Leserbrief – Eltern werden während Corona

Ein Beitrag von Raphael Becker aus Karlsruhe

Darf der werdende Vater mit in den Kreißsaal oder nicht? Darf er Mutter und Kind im Krankenhaus besuchen? Haben wir ausreichend Toilettenpapier zu Hause? Diese Fragen wurden im Geburtsvorbereitungskurs nicht gestellt, wenn gleich jener Kurs sehr lehrreich war!

Wir hatten Glück und ein gutes Timing, denn beim „Wunder der Geburt“ durfte Papa mit dabei sein – unvorstellbar, dass beinahe das Gegenteil aufgrund des Corona-Virus COVID-19 der Fall gewesen wäre.

Die Diskussion über diese Entscheidung sowie über Hygiene- und Schutzmaßnahmen war absolut verständlich und natürlich auch jede daraus resultierende Konsequenz! Denn dass Kranken- und Pflegepersonal, die tatsächlichen Helden des Alltags, nicht gefährdet werden durften, war auch für uns vollkommen klar! Persönliche Interessen mussten in dieser Ausnahmesituation zurückgestellt werden! Doch die Geburt des eigenen Kindes zu verpassen wäre tragisch gewesen! Genauso tragisch wie die Tatsache, dass der frischgebackene Papa, im Anschluss an die Geburt, drei Tage lang nicht auf die Wochenbettstation im Krankenhaus, zur Mama mit dem Baby darf. Letzteres war bei uns der Fall, es waren die längsten Tage überhaupt!

Doch die Situation war nicht zu unterschätzen und die drei Tage ließen Platz um das „Nest einzurichten“. Denn Papa kaufte ein: Windeln, Gemüse, Brot, saure Gurken, Joghurt und Schokolade – und glücklicherweise gab es noch ausreichend Nudeln und Toilettenpapier. Einen Tag später sah die Situation schon ganz anders aus – wir hatten eben Glück und ein gutes Timing.

Doch in der Apotheke waren die Tropfen gegen Bauchweh bereits ausverkauft, die herstellenden Länder konnten nicht liefern.

Es fühlte sich an wie beim Rodeo, ein Hin und Her zwischen dem „größten Glück“ und der „tiefsten Ungewissheit“.

In dieser „Corona-Zeit“ hat unser kleiner Sonnenschein nicht nur uns auf andere Gedanken gebracht! Die Familie und der Freundeskreis, Arbeitskolleginnen und Kollegen, sogar die Nachbarin haben sich von Herzen über die gute Nachricht gefreut. Die Geburt eines kleinen Menschen hat so vielen Personen ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert und ihnen auch ein wenig Hoffnung bereitet; eine besonders gute Nachricht  inmitten so vieler Negativschlagzeilen.

Wie gut es uns doch geht! Wir sind die glücklichsten Menschen, nach drei Tagen wieder vereint, in einem Land mit funktionierendem Gesundheitssystem und mutigen Frauen und Männern, die uns mit allem Notwendigen versorgen. Hilfsbereitschaft, Solidarität und Zusammenhalt – drei Dinge die wir unserem Nachwuchs weitergeben werden.

In einer Zeit, die in jeglicher Hinsicht „unvergesslich“ ist.

Raphael Becker, Karlsruhe