Wie sag ich’s dem Frauenarzt, der Hebamme und den Eltern?

„Zwei unter Zwei“ – Mein Leben als Zweifach-Mama – Teil 2 von Somajeh Cathrin Tewolde

Somajeh C. Tewolde

Es ist – das sage ich voller Stolz – das größte Abenteuer meines Lebens, auch wenn hier nicht die Rede von meinen Erlebnissen als Superheldin sein wird. Ich möchte Euch erzählen wie es ist, wenn man zwei Kinder unter zwei Jahren mit geringem Altersabstand hat.

Im dritten Monat nach der Geburt meines ersten Kindes war ich wieder – wie geplant – schwanger – ich fruchtbare super-Mutti – man darf sich ja auch mal selber auf die Schulter klopfen. Wie viele Frauen versuchen schwanger zu werden und bei mir hatte es gleich beim ersten Versuch erneut geklappt. Mein Frauenarzt rief mich persönlich an, um mir die frohe Botschaft zu überbringen. Das überraschte mich. Denn ich hatte ihn bei der Nachsorge-Untersuchung gefragt wie lange ich warten müsste bis wir mit der Familienplanung weiter machen könnten. Er sagte: „Ja besser ist es schon, wenn Sie ein Jahr warten. Dann muss ihr erstes Kind nicht so früh die Mama teilen.“ Ja das war ein Argument, aber zu viele Gegenargumente. Eins davon war, dass der Kleine langfristig nur davon profitieren könnte, wenn er ein Geschwisterchen in fast demselben Alter bekam.

Außerdem war ich zu dem Zeitpunkt auch schon 38. Sehr lange konnte und wollte ich nicht mehr warten. Und nun? Siehe da der Frauenarzt sprach mir sogar gut zu: „Machen Sie sich keinen Kopf, es sieht alles sehr gut aus.“ Wie beruhigend. Auf einen zynischen Kommentar von meinem schwäbischen Frauenarzt, der total kompetent und sympathisch – aber auch sehr direkt sein kann – hätte ich jetzt wirklich keine Lust gehabt.

Als nächstes rief ich meine Hebamme an. „Was? Das ist ja toll, dein Kind bekommt ein Geschwisterchen, ich freue mich so für Euch!“ Mit dieser recht überschwänglichen Reaktion hatte ich nicht gerechnet. Wir machten gleich einen ersten Termin für ein Treffen aus. Ob ich auch an einem Geburtsvorbereitungskurs teilnehmen wollte. Nein, eigentlich nicht, dachte ich mir. Ich konnte mich noch sehr gut an die Geburt und die Vorbereitungen dazu erinnern…

Inzwischen war ich schon im vierten Monat schwanger. Jetzt wollten wir es endlich auch den Verwandten und Freunden erzählen. Doch davor hatte ich auch ein wenig Angst. Ich war guter Hoffnung, aber total unsicher wie die Reaktionen darauf sein würden. Am schwierigsten war es für mich, es meinen Eltern zu erzählen, denn ich konnte mich noch gut an die Worte meiner Mutter erinnern. „Was – jetzt willst Du schon wieder schwanger werden? Das ist doch viel zu früh.“ Dann war noch die Corona Pandemie in vollem Gange, so dass wir meine Eltern, die in Nordrhein-Westfalen leben, noch nicht einmal persönlich die frohe Botschaft überbringen konnten.

Doch ich wollte trotzdem nicht mehr länger damit warten und hatte beschlossen, es beim nächsten Face time-Anruf zu erzählen. Die Botschaft sollte auf eine kreative Art und Weise die Empfänger erreichen. Dafür beschriftete ich ein Blatt Papier mit den Worten: „Ich werde bald ein großer Bruder“ und legte es meinem zu dem Zeitpunkt vier Monate alten Baby auf den Bauch, um dann anschließend ein Foto davon zu machen. Es war ein Bild für die Götter. Mir wurde ganz warm ums Herz.

Dann schickte ich das Foto über einen Messenger mit dem Handy an meine Eltern und rief sie direkt danach an. Meine Mutter freute sich riesig. Mein Vater hingegen war etwas griesgrämig. „Was, das ging aber schnell. Wo soll das noch enden?“ So kannte ich meinen Papa, hart aber herzlich. Ein paar Tage später überwog aber auch bei ihm die Freude über sein siebtes Enkelkind. Schließlich hatte ich sehr überzeugende Argumente. Denn die Söhne meiner Schwester hatten mit 18 Monaten auch einen relativ geringen Abstand und die konnte nur Positives berichten. Zumal sie auch der lebende Beweis dafür sind, wie schön es sein kann, wenn die Kinder altersmäßig so dicht beieinander sind.