Gelderziehung

Das Deutsche Jugendinstitut e.V. nimmt Stellung

Taschengeld - Sparschwein

Die Forderung nach einem Taschengeld für Kinder war in Deutschland während der Erziehungs- und Bildungsreform gegen Ende der 1960er Jahre erhoben worden, bereits Anfang der 1970er Jahre hatte es sich durchgesetzt. Seither ist der Anteil der Kinder, die Taschengeld erhalten, nicht wesentlich gestiegen, auch weil es – mit Ausnahme für die Kinder in Erziehungshilfe – keinen Rechtsanspruch auf Taschengeld gibt.

Die gängige Praxis der Taschengeldzahlung legitimiert sich durch die Absicht, den Kindern ein Stück Selbständigkeit zu gewähren und sie als gleichberechtigte Familienmitglieder mit eigenen Wünschen anzuerkennen. Meist wird zwischen Eltern und Kindern ausgehandelt, in welcher Höhe und mit welchen Modalitäten das Taschengeld ausgezahlt wird. Dennoch verbleibt die soziale Macht, ein Taschengeld zu gewähren, bei den Eltern als Sorgepflichtige.

Viele Eltern wollen mit der Zuteilung eines regelmäßigen Taschengelds Konflikte mit ihren Kindern verhindern. Dessen ungeachtet möchten sie ihre Kinder zu einem vernünftigen Umgang mit Geld erziehen, der vor allem darin besteht, mit einem begrenzten Budget auszukommen. Da beim Taschengeld der Zusammenhang von Arbeit und Geld aufgelöst ist, knüpfen manche Eltern die Aushändigung des Taschengeldes an die Übernahme von häuslichen Pflichten. Das Kindern bedingungslos zu gewährende Taschengeld bleibt in diesen Fällen nur ein Ideal.

Ebenso wenig ist die freie Verfügbarkeit über das Taschengeld selbstverständlich. Viele Kinder müssen ihre Eltern fragen, ob und für was sie ihr Taschengeld ausgeben dürfen. Der Zuwachs an Selbstständigkeit und Autonomie der Kinder durch die Verfügung über Geld ist häufig ein durch die Eltern geregelter.

Das Deutsche Jugendinstitut e.V. (DJI) ist eines der größten sozialwissenschaftlichen Institute für Forschung und Entwicklung in Deutschland in den Themenbereichen Kindheit, Jugend, Familie und den darauf bezogenen Politik- und Praxisfeldern. Weiterführender Link: Expertise (PDF) von Alexandra Langmeyer & Ursula Winklhofer zum Thema „Gelderziehung“