Was das KARLSRUHER KIND alles kann

Kolumne von Eva Unterburg

In einer Elternzeitung geht man ganz automatisch davon aus, dass die Leserinnen und Leser über eigene Kinder verfügen, sie als Enkelkinder feiern oder sich als beste Paten der Welt verdingen. Und mit „man“ meine ich nach kurzem Inmichgehen eigentlich nur mich. Ich kann ja nicht wissen, wer momentan allmonatlich die online-Ausgabe anklickt oder sich am Zeitungsstapel in der Verteilerstelle seiner Wahl bedient.

Vielleicht sind es ja Jugendliche, die beim Stöbern von Erziehungstipps für Kleinkinder in für sie exotische Lebensbereiche eindringen und auf dem virtuellen Pausenhof ihre schrägsten Fundstücke präsentieren. „Ey, stell dir vor, manche Babys werden direkt nach der Geburt wie kleine Mumien zusammengewickelt, krass Alter“. 

Vielleicht dient unsere Elternzeitung ganz profanen Zwecken, zum Unterlegen bei längst fälligen Malerarbeiten oder zum Einwickeln eines Fisches auf dem hiesigen Markt. Vielleicht wird das Karlsruher-Kind aber auch auf Parkbänken durchgeblättert und so mancher Greis erinnert sich „Das haben Unsere damals auch so gerne gemacht“. Waldbäche aufstauen und Burgen erkunden bleiben eben universelle Kindervergnügen bis heute. 

Vielleicht ist das Karlsruher-Kind aber auch für manche ein absolutes No-Go und wird beim Vorbeigehen so intensiv gemieden, wie das Weihwasser vom Teufel. Wer als Paar mittleren Alters immer wieder nach seiner Familienplanung   gefragt wird, obwohl es die einfach nicht gibt, reagiert vielleicht allergisch auf Ausflugstipps mit Kindern auf der Titelseite. 

Ich las neulich mit viel Mitgefühl in einem Forum darüber, wie anstrengend es sein kann, wenn sich das Umfeld unbedingt ein Kind wünscht. Die Hinweise von Opa und Oma in spe können diesbezüglich sehr subtil sein in Form von entzückenden Babyfotos frischgeborener Enkel aus dem Freundeskreis, die nur mal eben zur Info weitergeleitet werden. Steuertipps für Familien oder Wiedereinstiegsmodalitäten in den Beruf nach der Babypause werden gerne von männlicher Familienseite eingesetzt. „Also in unserer Firma wäre das Daheimbleiben früher ein Karriereknick gewesen, da haben es die jungen Leute schon sehr viel leichter in der heutigen Zeit“, ist ein gern formulierter Satz, um den Enkelwunsch voran zu bringen.

 Was noch mit einem Lächeln kommentarlos zur Kenntnis genommen werden kann, ist angesichts von pastellfarbener Minikleidung im elterlichen Strickkorb schwerer zu ignorieren. Die ganz harten Geschütze fahren in weihnachtlich beseelter Runde aber gerne die älteren Semester auf. Obwohl sie nur am Rande des Familiengefüges kreisen, schwingen sie sich zu einem süffisantes „Na, wann isses denn bei euch endlich soweit?“ auf. Der Nachsatz „Die Uhr tickt doch schon oder?“ macht das Ganze nicht besser. Das lässt so manches mit seinem Leben zufriedene Paar kurzatmig werden. Wer ob solcher verbalen Übergriffe nicht schlagfertig kontern kann, trägt die Botschaft noch lange mit sich herum und führt nachts imaginäre Streitgespräche. Wenn dann noch der halbe Freundeskreis im Babyglück ist, kann ein harmloser Stapel „Karlsruher-Kinder“ das Fass zum Überlaufen bringen. 

Was natürlich ganz und gar nicht in unserem Sinne ist. Wir freuen uns über alle, die unsere Elternzeitung lesen, ihre Blumen darin einwickelt, ihren Hochstuhl damit verkaufen, DEN entscheidenden Durchschlaftipp gefunden hat, die grüne Tonne damit auslegen und sich jeden Monat darauf freuen, Neues im Karlsruher-Kind  zu entdecken.