCoach und Autor von „Entspannt Erziehen“ ist bekannt durch seine humorvollen Vorträge zum Thema“ / Foto: Dave Meier

Eines sollte schon mal gleich zu Anfang klargestellt sein: Ließe man ihnen die freie Wahl, würden Kinder augenblicklich und mit Freuden auf das schnöde Geld verzichten.

Das entspräche einfach ihrem intuitiven Grundverständnis. Jedenfalls dann, wenn man sie vor marktübliche kindliche Entscheidungen stellt, wie zum Beispiel: „Willst du lieber mehr Geld oder lieber noch ´ne lustige Kuschelrunde?“

Raten Sie doch mal, wobei Sie, liebe Eltern oder diensthabende Großeltern wohl eher den Meistbieter-Zuschlag bekämen…

Aber gut, da wir uns das mit der völligen Fokussierung auf Zaster in unserer Erwachsenenwelt nun mal so eingerichtet haben, sollte man das Zeugs auch möglichst passgenau in die ursprünglich nicht ganz so profitorientierte, kindliche Welt einbringen.

Bevor ich jedoch behutsame Tipps zur Taschengeld-Planung einbringe, muss ich erstmal ein paar wahrscheinlich nicht ganz so populäre, aber nichtsdestoweniger sehr wichtige Blickwinkel loslassen, wie man mit Geld besser nicht zu Werke geht.

Zensurentag, Zahltag? „Toll, mein Engel!“, strahlt Oma Ute, als sie die glatte Einser-Zensur für die Rechen-Arbeit ihres zehnjährigen Enkels, Thorsten, sieht. „Dafür haste dir aber einen extra Zehner verdient!“

Autsch, liebe, gute Ute! Knapp vorbei geschossen am begleitenden Erziehungsziel, würde ich sagen! Die „dicke Brieftasche“ aufzumachen oder auch zuzuklappen, zwecks Bargeldentzug bei den allseits beliebten du-böses-Kind,-ich-nix-zahlen-Situationen, ist ein absolutes „no-go“ für mich als notorischer nörgel-Pädagoge. Aber obwohl mir die allermeisten amtierenden Bezugspersonen bei diesem Ansatz sicherlich instinktiv zustimmen würden, ist die monetäre Belohnung guter Zensuren in unzähligen deutschen Familien als erzieherische Maßnahme immer noch bestens eingeführt. So funktioniert das aber leider nicht, liebe Leute! Denn meistens sind es ein paar Jahre später eben genau diese „Leistungs-Bezahler“, die mit einem heftig pubertierenden Jugendlichen zu mir in die heilpädagogische Praxis kommen: „Hilfe, mein Sprössling rührt überhaupt keine Schularbeiten mehr an, wenn ich ihn nicht mit Aussicht auf Taschengeld-Zuschlag ködere!“ Also, offenbar ist das tatsächlich kein so guter Plan, liebe Ute!

Achtung, Korruption! Aus verhaltenspädagogisches Sicht gibt’s noch eins obendrauf: Kinder, die für ihre eigenen Leistungen eine materielle Entlohnung erhalten, werden schlicht und einfach dadurch korrumpiert. Jep! Das Unwort „Korruption“ ist leider nicht bloß für die Erwachsenenwelt reserviert. Oder war´s bloß die „Politiker-Welt“? Egal! Das passiert eben leider auch den allerjüngsten Leutchen, sobald man damit angefangen hat, sie nicht mehr mit elterlichem Charme, sondern mit Geld zu bestechen. Das führt uns zur eingangs schon erwähnten Grundeinstellung von Kindern gegenüber Geld: je jünger Kinder sind, desto mehr zählt für sie eigentlich nur, dass die Tätigkeit, die grade eben super gut hinbekommen haben, von ihrem Bezugspersonen auch super gesehen wird. Die gelungene Tätigkeit selbst ist dabei die Belohnung! Geld brauchen Sie dafür ganz sicher keines. Erhalten Sie es aber dennoch, wird diese Art der Zuwendung nur allzu rasch zur Gewohnheit. Pech gehabt: Bei Oma Ute ist schon lange an jedem einzelnen Zensuren-Tag Zahltag.

Zimmermuffel: „Wenn du dein Zimmer nicht zusammenräumst, gibt es diesmal kein Taschengeld!“, droht Papa Stefan seiner zwölf-jährigen Tochter, Lisa. Was soll ich dazu noch sagen? Das eingeschnappte Wegschnappen von ohnehin hart „verdientem“ Taschengeld ist halt auch immer noch ein beliebtes erzieherisches Stilmittel. Damit geht aber unsere momentane Pechsträhne gleich zweifach in die Verlängerung: Erstens, ist der Entzug von Geld wiederum ein perfektes Mittel, um die kindliche Motivation nachhaltig zu vernichten. Ups! Knapp vorbei ist auch daneben … Zweitens, sollte man keinesfalls die kindlich-geradlinige Denkweise außer Acht lassen. Lisa zum Beispiel denkt soeben: “Hä? Was´n nu los? Was hat denn mein Taschengeld mit dem ollen Zimmer zu tun?“ Siehste, Stefan? Sinnlos deine Aktion, weil null Lerneffekt! Also, zahl lieber, Paps!

Bonusfrei: Sie haben sicher schon den gemeinsamen pädagogischen Nenner erkannt: Geld eignet sich rein gar nicht als erzieherische Soforthilfemaßnahme. Weder als Bonus, noch als Sanktion.

Viel wichtiger ist es, Kids einen realistischen und vor allem entspannten Bezug zu Geld näherzubringen. Das aber hat vor allem mit Regelmäßigkeit und Berechenbarkeit zu tun. Verzichten Sie – bitte alle, auch die Omas, Opas und Großtanten dieser Welt – auf Sonder-Ausschüttungen. Seltsam: Bei den Bankern regen uns die Sonderboni auf und daheim sollen die gut sein?

Finanzplanung: Und so geht’s: Ab dem Schuleintritt können Sie loslegen, würde ich sagen. Starten Sie bitte mit wöchentlichen Auszahlungen in Höhe von nicht mehr als drei bis fünf Teuronen. Kids bis zum Alter von zehn Jahren haben Schwierigkeiten, in Monatszeiträumen zu planen. Die fixen Anhebungen des Tarifs  – schrittweise bis 50 Euronen pro Monat, beispielsweise mit 16 – sollten schon vorher ausgemacht sein und auch fix eingehalten werden. Also: keine Extra Zahlungen mehr, wenn´s recht ist! Auch für die stets super-gesunden Schulbuffets gibt’s ab jetzt keine Tagesration Kohle mehr. Lieber eine Tagesration gesunde Vesper. Andernfalls könnten Sie die ganze gleichermaßen interne, wie geheime Finanzplanung Ihres Kindes durcheinander bringen. Schließlich geht es uns ja wohl genau darum, dass unser Sonnenschein lernt, mit Geld planvoll umzugehen.

Übrigens: Am meisten Spaß macht das gemeinsame Planen: „Na, mein Schatz? Was wirst denn mit deinem ersparten Taschengeld machen?“ Schauen Sie jetzt in die Augen Ihres Lieblings.

Sie werden es mögen!


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